Schock: Mann liegt acht Jahre tot in Wohnung - Nachbarn plündern Konto

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Ein Siegel der Polizei verschließt eine Tür. Foto: dpa

Eine Leiche liegt acht Jahre lang in einer Wohnung in Senden (Münster). Die Ermittlungen ergaben jetzt schlimme Details - aus dem Kreis der Nachbarn.

Acht Jahre lang lag der Frührentner Heinz H. aus Senden bei Münster, tot in seiner Wohnung. Das warf bei der Polizei Fragen auf. Die Ermittlungen brachten nun grausame Details zu Tage.

  • Ein Mann aus Senden bei Münster lag acht Jahre lang unbemerkt tot in seiner Wohnung.
  • Die Polizei stellte Ermittlungen zu dem Fall an.
  • Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Nachbarn den Tod des Mannes schamlos ausgenutzt haben.

Mann liegt acht Jahre lang tot in Wohnung - Fall wirft Fragen auf

Update, Donnerstag (31. Oktober): Der Fall um den Mann aus Senden, der acht Jahre lang unbemerkt tot in seiner Wohnung lag, warf Fragen auf. In dem Mietshaus in der Schulze-Bremer-Straße wohnten insgesamt 39 Parteien. Wie konnte es da sein, dass die Leiche so lange unentdeckt blieb? Was passierte mit seiner Post?

Außerdem gab es Hinweise, dass Abbuchungen von dem Konto des verstorbenen Frührentners getätigt wurden. Nun sind die Ermittlungen der Polizei Coesfeld abgeschlossen. Sie brachten schlimme Details zu Tage - unter anderem über die Nachbarn des Verstorbenen.

Tatverdächtige wohnen im selben Haus in Senden bei Münster

Am Mittwoch (30. Oktober) gab es gleich fünf Hausdurchsuchungen. Unter anderem in Senden, Münster und im Kreis Warendorf. Und in vier Fällen wurden die Ermittler nun fündig: Sie konnten Beweismittel sicherstellen, die den Verdacht erhärteten, dass widerrechtliche Abbuchungen von dem Konto des Toten getätigt wurden.

Gegen vier Tatverdächtige liegt nun eine Anzeige wegen Betrugs vor. "Alle vier kommen aus dem Kreis des Hauses", so die Pressesprecherin der Polizei Coesfeld gegenüber RUHR24.

Tatverdächtige öffnen Briefe des toten Mannes aus Senden

Unter anderem wurden mehrere Verträge mit den Kontodaten des 59-jährigen Verstorbenen abgeschlossen, so die Pressesprecherin weiter. Außerdem haben sie in regelmäßigen Abständen den Briefkasten geleert. Zunächst hatten sie die Post zwar aufbewahrt, dann aber nach einiger Zeit weggeschmissen.

Auch dafür fand die Polizei nun Beweise bei den Hausdurchsuchungen. Deshalb wird gegen einige Personen auch ein Verfahren wegen Verletzung des Briefgeheimnisses eingeleitet. Außerdem seien einige Briefe auch geöffnet worden, sagte die Polizei.

Nachbarn aus Senden bei Senden nutzen Tot des Mannes aus

Und was ist mit den anderen Bewohnern des Mehrfamilienhauses? Warum haben die nichts bemerkt? "Täglich grüßt das Murmeltier", heißt es da von Seiten der Pressesprecherin der Polizei Coesfeld gegenüber RUHR24. Sprich: Kaum jemand achtet auf seine Nachbarn

Im Haus habe man sich zwar gedacht, dass was mit dem 59-jährigen Heinz H. passiert sei, aber niemand hatte sich wirklich in der Verantwortung gefühlt, sich darum zu kümmern. Außer die vier Tatverdächtigen. Und die haben die Situation wohl schamlos ausgenutzt und das Konto des Frührentners geplündert.

Hausbrand führt zu zufälligem Fund des toten Mannes

Erstmeldung, 15.39 Uhr (3. Oktober): Im Keller eines Hochhauses in Senden bei Münster brach in der Nacht zu Sonntag (22. September) ein Feuer aus. Zum Zeitpunkt des Brandes mussten rund 70 Menschen aus zwei Wohnhäusern evakuiert werden.

Währenddessen machten die Einsatzkräfte einen erschreckenden Fund: In einer der Wohnungen lag die Leiche des mit 59 Jahren verstorbenen Frührentners Heinz H. Zuvor mussten die Einsatzkräfte die Tür der Wohnung einschlagen.

Wie die Obduktion ergab, ist der Mann bereits seit acht Jahren tot und im Jahreswechsel von 2011 und 2012 verstorben. Die Einsatzkräfte fanden auch die Leiche seines Hundes "Linus". Vermutlich ist er neben seinem Herrchen verhungert. Der Brand wurde durch unsachgemäße Müllentsorgung ausgelöst.

Nachbarin meldete das Verschwinden des toten Mannes vor Jahren

Der überquillende Briefkasten und das Auto, dass längst rostet: Eine Nachbarin des toten Mannes schöpfte schon vor einigen Jahren Verdacht. Sie schaltete die Hausverwaltung und schließlich auch die Polizei ein.

Besonders ein unangenehmer Geruch im Treppenhaus ließ sie Alarm schlagen. Dieser sei aber weder den Einsatzkräften noch der Hausverwaltung aufgefallen. Sogar die Rentenversicherung des toten Mannes und das Ordnungsamt soll die Nachbarin benachrichtigt haben.

Acht Jahre tot in der Wohnung: Angehörige sollen für Beerdigung aufkommen

Die Nachbarin versuchte außerdem, den Sohn des toten Mannes ausfindig zu machen. Vergebens, denn dieser stand offenbar schon vor dessen Tod nicht mehr in Kontakt mit seinem Vater.

Medienberichten zufolge sollen die Angehörigen von Heinz H. dennoch für die Beerdigung aufkommen. Die Polizei ermittelt nun, wieso den Hinweisen der Nachbarin damals nicht weiter nachgegangen wurde.

Zuletzt hatte es einen ähnlichen Gruselfund im Ruhrgebiet gegeben, wo ein Mann (53) in Marl ein Jahr lang mit der Leiche seiner toten Mutter zusammenlebte. Das Ordnungsamt entdeckte die Tote in der Wohnung ihres Sohnes.