Inklusive klarer Forderung

Distanzunterricht an NRW-Schulen: Schüler rechnen mit Ministerin Gebauer ab

NRW lässt die Schulen nach den Osterferien eine Woche länger zu. Die Unwägbarkeiten wegen des Coronavirus seien zu groß. Ministerin Yvonne Gebauer wird massiv kritisiert.

NRW – Nach Ostern kehrt der Großteil der rund 2,5 Millionen Schüler in Nordrhein-Westfalen zunächst nicht zurück in den Präsenzunterricht. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat entschieden, dass die Schulen in NRW eine weitere Woche geschlossen bleiben*. Die Infektionslage sei nach den Feiertagen zu unsicher, berichtet RUHR24*.

PolitikerinYvonne Gebauer
Geboren2. August 1966 (Alter 54 Jahre), Köln
ParteiFDP
AmtMinisterin für Schule und Bildung in NRW

Corona: Schulen in NRW bleiben geschlossen – offener Brief an Ministerin Gebauer

In einer Mail hat Gebauer die Schulen darüber informiert, dass der Unterricht aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie* für alle Grundschüler und Schüler der weiterführenden Schule ab Montag (12. April) eine Woche lang ausschließlich als Distanzunterricht stattfinden wird. Abschlussklassen sind von dieser Regelung ausgenommen. Die Abiturprüfungen sollen wie geplant am 23. April beginnen.

Ab dem 19. April soll der Unterricht dann wieder im Wechselmodus mit Präsenzanteilen und halbierter Klassenstärke stattfinden. Voraussetzung dafür ist, dass das Corona-Infektionsgeschehen die teilweise Rückkehr zulasse. Im Präsenzbetrieb soll es zwei Corona-Selbsttests pro Woche für alle Personen an den Schulen geben*. Mehrere Schülervertreter aus NRW sind besorgt. In einem offenen Brief wenden sie sich an Ministerin Gebauer.

NRW: Schüler rechnen mit Gebauer ab – keine Konzepte und aus Fehlern nichts gelernt

Schon im ersten Lockdown sei deutlich geworden, dass die Digitalisierung der Schulen in Nordrhein-Westfalen zu spät komme. Schnell habe sich gezeigt, dass der Spalt zwischen sozial starken und sozial schwachen Schülern immer größer wurde. Der Unterricht hätte nicht wie in den Jahren zuvor stattfinden können (mehr News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24).

Die Landesschülervertretung habe bereits zur Mitte des ersten Lockdowns auf die vielen Probleme im Homeschooling und die schlechte Ausstattung der Schüler hingewiesen. Schulministerin Gebauer hätte darauf mit den Worten reagiert, dass die Erfahrungen über die Krise hinaus Bestand haben würden.

Aus bisherigen Fehlern nichts gelernt? NRW-Schüler kritisieren Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

„Leider wurden die Erfahrungen des ersten Lockdowns im nächsten Lockdown schon nicht genutzt“, werfen die Schülervertreter der FDP-Politikerin in dem offenen Brief vor. Konzepte hätten gefehlt und Vorgaben seien unklar und oftmals kurzfristig vor dem Wochenende kommuniziert worden. Zudem seien Schüler ohne die nötige technische Ausstattung nicht genügend unterstützt und unter „nicht fairen Bedingungen“ unterrichtet worden.

NRW: Zentrale Abschlussprüfungen an Schulen 2020 wegen Corona ausgesetzt

Zunehmend sei auch die psychische Belastung der Schüler gestiegen, weil sie ihre Freunde nicht sehen konnten, ihre Freizeit zum Großteil allein zu Hause verbringen mussten und der ständigen Angst ausgesetzt waren, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Einige Schüler hätten ihre erkrankten Familienmitglieder leiden sehen oder sogar an dem Virus verloren.

Trotz dieser Umstände sollen in diesem Jahr die im Mai anstehenden Zentralen Abschlussprüfungen in NRW durchgeführt werden. Im Vorjahr wurden diese noch landesweit ausgesetzt. Gebauer hatte das damals mit fehlendem Unterricht begründet, eine Durchführung wäre „nicht fair“ gewesen. Daran habe sich laut der Schülervertreter in diesem Jahr aber nichts geändert – im Gegenteil.

Den Schülern fehle dieses Jahr nicht nur der Unterrichtsstoff aus dem ersten Lockdown, es seien zudem noch weitere Monate Homeschooling hinzugekommen. Die Schülervertreter fordern in ihrem offenen Brief deshalb, dass den Schülern in NRW die Möglichkeit einer Wahl zwischen den Zentralen Abschlussprüfungen und der Durchschnittsnote gegeben wird.

Corona in NRW: Schulministerin Gebauer hält an Prüfungen fest und will „keine Nachteile“

Somit könne jeder für sich entscheiden, welche Maßnahme für den bestmöglichen Abschluss geeigneter sei. Die sozialen Ungleichheiten könnten dadurch abgemildert werden.

Schulministerin Gebauer hatte zuletzt nicht nur an den Abiturprüfungen, sondern auch an den Zentralen Abschlussprüfungen am Ende der Klasse 10 festgehalten. „Entscheidend ist, dass dieser Jahrgang sich darauf verlassen kann, dass ihm keine Nachteile entstehen“, so die Ministerin. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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