Schal und Jacke im Klassenzimmer?

Corona in NRW: „Intensives Lüften“ im Kampf gegen das Virus

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)
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NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)

Die Corona-Zahlen steigen weiter. Jetzt wird ein Konzept gefordert, wie es für die Schulen nach den Herbstferien weitergehen soll.

NRW - Es ist ein Thema, was gerade viele Eltern und Schüler beschäftigt: Wie soll der Unterricht nach den Herbstferien trotz steigender Corona-Zahlen ablaufen? Aktuell zählt „intensives Lüften“ zu den wichtigen Elementen im Hygienekonzept der Schulen.

Landesregierung NRW prüft Schulen wegen Corona auf Lüftungsmöglichkeiten

Allerdings sinken zum Ende des Jahres auch zunehmend die Temperaturen. Viele Eltern sind besorgt, dass ihre Kinder aufgrund der vermeintlichen Kälte im Klassenzimmer erst recht krank werden. In einzelnen Schulgebäuden habe das Lüften außerdem zu Problemen geführt, die Landesregierung NRW will sich daher über die Situation einen exakten Überblick verschaffen, wie der WDR berichtet.

Nach aktuellem Erkenntnisstand haben 90 Prozent aller Schulen im Bundesland keine Probleme mit der Belüftungssituation. Viele Kommunen seien derzeit dabei, die Belüftungskonzepte selbst noch einmal zu überprüfen und anpassen zu lassen.

Corona in den Schulen NRWs: „Keiner muss sechs Stunden im Unterricht frieren“

Grundsätzlich ist nach den Herbstferien aber Lüften in den Schulen angesagt. Dabei sollen alle 20 Minuten für etwa drei bis vier Minuten die Fenster zum Stoßlüften geöffnet werden. Durchzug soll dabei keinesfalls während des Unterrichts, sondern nur während der Pausen entstehen. „Keiner muss sechs Stunden am Tag im Unterricht frieren“, so NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer gegenüber dem WDR 5.

Sie empfiehlt für Schüler und Lehrer dennoch den Zwiebellook. Also mehrere Schichten Kleidung und gegebenenfalls auch Schal und Jacke im Unterricht. „Wenn man sich gut kleidet, kommen wir mit dem Lüften gut durch den Winter“, so Gebauer weiter.

Land NRW schaut sich wegen Corona nach Lüftungsanlagen für Schulen um

Dabei gebe es auch Lösungen, die das Lüften in längeren Intervallen zulassen würden. Aktuell würden an Schulen in Herne sogenannte Lüftungsanlagen getestet. Allerdings werden diese bewusst noch nicht in anderen Kommunen eingesetzt. „Diese Geräte werden von einigen Firmen angeboten, aber am Ende sollten wir nur zertifizierte Geräte installieren. Ich möchte nicht für Geräte werben, die noch nicht durch den TÜV zertifiziert worden sind“, erklärt Gebauer.

Wenn geeignete Lüftungsanlagen gefunden würden, sollen bei der Installation zunächst Schulen bevorzugt werden, die bei der Abfrage durch das Land NRW Probleme bei ihrer Lüftungssituation gemeldet haben. Räume, in denen keine Fenster geöffnet werden können, sollten in Zeiten von Corona aber ohnehin nicht für den Unterricht benutzt werden (alle aktuellen Nachrichten zum Coronavirus in NRW im Ticker auf RUHR24.de).

Lüften in Schulen bei Corona: Diese Lösungen wären optimal

Grundsätzlich sei die Investition in Luftfilteranlagen sinnvoll, meint SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach. Seiner Einschätzung nach werden für Kinder 2021 keine Impfungen gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen, wie der WDR berichtet.

Optimal wäre sogar eine Kombination aus hochwertigen Luftfilteranlagen mit Hepa-Spezialfiltern der Schutzklassen H13 oder H14 und Plexiglas-Wänden zwischen allen Schülern, wenn der Abstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann, so Professor Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in München. Die Stadt Dortmund setzt derzeit auf ein Spezialverfahren in den Kitas und Schulen. Generell wäre das häufige Lüften in Zeiten von Corona aber durchaus sinnvoll, wie der Westfälische Anzeiger berichtet.

Lüften gegen Corona in den Schulen NRWs: So reagiert Twitter

Das Thema „Lüften in der Schule“ ist derzeit in aller Munde und die Reaktionen auf sozialen Medien teilweise heftig. Viele Nutzer scheinen fassungslos und reagieren mit „Ist das ihr Ernst?“ bis hin zu „Vielleicht sollte Frau Gebauer einmal selbst am Unterricht teilnehmen.

Ein Nutzer meint: „Würde ein Arbeitgeber in der freien Wirtschaft, sowas den Angestellten zumuten, würden sich schnell Gerichte damit befassen.“ Ein weiterer hinterfragt: „Macht Frau Ministerin das Gleiche in ihrem Büro? Einfach nur um mit gutem Beispiel voran zu gehen? Sicher nicht.“