Abrechnung mit Schulministerin

„Realitätsfremd“ und fehlende Expertise: Yvonne Gebauer zu Schulstart in NRW massiv unter Beschuss

Das neue Schuljahr in Nordrhein-Westfalen beginnt. Die Lehrergewerkschaft GEW lässt vor der Rückkehr der Schüler kein gutes Haar an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Düsseldorf – Vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen und einer stockenden Impfkampagne beginnt am Mittwoch (18. August) das neue Schuljahr in Nordrhein-Westfalen. Die Sorge ist groß, dass die Rückkehr der Schüler unter diesen Vorzeichen zum Corona-Desaster wird. Die Lehrergewerkschaft GEW kritisiert deshalb die Landesregierung.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Schule in NRW: GEW übt vor Schulstart scharfe Kritik an Plänen des Schulministeriums

Die GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik bezeichnete es als waghalsig, den Präsenzunterricht in NRW losgelöst von der Sieben-Tage-Inzidenz umsetzen zu wollen. „Das Schulministerium hat nicht die medizinische Expertise, um die RKI-Empfehlungen zu ignorieren und die Inzidenzwerte zu missachten“, so Celik bei einer Pressekonferenz am Montag (16. August). „Augen zu und durch“ könne nicht das Motto sein.

Für Diskussionen sorgt vor dem Schulstart auch die Anpassung der Quarantäne-Regelungen für Schüler in Nordrhein-Westfalen. Im neuen Schuljahr sollen bei einem positiven Corona-Befund keine ganzen Klassenverbände mehr in Quarantäne geschickt werden, sondern nur die direkten Sitznachbarn (davor, dahinter, rechts und links) sowie Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, die in engem Kontakt standen.

Celik bezeichnete es als „realitätsfremd“, die Quarantäne von der Sitzordnung abhängig zu machen. Kinder seien agil. Sie forderte von Schulministerin Gebauer stattdessen, die Regelungen des vergangenen Herbstes fortzuführen (mehr Corona-News aus NRW bei RUHR24).

Corona in NRW: Laumann und Gebauer verteidigen neue Quarantäne-Regelung für Schüler

Die NRW-Landesregierung begründete die neuen Quarantäne-Regeln mit dem in der Regel mildem Verlauf von Covid-19 bei Kindern und dem Bestreben, möglichst viel Präsenzunterricht zu ermöglichen. „Wenn es doch mal einen Coronafall in einer Klasse geben sollte, schaffen wir mit diesem einheitlichen Vorgehen Klarheit im Umgang mit Risikokontakten“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Schulministerin Gebauer betonte ebenfalls, dass der Präsenzunterricht durch die neuen Regelungen weiter abgesichert werde. „Es darf nicht sein, dass in diesem Schuljahr wieder viele Kinder aufgrund von Quarantänemaßnahmen nicht am Unterricht teilnehmen können“, so die FDP-Politikerin.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will möglichst viel Präsenzunterricht ermöglichen.

Thema bei der Pressekonferenz am Montag waren auch einmal mehr die vieldiskutierten Luftfilter. Viele Kommunen, wie etwa die Stadt Dortmund, setzen die Geräte nur in solchen Klassenräumen ein, die sich schlecht lüften lassen und berufen sich dabei auf Empfehlungen von Umweltbundesamt und Robert Koch-Institut (RKI).

Schulstart in NRW: Präsenzunterricht für rund 2,5 Millionen Schüler trotz Corona-Pandemie

Celik sprach sich hingegen für einen flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern aus. „Lüften und Frieren können nicht die Lösung sein“, sagte die GEW-Vorsitzende. Die Sicherheit in den Schulen dürfe nicht vom Geldbeutel der Kommunen abhängen.

Ungeachtet der Corona-Pandemie gibt es in Nordrhein-Westfalen zu Beginn des neuen Schuljahres noch ein ganz anderes Problem. Denn der Lehrkräftemangel an den Schulen sei laut GEW mittlerweile chronisch. Die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen im Grundschulbereich habe man nicht besetzen können.

Lässt kein gutes Haar an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer: GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik

Für rund 2,5 Millionen Schüler beginnt am Mittwoch in NRW das neue Schuljahr. Trotz der Corona-Pandemie soll es grundsätzlich im Präsenzunterricht stattfinden. Mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa; Collage: RUHR24

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