Unterricht nach Ostern

Corona-Testpflicht für Schüler in NRW: Knappheit bei Tests droht

Rund 2,5 Millionen Schüler in NRW müssen am Montag (12. April) wieder zum Unterricht in die Schulen. Wegen des Coronavirus soll es eine Teststrategie geben. Doch reichen die Corona-Tests überhaupt?

Update, Donnerstag (8. April), 08.15 Uhr: Wenige Tage vor dem Schulstart in NRW soll es zu Verzögerungen bei der Auslieferung der Corona-Schnelltests für Schulen geben. Das geht aus einem Erlass der Ministerien für Schule und Kommunales hervor, der am Mittwoch an die Schulleitungen versendet wurde. Grund für die Verschiebung der Anlieferungen sei ein erhöhter Zeitbedarf bei der Zusammenstellung der Sendungsinhalte.

Aktuell gehe man davon aus, dass die Tests aber heute und am Freitag (9. April) an den Schulen ankommen. Sollte es jedoch weitere logistische Probleme geben, könne man auch eine Zustellung am Samstag nicht ausschließen. Zunächst sollen Grund-, Förder- und Hauptschulen mit den Selbsttests versorgt werden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte jedoch am Mittwoch (7. April) betont, dass eine Öffnung der Schulen nur infrage komme, wenn dort „überall das Testen funktioniert“. Das sei eine Bedingung für einen Unterricht im Präsenzmodus.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Schulen5.436
Schüler2,46 Millionen (2020)

Schule in NRW: 3,3 Millionen Corona-Schnelltests sollen Unterricht ermöglichen

Erstmeldung, Mittwoch (7. April), 14.24 Uhr: Nach den Osterferien geht es für rund 2,5 Millionen Schüler in Nordrhein-Westfalen zurück in den Unterricht. Die Landesregierung plant dazu eine spezielle Corona-Teststrategie, damit sich im Unterricht möglichst wenige junge Menschen anstecken. Fraglich ist jedoch, ob es auf lange Sicht überhaupt ausreichend viele Schnelltests für alle gibt.

Noch ist unklar, ob die Schüler in NRW am Montag (12. April) in den Wechselunterricht starten. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) machte am Mittwoch (7. April) bereits klar, dass es eine Rückkehr in die Schulen nur geben könne, wenn das Testkonzept funktioniere. Eine einfache Rechnung ergibt: Das könnte knapp werden.

Denn laut dem Bildungsministerium (PDF) gab es im Schuljahr 2019/20 rund 2,46 Millionen Schüler in NRW. Die meisten davon gehen auf Grundschulen, Berufskollegs, Gesamtschulen und Gymnasien. An diese Schulen sind laut Ministerium bereits vor Ostern rund 3,3 Millionen Corona-Test geliefert worden.

Schule in NRW: Mindestens 2,46 Millionen Corona-Tests für Schüler pro Woche nötig

Am Mittwoch teilt das Bildungsministerium mit, noch in dieser Woche rund 5,5 Millionen Tests an die Schulen liefern zu wollen. Somit stünden zum Schulstart rund 8,8 Millionen Test zur Verfügung. Angenommen, beim Wechselunterricht kommen in der ersten Woche nach den Ferien rund 1,23 Millionen Schüler in die Klassen. Da sie mindestens zweimal pro Woche getestet werden, braucht man dafür bereits 2,46 Millionen Tests.

Rund 2,5 Millionen Schüler in NRW müssen nach Ostern wieder in die Schule.

Ob beim Wechselunterricht jede Woche gewechselt wird oder nicht: Auch in der zweiten Woche müsste dieselbe Anzahl von Schülern ebenfalls zweimal getestet werden. Macht wieder 2,46 Millionen verbrauchte Corona-Tests, insgesamt also bereits 4,92 Millionen Tests in zwei Wochen. Wird nicht schneller als bislang nachgeliefert, würden in der Mitte der vierten Schulwoche in NRW bereit die Tests knapp. Doppelt so schnell verknappen würde sich die Zahl der Selbsttests, wenn der Unterricht ohne Wechsel stattfinden sollte (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Corona-Tests in NRW-Schulen: Städtetag fordert 5 Millionen Tests in der Woche

Eine ähnliche Rechnung hat offenbar auch der Städtetag NRW angestellt. Er repräsentiert 40 Städte in ganz NRW und forderte bereits am Montag (5. April) „stärkere Anstrengungen des Landes beim Testen und Impfen“. Für einen verantwortbaren Start von Wechsel- und Präsenzunterricht nach den Osterferien seien etwa fünf Millionen Testkits pro Woche nötig, heißt es vom Städtetag.

„Diese Menge ist bisher bei weitem nicht vorhanden. Das Land muss jetzt liefern“, forderte Pit Clausen (SPD), Vorsitzender des Städtetags und Oberbürgermeister von Bielefeld. So vernünftig die Testpflicht in der Corona-Pandemie auch sei, müsse geprüft werden, ob die Selbsttests nicht besser zu Hause stattfinden. „Dann würden positiv Getestete gar nicht erst in die Schule kommen“, gibt Clausen zu bedenken. Er fordert zudem klare Regeln, wann Schulen und Kitas schließen müssen oder auf Notbetrieb umstellen.

Corona-Tests: Niedersachsen lässt Schüler zu Hause testen, Hessen hat gar keine Pflicht

Nachbarbundesländer haben ihre Regeln dazu bereits aufgestellt. In Niedersachsen etwa testen sich die Schüler bereits zu Hause. Ist der Schnelltest positiv, bleibt man direkt in Quarantäne. Ein PCR-Test schafft anschließend Klarheit. Vergisst ein Schüler, sich zu Hause vor dem Unterricht zu testen, gibt es in den Schulen speziell abgetrennte Räume zum Nachtesten.

In Hessen nimmt man das mit den Tests etwas lockerer: Eine Pflicht soll es nicht geben, getestet wird ebenfalls in der Schule. Wer den freiwilligen Test nicht absolvieren möchte, muss außerdem keine Folgen fürchten. Schutzmaßnahmen gelten jedoch wie gehabt.

Corona-Tests für Schüler in NRW: Lieferung an Grundschulen verzögert sich bereits

Das Kunststück wird auch in NRW sein, ab kommender Woche jeden Tag durchschnittlich mindestens 490.000 Corona-Schnelltests an den Schulen bereitzustellen. Und das wochenlang. Gelingt das etwa wegen Lieferengpässen nicht und glaubt man den Ankündigungen von Armin Laschet, müssten die Schulen in absehbarer Zeit erneut schließen oder zumindest den Betrieb einschränken.

Da ist es kein gutes Zeichen, dass sich weitere Lieferung von Schnelltests an die Schulen in NRW bereits verzögert haben. Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur werden diese nun erst am Donnerstag und Freitag (8. und 9. April) geliefert. Ursprünglich war geplant, rund 1.000 Grund- und Förderschulen bereits am Mittwoch zu beliefern.

Grund für die Verzögerung sei ein „erhöhter Zeitbedarf“ bei der Zusammenstellung der Lieferungen gewesen, hieß es in einem Erlass. Das Bildungsministerium bestätigte die Verzögerung, schreibt auf Anfrage von RUHR24 aber: „Die entsprechende Testkapazität für die nächsten Wochen ist bestellt und wird den Schulen zur Verfügung gestellt.“

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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