Schüler in großer Sorge

Azubi aus NRW entsetzt über Corona-Umgang an Schulen: „Widerspruch“

Die Corona-Pandemie greift weiter um sich. Die Schulen in Deutschland und NRW bleiben trotzdem geöffnet. Sorge und Unmut machen sich breit.

NRW - Abstand halten, Maske tragen und Fenster auf - so gelten aktuell die Corona-Regeln an den Schulen in Nordrhein-Westfalen. Doch reicht das im Kampf gegen die Corona-Krise? Nicht nur Eltern und Lehrer machen sich Sorgen, auch die Schüler selbst fühlen sich im Stich gelassen.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Hauptstadt Düsseldorf

„Lockdown light“ sorgt für Kontaktbeschränkungen in NRW - nicht aber an Schulen

Während das kulturelle sowie öffentliche Leben im Rahmen des „Lockdown light“ in den vergangenen zwei Wochen weitestgehend heruntergeschraubt wurde, ging der Unterricht an den Schulen in Deutschland und NRW unbeirrt weiter. Kontaktbeschränkungen, wie wir sie derzeit aus dem privaten Umfeld kennen, treten in den Schulklassen nicht in Kraft.

Unter den Schülern sorgt das nachlässige Vorgehen der Politik im Corona-Umgang an den Schulen langsam aber sicher für Unmut. „Angesichts der steigenden Zahlen sollte man eigentlich statt auf Risiko besser auf Nummer sichergehen“, findet auch der 19-jährige Daniel Ackermann aus Rheda-Wiedenbrück (NRW).

Azubi aus NRW ist entsettz über Corona-Politik an Schulen

Der Auszubildende ist Bezirksschülersprecher im Kreis Gütersloh und setzt sich für die Belange seiner Schulkollegen ein. „Die Corona-Krise hat mich im Juni dazu bewegt, in der Schülervertretung tätig zu werden. Ich wollte etwas an der Situation ändern und den Schülern in NRW eine Stimme geben.“

Gesundheitsschutz sehe für den angehenden Bürokaufmann anders aus. „Überall gilt eine Beschränkung, nur an Schulen nicht? Für mich nicht nachvollziehbar. Gerade jetzt brauchen wir meiner Meinung nach Vorsicht und Umsicht, auch an Schulen“, so der 19-Jährige gegenüber RUHR24.

Corona-Umgang in Schulen in NRW ist ein „großer Widerspruch“

Im Sommer habe man versäumt, die Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Die Kommunen seien damit völlig überfordert. „Bis heute kam noch keine geeignete Lösung dazu von der Landesregierung, was ich gerade jetzt, wo der Lockdown beschlossen worden ist, nicht in Ordnung finde“, so Ackermann weiter.

Gleichzeitig nerve es den Schülersprecher, dass sich die Schulen nicht den pandemischen Bedingungen anpassen würden. „Das ist ein großer Widerspruch - denn die Corona-Regeln gelten im Alltag, nicht aber in der Schule.“

Azubi aus NRW kritisiert Gebauer - Schulschließung als logischer Schritt

Unterricht in Kleingruppen könnte zumindest während des Lockdowns eine Alternative sein. „Wenn das keine optimale Lösung ist, bleibt meiner Meinung nach nur eine Schulschließung“, so der Azubi aus NRW weiter. (Mehr aktuelle Corona-News aus NRW im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Die Schulen weiterhin ganz normal geöffnet zu lassen, hält der 19-Jährige für nicht verantwortbar. Man gehe damit ein viel zu großes Risiko ein, kritisiert Ackermann vor allem Yvonne Gebauer (FDP). Die NRW-Schulministerin hatte sich zuletzt vehement für den Präsenzunterricht ausgesprochen.

Verantwortungsloser Corona-Umgang an Schulen in NRW: Azubis sind verunsichert

Gerade unter den Azubis gebe es laut Ackermann eine große Verunsicherung und Angst. So stünden die Teilzeitschüler im Rahmen ihrer Ausbildung immerhin in einem Arbeitsverhältnis und damit im direkten Kontakt mit dem wirtschaftlichen Leben.

„Letztendlich sind wir diejenigen, die zur Schule gehen und gleichzeitig das Risiko tragen, eine mögliche Infektion mit auf die Arbeit zu schleppen“, mahnt der 19-Jährige. Mit dieser Verantwortung dürfe man die Schüler in diesen schwierigen Zeiten nicht zurücklassen.

Rubriklistenbild: © Daniel Ackermann/privat