Kein Sitzenbleiben, Abi ohne Tests?

Corona-Schuljahr: Lehrer und SPD in NRW haben klare Forderungen

Kein Sitzenbleiben nach diesem Schuljahr: Das fordert jetzt die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Schüler in NRW.

NRW – Im Coronaschuljahr darf kein Schüler sitzenbleiben. Das fordert GEW-Vorsitzende Marlis Tepe (66) gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Zugleich kritisiert sie die Kultusminister scharf: Es werde endlich Zeit, ein Konzept vorzulegen, „wie Leistungsmessung, Prüfungen und Abschlüsse unter Corona-Bedingungen zu gestalten sind“ (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

GEWBildungsgewerkschaft
VorsitzMarlis Tepe, Andreas Keller
HauptstandortFrankfurt am Main

Im Corona-Schuljahr darf niemand sitzenbleiben: Die Forderungen der GEW

Der Forderung der GEW lautet: Die Corona-Krise ist eine Ausnahmesituation und verlangt neue Regelungen. Dabei müssten Abschlüsse notfalls auch ohne Prüfungen anerkannt werden. Außerdem könne man auch die Arbeitsergebnisse der Schüler zur Bewertung heranziehen.

Denn statt nur vermeintlichen Defiziten der Schüler hinterherzurennen, sollte man nach Ansicht der Pädagogen lieber den Fokus darauf legen, was die Kinder in diesem Jahr an neuen Kompetenzen hinzugewonnen haben. Auch eine Reduzierung der Lehrpläne sei entsprechend notwendig.

Anstatt Prüfungen auf Biegen und Brechen durchzuboxen, fordert die GEW also eine schülerfreundlichere Lösung mit reduziertem Stoff und Anerkennung alternativer Leistungen. Es müsse für alle Schüler einen „Nachteilsausgleich“ geben. Eine Verlängerung des Schuljahres ist dabei für die GEW keine Option, da dafür auch das Personal fehlt.

Kein Sitzenbleiben wegen Corona: Plan stößt auf Kritik – „verhängnisvoller Corona-Stempel“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger (66) möchte das Schuljahr hingegen noch „ordentlich zu Ende zu bringen“. Zwar warnt auch er davor, dass Schüler nicht zu „Verlierern der Pandemie“ werden dürfen, es dürften aber keine Schüler mitgezogen werden, die den Anschluss längst verpasst hätten. Der Lehrerverbandspräsident spricht sich daher für ein freiwilliges Zusatzjahr aus.

Auch ein Abitur ohne Prüfungen hält Meidinger für eine schlechte Lösung. Er warnt in diesem Zusammenhang vor einem „verhängnisvollen Corona-Stempel“. Zum Vorschlag der GEW sagt er laut der Passauer Neuen Presse: „Wenn man das macht, passiert ja genau das, was wir alle nicht wollen, nämlich, dass wir Corona-Jahrgänge bekommen, deren Abschlusszeugnisse nicht vergleichbar und auch nicht so viel wert sind wie bisherige Abschlüsse.“ Stattdessen könne man die Abschlüsse weiter nach hinten verschieben.

Noten und Prüfungen im Coronajahr: Vergleichbarkeit oder individuelle Bewertungen?

Ebenso kritisch äußert sich Bildungsministerin Anja Karliczek (49, CDU) zum Vorschlag der GEW, das Sitzenbleiben im Corona-Jahr abzuschaffen. Laut RP Online verweist sie auf die Bedeutung der Abschlüsse. „Die Pandemie darf keine Bildungsverlierer produzieren“, sagte sie. Zwar müsste man in diesem Jahr flexibler handeln, die Vergleichbarkeit der Abschlüsse müsse aber gewährleistet bleiben.

Demgegenüber steht ein weiterer Vorschlag des Deutschen Philologenverbands. Gegenüber dem RND sagte Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing (57), die Lehrer könnten am besten beurteilen, was die Schüler lernen konnten. Daher sollten die Prüfungsaufgaben in diesem Jahr flexibler gestaltet werden als sonst. Vergleichbarkeit sei zwar ansonsten wichtig, in diesem Jahr sei aber eben einiges anders.

Corona-Chaos an Schulen: KMK hält an Abitur und Versetzungen fest

Die Kultusminister der Länder wollen Ende Januar über den Ablauf der diesjährigen Abiturprüfungen beraten. Voraussichtlich wird weiter an den Prüfungen und Versetzungen festgehalten. KMK-Präsidentin Britta Ernst (59, SPD) sagte gegenüber der Welt, sie wolle Schülern trotz der Pandemie einen vollwertigen Abschluss ermöglichen.

„Wir werden uns innerhalb der KMK mit allen Bundesländern austauschen, wie wir unter Beibehaltung unserer gemeinsamen Standards das Abitur auch unter diesen Rahmenbedingungen gerecht durchführen können“, so Britta Ernst. Man brauche eine „gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung“. Mit dem Abiturzeugnis bewerben sich die Schüler schließlich deutschlandweit an den Unis.

Angst vor Klagewelle durch Eltern – auch NRW-SPD fordert: Kein Sitzenbleiben!

Auch die SPD-Landtagsopposition in NRW hatte bereits gefordert, dass es kein Sitzenbleiben geben dürfe und auch auf die Halbjahreszeugnisse für die Sekundarstufe I verzichtet werden solle. „Es ist kein normales Schuljahr, also sollte man auch nicht so tun“, sagte Vize-Fraktionschef Jochen Ott (46, SPD) Anfang Januar. Alle Schüler sollten demnach grundsätzlich versetzt werden.

Jochen Ott führt in diesem Zusammenhang einen weiteren Punkt an. So sei die „Klageanfälligkeit extrem hoch“ und mit dieser Regelung könne man sich juristische Auseinandersetzungen mit Eltern sparen.

Kritik an NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer: „Stufenplan ohne Plan und ohne Stufen“

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (53, FDP) sei, so Jochen Ott, mit ihrem Konzept „Präsenzunterricht ohne Plan B“ gescheitert. Auch der Plan der NRW-Bildungsministerin für den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht nach dem Lockdown wird von vielen Experten kritisiert.

Sowohl die GEW als auch der Deutsche Lehrerverband fordern, dass die strengeren Hygienepläne des Robert Koch-Instituts zur Eindämmung des Coronavirus endlich in den Schulen umgesetzt werden. Außerdem wird den Kultusministern vorgeworfen, dass sich sie immer noch nicht einheitlich darauf einigen können, ab einem bestimmten Inzidenzwert einen Umstieg in den Wechselunterricht vorzugeben. News4Teachers bezeichnet das von den Kultusministern unterzeichnete Konzept dementsprechend als „Stufenplan ohne Stufen und ohne Plan“.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich

Mehr zum Thema