Wie angekündigt

Omikron-Tsunami in NRW beginnt – Inzidenz-Kurve steigt vielerorts brutal

In NRW scheint der befürchtete Corona-Tsunami nach Weihnachten einzusetzen – nicht nur Omikron spielt eine Rolle bei der Interpretation der Zahlen.

Dortmund – Die befürchtete nächste Corona-Welle scheint in NRW eingesetzt zu haben. Seit dem Jahreswechsel steigen die Inzidenzen im bevölkerungsreichsten Bundesland steil an. Omikron könnte einen echten „Tsunmai“ auslösen, warnte bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

7-Tage-Inzidenz NRW216,9 (Stand: 4: Januar)
Anteil COVID-19-Patienten an betreibbaren Intensivbetten11,04 Prozent
7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz2,53

NRW: Corona-Inzidenz könnte schon bald für Masseninfektionen sorgen

Weil sich Omikron deutlich einfacher überträgt, als die vorherige Delta-Variante des Coronavirus, erwarten Experten der WHO Masseninfektionen. In Dänemark (aktuell Inzidenz von 1960,4) und Frankreich (aktuell Inzidenz von 1700) ist das längst der Fall. Auch Großbritannien erreichte jüngst einen neuen Rekord bei den Infektionszahlen – mehr als 183.000 neue Infektionsfälle binnen 24 Stunden (hier weitere Corona-News aus NRW bei RUHR24 lesen).

In NRW ist die Lage für Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) derzeit noch trügerisch, da die Corona-Zahlen während der Feiertage und zum Jahreswechsel relativ niedrig und nicht wirklich repräsentativ waren. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gingen weniger Menschen zum Arzt. Außerdem gab es weniger Corona-Tests am Arbeitsplatz und gar keine Tests in den Schulen sowie in den Kitas. In der Folge wurden deutlich weniger Corona-Infektionen aufgespürt.

NRW: Schulbeginn und Ende der Urlaubszeit könnte viele Corona-Infektionen aufdecken

Spätestens mit Beginn des Präsenzunterrichts an den Schulen in NRW am 10. Januar und mit der Rückkehr vieler Arbeitnehmer an ihren Arbeitsplatz, könnte sich das Corona-Bild in NRW drastisch ändern. Zudem werden derzeit Corona-Fälle vom Jahreswechsel durch die Gesundheitsämter zunehmend nachgemeldet.

Schon jetzt steigen die Inzidenzen im ganzen Land stark an. Hatte NRW am 28. Dezember eine Inzidenz von 190,4, war sie am Dienstag (4. Januar) bereits bei 216,9 – Tendenz steigend.

Vier Städte in NRW hatten am Dienstag bereits eine Inzidenz über 300:

  • Düsseldorf: 354,1
  • Wuppertal: 352,4
  • Borken: 326,4
  • Solingen: 304,7

In weiteren großen Städten in NRW sieht die Lage nicht viel besser aus. Münster (275,9), Köln (267,6), Oberhausen (241), Dortmund (230,1) oder Essen (220,3) hatten am Dienstag eine Inzidenz weit über 200. Am besten sieht es noch im Sauerland aus: Der Kreis Olpe wies eine Inzidenz von 92,2 aus.

NRW: RKI warnt vor Omikron-Variante – Überlastung des Gesundheitssystem droht

Das RKI warnt weiterhin vor einer schlagartigen Erhöhung der Infektionsfälle und schätzt die Gefährdung der Bevölkerung als „sehr hoch“ ein. Aufgrund der drohenden Masse an Infektionen könne es mit einer schnellen Überlastung des Gesundheitssystems und gegebenenfalls weiterer Versorgungsbereiche kommen.

Viele Menschen in NRW wähnen sich angesichts der Meldungen in Sicherheit, wonach Omikron nur milde Verläufe von Covid-19 verursache. Das trifft aktuell laut RKI vor allem auf dreifach Geimpfte zu. Ungeimpfte dagegen sind aktuell so stark gefährdet, wie nie zuvor in dieser Pandemie. Sie könnten für volle Intensivstationen und damit für eine Überlastung des Gesundheitssystems sorgen.

Karl Lauterbach: Höhepunkt der Omikron-Welle steht Deutschland noch bevor

Experten wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnen deshalb damit, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle in Deutschland erst noch bevorsteht.

Immerhin: Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es: Charité-Virologe Christian Drosten machte im ZDF jüngst Hoffnung auf eine Abschwächung der Corona-Welle gegen Ostern herum. Er geht davon aus, dass das Coronavirus in Deutschland bald endemisch werde, also ein Virus wie viele andere. Das werde sich im kommenden Winter zeigen.

Der Berliner Charité-Virologe Christian Drosten macht in Sachen Corona leichte Hoffnung.

Dann müssten eventuell nur die älteren und gefährdeten Menschen noch einmal geboostert werden. Vielleicht müsse man noch Masken tragen bei Veranstaltungen in Innenräumen. Aber, so betonte der Virologe, die „große Sorge sollte sein, die ungeimpften Menschen bis dahin vor dem Virus zu schützen“.

Rubriklistenbild: © LZG NRW, Henning Kaiser/DPA

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