Kommentar

Pinky Gloves sind eine einzige Frechheit: Periodshaming muss aufhören!

Die Periode ist unhygienisch? Dieses Tabu wollen viele Menschen brechen – doch ein Start-Up aus NRW erntet für ein Periodenprodukt nun einen großen Shitstorm – berechtigt. Ein Kommentar.

Dortmund/Olfen – Die Periode ist aktuell ein breit diskutiertes Thema in den sozialen Medien. Nun hat ein Unternehmen aus NRW ein Produkt auf den Markt gebracht, dass für einen Shitstorm sorgt – die „Pinky Gloves“. Stigmatisierend, Umwelt-unfreundlich und einfach nur unangebracht, findet RUHR24-Autorin Carla Siebel das Produkt des Start-Ups.

SendungDie Höhle der Löwen
ProduktionsunternehmenSony Pictures Television
Längeca. 120 Minuten
Erstausstrahlung2014

Pinky Gloves bei „Höhle der Löwen“: Periodenprodukt von Möchtegern-Frauenverstehern aus NRW

„Pinky Gloves“ wurde von zwei Männern aus Olfen im Münsterland gegründet: André Ritterwürden und Eugen Raimkulow. Neben ihrer „revolutionären Idee“ bezeichnen sich die beiden auch als Frauenversteher. Sie werben damit, dass Frauen häufig dazu gezwungen wären, ihre Hygieneprodukte in der Toilette herunterzuspülen, weil es keinen Mülleimer im Bad gäbe.

„Pinky Gloves gehört in jedes Gäste-WC! Deine Besucherinnen werden sich freuen“, heißt es unter einem Instagram-Beitrag. Schon als Kind habe ich gelernt, dass man nichts anderes als Klopapier in die Toilette wirft. Niemand in meinem Umfeld würde dies dementsprechend tun. Jedenfalls: Hier soll dann „Pinky Gloves“ ins Spiel kommen.

Pinker Einweg-Handschuh soll ermöglichen den Tampon „hygienisch“ zu wechseln – Schwachsinn!

Ein pinker Einweg-Handschuh soll dazu dienen den Tampon „hygienisch“ einzuführen und auch wieder zu entnehmen – ohne den Tampon mit der bloßen Hand zu berühren. Dazu kann man den Handschuh mit dem Tampon in der Handfläche einfach auf links drehen, „bequem aufrollen“ und mit dem Klebestreifen verschließen. „Pinky Gloves“ wurde von den beiden Gründern André und Eugen am 12. April (Montag) in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf Vox vorgestellt und bekamen einen Zuschlag eines Unternehmers. Wie die Fuldaer Zeitung berichtet, waren die Pinky Gloves nicht das einzige kuriose Produkt bei der Höhle der Löwen*.

Dieses Produkt ist in meinen Augen auf mehreren Ebenen fragwürdig. Zuerst ist der Plastik-Einweg-Handschuh ein extrem Umwelt-unfreundliches Produkt. Und das in der heutigen Zeit, wo der Trend zur Nachhaltigkeit geht. Bedeutet, bei jedem Tampon der eingeführt und wieder herausgenommen wird, sollen zwei Handschuhe genutzt werden – der reine Plastik-Wahnsinn. Zusätzlich dazu ist jeder Handschuh extra in einer Plastik-Folie eingepackt.

Periodentabu ahoi: Pinky Gloves aus NRW wirkt entgegengesetzt der Enttabuisierung

Außerdem fördert „Pinky Gloves“ das Periodentabu. Das Produkt wird damit beworben, es sei „auslauf- und geruchssicher und kann problemlos und unauffällig in die Tasche gesteckt werden“. Doch wieso müssen Periodenprodukte überhaupt unauffällig sein? Die Periode ist etwas so natürliches, dass es mich ärgert, dass Menschen sich davor noch ekeln und sich mit dem Thema partout nicht auseinandersetzen wollen.

Dies bestärkt die Unsicherheiten, weswegen schon junge Mädels in der Schule ihren Tampon oder ihre Binde verstecken, wenn sie auf Toilette gehen, um diese zu wechseln. Als wäre die Periode ein Staatsgeheimnis, welches man schützen müsse. Und auch ich habe mich früher so verhalten, denn man hat es nicht anders gelernt. Abfallende Bemerkungen gegenüber der Periode oder Fragen, ob man so zickig wäre, weil man seine Tage hätte, hat das Ganze nicht entschärft, sondern verschlimmert. Man wollte nicht auffallen.

Plastik-Wahnsinn: Die pinken Plastik Einweg-Handschuhe sind noch einmal in einer Plastikfolie eingewickelt. Einfach nur schwachsinnig, findet RUHR24-Autorin Carla Siebel.

Pinky Gloves erfüllt Stereotyp und ernten Kritik: Pinker gehts nicht

Mittlerweile gehen menstruierende Menschen vor allem in den sozialen Medien immer offener damit um und versuchen aufzuklären. Es wird versucht, das scharfe Tabu um die Periode zu eliminieren. Nun kommen zwei Männer mit einer Idee für Frauen, die die Menstruation wieder schön in dieses Vorurteil steckt.

Ein weiterer Punkt: Wenn man sich den Instagram-Account und die Webseite von „Pinky Gloves“ anschaut, könnte man meinen, sie hätten die Marke nach den reinsten Stereotypen gegründet: Pink, so weit das Auge reicht – unter dem Motto, alles, was pink ist, kauft die Frau mit Vergnügen. Dabei ist es eigentlich auch wichtig, sich bewusst zu sein, dass nicht nur Frauen ihre Periode haben. Trans-Menschen werden bei diesem stereotypischen Produkt komplett außer Acht gelassen. Mich erinnert das Ganze an die pinken Rasierklingen, die bekanntlich mehr kosten als das Äquivalent für Männer – nur weil sie pink sind.

Auch die beiden Gründerinnen von „ooia“ versuchen dieses Tabu zu brechen. Ende 2019 versuchte das Start-up mit dem eigenen Periodenprodukt, nachhaltiger Periodenunterwäsche, die Unternehmer in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf Vox zu überzeugen.

Unfair: Umwelt-unfreundliches Produkt bekommt Zuschlag und nachhaltiges Start-Up geht leer aus

Die Unterwäsche ist so ausgelegt, dass während der Periode keine weiteren Hygieneprodukte mehr gebraucht werden. Doch die beiden Gründerinnen Kristine und Kati hatten Pech: Keiner der Löwen wollte sich zu ihren Bedingungen bei ihnen beteiligen und sie unterstützen. Im Gegenzug bekommt „Pinky Gloves“ nun allerdings die Unterstützung von Ralf Dümmel (alle Promi- und TV-News auf RUHR24).

Auch „ooia“ hat sich nun auf Instagram dazu in einem IGTV-Video geäußert, welches viel geteilt und insgesamt mehr als zwei Millionen mal geklickt worden ist. Dabei sehe ich das sehr ähnlich wie Kristine und Kati: Es ist schön, dass das Thema Periode im Fernsehen zur Primetime thematisiert wird – vor allem noch von Männern, die sich manchmal ungern damit auseinandersetzen. Denn für viele ist es noch ein Tabuthema.

Shitstorm auf Instagram: Pinky Gloves steht berechtigt unter starker Kritik

Aber nicht nur ich stimme den beiden zu. In den Kommentaren unter dem IGTV-Video von „ooia“ und auch unter den letzten Beiträgen des „Pinky Gloves“ Accounts lassen viele ihre Wut raus:

  • „Das könnt ihr doch nicht Ernst meinen. Echt nicht. Nicht zu Ende gedacht, Umweltsauerei und Tabuisierung von Menstruation. Niemand muss diskret Tampons entsorgen, wenn nicht so ‚Frauenversteher‘ wie ihr, Menstruationsblut als eklig deklarieren würdet.“ (vegan.metal.mum)
  • Und auch Männer sehen die Probleme in dem Produkt: „Jungs, sicher, dass das ne gute Idee war? Grüße von einem anderen Mann.“ (otter.normalverbraucher)

Fairerweise muss man sagen, dass es schnell ein Statement der beiden „Pinky Gloves“-Gründer gab: „Wir haben uns nicht ausreichend und richtig mit dem Thema auseinandergesetzt. Das war ein großer Fehler.“ Weiter schreiben sie, dass es aber auch etwas Gutes hätte. Die Periode hätte durch die aktuelle Situation viel Aufmerksamkeit bekommen. Ich finde es allerdings schade, dass es 2021 einen solchen Diskurs noch benötigt.

Pinky Gloves aus NRW: Für seine Periode muss man sich nicht schämen – brecht das Tabu!

Mein Fazit: Viele Menschen setzen sich tagtäglich für die Enttabuisierung der Periode, mit allem was dazu gehört ein. Denn das Mindset, die Periode sei etwas Unhygienisches, steckt bei vielen Personen weiterhin in Köpfen. Dabei ist sie ganz klar etwas vollkommen natürliches, nichts, wofür man sich schämen oder es verstecken müsste. Doch genau dieses Image bringt „Pinky Gloves“ rüber.

Zudem schafft man es Jahre lang sich den Tampon einzuführen, ohne solch ein Produkt zur Verfügung zu haben – Hände waschen und gut ist. Nun soll der „Pinky Glove“ aber alles ändern und uns weiß machen, es sei unhygienisch. Sie schaffen damit ein Problem, welches eigentlich keines ist. Und damit wollen die beiden Gründer auch noch Geld machen. Meiner Meinung nach reines Ausnutzen der Frauen.

Pinker Handschuh als Lösung für ein Problem, was es vorher nicht gab

Ein pinker Einweg-Handschuh soll nun also das neuartige Problem lösen und dann auch noch auf eine so Umwelt-unfreundliche Weise? Wie wäre es, wenn es auf jeder Toilette, egal ob öffentlich oder in der Männer-WG, einen Hygieneeimer geben würde – allein aus Respekt vor jedem menstruierendem Menschen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © DS Produkte GmbH, TVNOW/ Bernd-Michael Maurer; Collage: RUHR24

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