Geschäftsführer in Haft

Pflege-Betrug in NRW: Pflegedienst wird Körperverletzung vorgeworfen

Patienten eines Intensiv-Pflegedienstes müssen aktuell in Lünen verlegt werden. Mitarbeiter wurden nicht bezahlt, der Geschäftsführer sitzt in Haft.

Lünen – Gegen den Pflegedienst „Intensivpflege Lünen“ sind schwere Vorwürfe erhoben worden. Neben Betrug in Höhe von fast 1 Million Euro sollen Pflegekräfte eingesetzt worden seien, die unzureichend ausgebildet waren. Beschäftigte seien nicht mehr bezahlt worden und infolgedessen nicht zur Arbeit erschienen. Nun sitzt der Geschäftsführer in Haft und die schwer kranken Patienten müssen aufwendig verlegt werden, wie die Ruhr Nachrichten berichten.

BundeslandNordrhein-Westfalen
StadtLünen (bei Dortmund)
VorfallSchwere Vorwürfe gegen Pflegedienst

Pflegeskandal in NRW: Leistungen nie erbracht – Betrug in Höhe von fast einer Million Euro

Dem Geschäftsführer des Intensivpflegedienstes wird von der Staatsanwaltschaft Dortmund gewerbsmäßiger Betrug in 54 Fällen vorgeworfen. Er soll im Zeitraum von Januar 2016 bis Dezember 2020 Pflegeleistungen bei der Krankenkasse AOK angemeldet und abgerechnet haben, die nie erbracht wurden. Um diese Leistungen zu beweisen, werden für gewöhnlich sogenannte Leistungsnachweise benötigt (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Diese Leistungsnachweise soll der Geschäftsführer gefälscht haben. Es sei ein Gesamtschaden in Höhe von 975.000 Euro entstanden. Aufgrund dessen befindet sich der Mann nun seit dem 3. Juli in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft gegenüber dem Westfälischen Anzeiger (WA) bestätigte. Doch der Schadensumfang könne noch größer sein, da weitere Fälle überprüft würden, so demnach ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Pflegeskandal in Lünen bei Dortmund: Nicht ausreichen ausgebildete Pflegekräfte eingesetzt

Der Pflegedienst betreute in Lünen bislang sechs Patienten in einer sogenannten „Beatmungs-WG“. Die Patienten sind schwer erkrankt und müssen rund um die Uhr medizinisch versorgt werden.

Um diese intensive Betreuung gewährleisten zu können, ist ausreichend und speziell ausgebildetes Intensiv-Pflegepersonal notwendig, das generell an allen Ecken und Enden fehlt. Schon im September 2021 sei von der zuständigen Heimaufsicht des Kreises Unna festgestellt worden, dass ein Teil der Mitarbeiter entgegen der Bestimmungen nicht ausreichend qualifiziert ist.

Diese notwendige Qualifizierung sollte umgehend „nachgeholt werden“, wie in dem öffentlichen Bericht der Heimaufsicht nachzulesen ist. Eine Mitarbeiterin erklärte, dass sie immer wieder als Pflegekraft für Intensivpatienten eingesetzt wurde, obwohl ihr die entsprechende Qualifikation gefehlt habe. Aufgrund fehlenden Personals seien Mitarbeiter zudem teilweise für 36-Stunden-Schichten eingeteilt worden.

Pflegeskandal in NRW: Vorwurf der Körperverletzung, des Betruges und schwere Pflegefehler

Nun hat die Heimaufsicht des Kreises Unna bei beiden Pflegestellen in Lünen und Bönen die Verlegung von 13 Patienten angeordnet. Der Grund: Die Versorgung der Patienten sei nicht mehr gewährleistet, erklärte der Pressesprecher der Heimaufsicht, Volker Meier. Denn die Pflegekräfte wurden nicht mehr bezahlt, teilweise kurzfristig gekündigt und erschienen daraufhin auch nicht mehr zur Arbeit.

Einer Intensivpflege in Lünen werden schwere Vorwürfe gemacht.

Die Verlegung der Patienten werde aktuell vorbereitet. „Manche Patienten werden in ein Krankenhaus gebracht, andere in andere WGs, wieder andere werden vor Ort von eigens organisierten Pflegekräften versorgt“, so Meier. Am 5. Oktober startet der Prozess gegen den Pflegedienst, indem Körperverletzung, schwere Pflegefehler, Abrechnungsbetrug und die Klage eines Patienten mit der Forderung nach 70.000 Euro Schmerzensgeld verhandelt wird.

Das Unternehmen wollte sich bislang nicht zu den Vorwürfen äußern, doch dies könnte in den nächsten Tagen geschehen, wie eine Mitarbeiterin den Ruhr Nachrichten gegenüber mitteilte.

Rubriklistenbild: © Markus Wüllner

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