Nur für Urlaubsfotos

Ostsee: Drama um toten Wal – Polizei ermittelt gegen Mann aus NRW

Urlauber haben an der Ostsee einen kleinen Wal festgehalten. Kurz darauf starb das Tier. Jetzt muss sich ein Mann aus NRW für die Tat verantworten.

Grömitz/NRW – Die Ostsee als Streichelzoo? So in etwa müssen das einige Urlauber interpretiert haben, als sie am 9. Juli einen kleinen Schweinswal am Badestrand von Grömitz entdeckten. Was dann passierte, hat jetzt rechtliche Konsequenzen für einen Mann aus Nordrhein-Westfalen.

Schweinswal an der Ostsee verendet: Mann aus NRW im Visier der Ermittler

Denn anstatt das Tier einfach nur anzuschauen, kesselten die Urlauber den kleinen Wal ein. Nachdem sie ihn gefangen hatten, hielten sie ihn an der Wasseroberfläche, berichtet die Polizei Lübeck am Dienstag (27. Juli).

Urlauber hatten an der Ostsee bei Grömitz einen Schweinswal gefangen.

Anschließend sollen mehr als 20 Kinder und einige Erwachsene Fotos und Videos mit dem hilflosen Tier gemacht haben. „Nach Zeugenaussagen war das Tier zunächst noch agil, sei dann aber schwächer geworden“, berichtet die Polizei. Kurz darauf verendete der Säuger. Zeugen informierten anschließend den Seehundjäger in Ostholstein über den Vorfall.

Toter Schweinswal in Grömitz: 20 Kinder machten bei Ostsee-Urlaub Fotos mit dem Tier

Auf einen Zeugenaufruf der Polizei meldeten sich aber nur wenige Menschen. Darunter war jedoch ein Mann aus NRW. Er gab an, ebenfalls bei dem Tier im Wasser gewesen zu sein. Gegen ihn wurde nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Er muss noch vernommen werden.

Zuvor waren bereits Videos des Schweinswals an die Öffentlichkeit gelangt. Dazu teilt die Polizei mit: „Bei dem Mann handelt es sich nicht um die mit einem Neoprenanzug bekleidete Person, die auf den bislang verpixelt veröffentlichten Fotos und dem Video abgebildet war.“ Wo genau der Beschuldigte in NRW lebt, ist nicht bekannt.

Eine Öffentlichkeitsfahndung nach weiteren beteiligten Ostsee-Urlaubern lehnte das Gericht nun ab. Die Schwere der Tat stehe in keinem Verhältnis zum intensiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.

Ostsee: Schweinswal könnte durch Menschen getötet worden sein

Die Untersuchung des toten Schweinswals im Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum ergab, dass er zwar bereits Herz- und Lungenwürmer hatte. Laut Staatsanwaltschaft sei jedoch nicht auszuschließen, dass er erst durch den Kontakt mit den Menschen gestorben ist.

Daher ermitteln Wasserschutzpolizei und Staatsanwaltschaft Lübeck jetzt wegen eines Verstoßes gegen Paragraf 71 Bundesnaturschutzgesetz. „Diese Vorschrift stellt es unter anderem unter Strafe, wenn wildlebenden Tieren der streng geschützten Arten nachgestellt wird, sie gefangen, verletzt oder getötet werden“, teilt die Polizei mit.

Mann aus NRW macht Fotos mit Schweinswal: Tier gehörte zu streng geschützter Art

Schweinswale gehören, laut Polizei, zu den stark gefährdeten und daher streng geschützten Tierarten. Wer ein solches Tier fängt oder gar tötet, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.

Schweinswale haben starke Ähnlichkeit mit Delfinen, lassen sich aber anhand der Kopf- und Zahnform unterscheiden. In der Natur werden sie rund 2,5 Meter lang und bis zu zehn Jahre alt. Insbesondere durch den Einfluss des Menschen ist diese Art mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa, Polizei Lübeck; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema