Flickenteppich

ÖPNV-Tickets in NRW: Experte fällt hartes Urteil für Bus und Bahn

Die ÖPNV-Tickets in NRW sind mies. Der ADAC quittiert dem Öffentlichen Nahverkehr im größten Bundesland Deutschlands ein fatales Fazit.

Dortmund – Die Preise für Sprit sind hoch und werden sich in den kommenden Jahren wohl verdoppeln. Wohl jenen, die auf die Öffentlichen Verkehrsmittel zugreifen können in NRW, oder? Von wegen: Der ADAC hat die Preise für den ÖPNV verglichen – mit einem fatalen Fazit.

BundeslandNRW
BereichÖffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
ExperteADAC/Prof. Dr. Roman Suthold

NRW: ÖPNV-Tickets in Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund – Experte schaut auf Preise und Ticketarten

NRW braucht eigentlich kein Tempolimit. Da ist sowieso jeden Tag Stau. Egal ob im Rheinland oder Ruhrgebiet. Es ist nur nachteilig, wenn die Tickets für den Öffentlichen Nahverkehr in Städten wie Köln, Düsseldorf, Essen oder Dortmund teilweise sogar bundesweit am teuersten sind.

„Das hält viele Leute davon ab, vom Auto auf Bus und Bahn zu wechseln“, sagt Professor Dr. Roman Suthold (Moblilitätswirtschaft, Hochschule Köln) vom ADAC. Die Ergebnisse sind Teil einer Untersuchung des ADAC zu Ticketpreisen in Städten mit mindestens 300.000 Einwohnern.

Die nackten Zahlen erschrecken. Teilweise sind die Tickets für Bus, Bahn und U-Bahn um bis zu 85 Prozent teurer. Auch gibt es große Unterschiede zwischen den Städten in NRW, heißt es in einem Bericht des ADAC (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Öffentlicher Nahverkehr mit Bus und Bahn in NRW: Experte drückt den Finger in die Wunde

Die großen Verlierer sind die Menschen, die im Verkehrsbund Rhein-Sieg (VRS) in Köln und Bonn pendeln. 105,50 Euro kostet das Monatsticket. In Bielefeld (TeutoOWL) müssen Pendler 82,50 Euro zahlen.

Im Verkehrsbund Rhein-Ruhr (VRR), der für Menschen von Düsseldorf bis Dortmund gilt, kostet das Ticket für einen Monat immerhin 79,20. Überraschender Gewinner mit dem günstigsten Monatsticket in ganz Deutschland ist München mit 57 Euro. So sieht es bei den Tageskarten in NRW aus:

  • Verkehrsbund Rhein-Sieg – 8,80 Euro
  • Verkehrsbund Rhein-Ruhr – 7,20 Euro
  • TeutoOWL (Bielefeld) – 7,50 Euro

Aus Sicht des Verkehrsexperten Roman Suthold müsse es das Ziel sein, die Verkehrsbünde anzugleichen, um einen einheitlichen Tarif für NRW zu schaffen. Im Idealfall schafft man sogar, wie es im Bericht des ADAC heißt, einen einheitlichen Verkehrsbund für NRW (mehr News zu Verkehr bei RUHR24).

Prof. Dr. Roman Suthold – Mobilitätsexperte an der Hochschule in Köln

Der Verkehrsbund Rhein-Ruhr mit den Großstädten Düsseldorf, Essen und Dortmund hat eines der teuersten Sieben-Tage-Tickets mit 29,50 Euro. Nur in Hamburg und Berlin zahlen Pendler mehr. Überraschender Sieger ist mit 17,80 Euro erneut München.

Bei Einzeltickets liegen die NRW-Verkehrsbünde ebenfalls mit 2,90 Euro (Bielefeld, VRR) und 3 Euro (VRS) vorne. Hier liegen nur München und Nürnberg höher.

NRW: Schuld ist auch Corona – ÖPNV hat zwei aktuell noch nicht gelöste Probleme

Das Fazit ist fatal: „Insgesamt wäre eine Vereinheitlichung der Preise auf möglichst niedrigem Niveau wünschenswert, um Alternativen zum Auto attraktiver zu machen und eine Mobilitätswende zu schaffen“, sagt Roman Suthold. Das sei aktuell noch nicht der Fall.

Ein anderes Problem kommt hinzu, was aktuell noch immer imminent ist. Corona! Die Corona-Krise hat zum einen ein Loch in die Kassen der Verkehrsbünde gerissen. Zum anderen gebe es aktuell, obwohl die Bestrebungen da sind, noch keine richtig gute Alternative für flexible Pendler des öffentlichen Nahverkehrs.

Das, so Roman Suthold, müsse aufgrund von flexiblen Homeoffice-Zeiten schnell passieren. Im VRR-Gebiet, mit Düsseldorf, Essen und Dortmund, läuft immerhin schon ein Test mit einem flexiblen Ticket. Allerdings bislang nur für ausgewählte Firmenkunden. Es muss also noch einiges passieren, bis der öffentliche Personennahverkehr eine echte Alternative zum Auto ist.

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24, ADAC; Collage RUHR24

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