Nahrungsmittelversorgung

Ukraine-Krieg lässt Getreide zur Mangelware werden: NRW-Landwirtschaft schlägt Alarm

Ein Landwirtschaftsverband aus NRW blickt mit Sorge auf die Nahrungsmittelversorgung. Landwirte müssen in vielen Bereichen neu denken.

NRW – Der Ukraine-Krieg fordert auch die Landwirte zum Umdenken heraus. Neben dem Leid der Menschen in der Ukraine verursacht der Krieg zudem Engpässe in der weltweiten Nahrungsmittelversorgung. Auch in NRW werde es Engpässe von bestimmten Lebensmitteln geben, berichtet der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband.

LandwirtschaftsverbandWestfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e.V.
HauptsitzMünster
EreignisEngpässe in der Nahrungsmittelversorgung

NRW: Folgen des Ukraine-Kriegs – Landwirtschaftsverband sagt „produktbezogene Engpässe“ voraus

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, Hans-Heinrich Wortmann, teilte bei einer Pressekonferenz mit, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf die Lebensmittelversorgung haben werde. In Deutschland werde es nach seinen Einschätzungen nach nicht zu massiven Versorgungsproblemen kommen. Allerdings seien „produktbezogene Engpässe“ von Mehl oder Öl eine mögliche Folge, die noch länger bemerkbar sein könnte.

Bereits in den letzten Wochen waren Produkte wie Mehl oder Öl im Supermarkt knapp. Der Landwirtschaftsverband teilt jedoch mit, dass der Grund für die Engpässe die Hamsterkäufe der Menschen seien. Der Verband rät daher zu mehr Flexibilität beim Einkaufen und Kochen.

Der Ukraine-Krieg führt in Deutschland zu leeren Mehlregalen.

Russland und die Ukraine gehören weltweit zu den wichtigsten Exportländern für Getreide und Ölsaaten. Aufgrund der aktuellen Konfliktsituation sind die Lieferungen der Nahrungsmittel nahezu stillgelegt. Auch für die nächste Ernte sieht der Landwirtevorsitzende ein Problem. „In der ukrainischen Landwirtschaft fehle es für die nun anstehende Aussaat an allem: Die
Menschen und damit Arbeitskräfte fehlten bedingt durch die Generalmobilmachung auf den Äckern“, so Wortmann.

NRW: Ukraine-Krieg hat starke Auswirkungen – „Getreide wird für viele Länder zur Mangelware werden“

Der Krieg in der Ukraine habe jedoch nicht nur in Europa gravierende Folgen. „Getreide wird für viele Länder zur Mangelware
werden“, erklärt der Vorsitzende. Ein deutlicher Preisanstieg der Nahrungsmittel durch die Verknappung der Rohstoffe werde gerade in ärmeren Ländern der Welt zu einer Hungerkrise führen, warnen internationale Organisationen. Wortmann spricht von der „Verpflichtung der reichen Länder“, die Nahrungsmittelversorgung auf der gesamten Welt zu gewährleisten.

Die Landwirtschaft in der Ukraine leidet unter dem Krieg.

Der Landwirtschaftsverband sehe als Lösung, stillgelegte Flächen in EU-Staaten wieder für den Anbau zu nutzen. Im Rahmen der EU-Agrarpolitik wurden etwa vier Prozent Anbaufläche aufgrund strengerer Regelungen stillgelegt. Grund dafür ist unter anderem das Ziel einer umweltschonenden Landwirtschaft in Europa, berichtet das Magazin agrarheute (mehr News aus NRW bei RUHR24).

NRW: Agrarministerkonferenz berät über die Auswirkungen des Krieges – Lösungen für Rohstoffmangel

Die Landwirtschaftsminister der Bundesländer kommen diese Woche zusammen, um die Abmilderung der Folgen für den Agrar- und Rohstoffmarkt in Europa zu diskutieren. Am Freitag (25. März) findet dafür die digitale Agrarministerkonferenz statt. Neben europäischen Versorgungsengpässen soll laut NRW-Landwirtschaftsministerium auch die Nahrungsmittelversorgung in afrikanischen Staaten ein zentrales Thema sein.

Zudem sollen Lösungen für die möglichen Rohstoffmängel in Getreide oder Ölsaaten besprochen werden. In Betracht käme laut NRW-Landwirtschaftsministerium auch, dass innerstaatliche Flächen für den Anbau von bestimmten Kulturen genutzt werden dürfen. Damit solle auch die von der Europäischen Union entworfene Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) auf den Prüfstand gestellt werden. Dieses Jahr könnten die Vorschriften für Landwirte in EU-Staaten somit milder ausfallen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Anja Cord

Mehr zum Thema