Erdgas aus NRW?

NRW prüft wegen Ukraine-Krieg umstrittenes Fracking – das sorgt für Kritik

NRWs Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart fordert angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine eine Prüfung des umstrittenen Gas-Frackings.

NRW – Angesichts der russischen Invasion in der Ukraine will Deutschland schnellstmöglich unabhängig von russischen Gas-Importen werden, da sind sich alle Energieminister der Länder einig. Dabei bringen einige Politiker und Wissenschaftler nun auch das umstrittene Fracking auf den Tisch.

Name Andreas Pinkwart
ParteiFDP
Amt Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen
ForderungErgebnisoffene Prüfung des Gas-Frackings

NRW prüft wegen Ukraine-Krieg umstrittenes Fracking: Pinkwart spricht von „risikoarmen Methoden“

Auch der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) fordert eine Prüfung des umstrittenen Gas-Frackings. „Wenn Deutschland durch Fracking gewonnenes Gas zum Beispiel aus den USA importiert, könnte es nachhaltiger sein, wenn wir Gas aus heimischen Quellen mit möglichst risikoarmen Methoden gewinnen und die Umweltverträglichkeit sicherstellen“, so Pinkwart zu der Rheinischen Post am Mittwoch (20. April).

Des Weiteren erklärte der Wirtschaftsminister, dass alle Möglichkeiten geprüft werden müssten, um die Energieversorgung der Bundesrepublik sicherzustellen und die Auswirkungen des Krieges möglichst gering zu halten. Alte Kohlekraftwerke in NRW wurden dazu bereits in den Standby-Modus versetzt (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Fracking in NRW: Mit zwei Methoden kommt man an das Gas in der Erde

Generell ist beim Fracking das fördernde Gas nicht frei verfügbar, sondern in Gesteinen gebunden, die unter der Erde liegen. Um an diese Gasvorkommen zu gelangen, muss bis zu einem Kilometer tief gebohrt werden. Mit enormem Druck wird anschließend ein Chemikaliengemisch aus etlichen Stoffen in die Erde gepumpt, um die Gesteinsschichten aufzubrechen und das Gas an die Oberfläche zu befördern.

Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen.

Dabei ist Fracking nicht gleich Fracking. Es gibt zwei Arten dieses Verfahrens. Das „konventionelle Fracking“ ist im Gegensatz zum „unkonventionellen Fracking“ in Deutschland in bestimmten Regionen erlaubt und wird hauptsächlich in Niedersachsen praktiziert. Es erfolgt in Sandstein in größerer Tiefe, unterhalb des Grundwasservorkommens und mit weniger Chemikalien. Dadurch ist das Risiko einer Grundwasserverunreinigung geringer.

Das unkonventionelle Fracking erfolgt dagegen in geringerer Tiefe oberhalb des Grundwassers, mit mehr Chemikalienflüssigkeit. Diese Methode wird in den USA angewandt. In Deutschland ist sie seit 2017 verboten. Denn das Risiko einer Grundwasser- und Umweltverseuchung ist hierbei viel höher. Daher fordern viele Politiker, statt „schmutziges“ Fracking-Gas aus den USA zu importieren, verschärft auf die umweltfreundlichere Methode in Deutschland zu setzten.

Ukraine-Krieg: Habeck hält Fracking in Deutschland für „schwer möglich“

Laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist das geforderte Fracking mit dem deutschen Recht nicht vereinbar, wie der Spiegel berichtet. Fracking sei „nach dem Wasserrecht schwer möglich“, sagte er. Zudem würde es Jahre dauern, neue Förderungen hochzuziehen und Genehmigungsverfahren zu bekommen, denn die konventionellen Verfahren seien in Deutschland weitestgehend ausgeschöpft.

„Es würde helfen, die Produktion kurzfristig zu steigern – mit der Konsequenz, dass man am Ende früher aussteigt. Unsere Probleme können wir dadurch aber nicht lösen“, erklärt der Vizekanzler weiterhin.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa/Archivbild