Verdeckte Ermittler fanden Tier

Äffchen in NRW wie Kinderspielzeug gehalten - Polizei deckt Unfassbares auf

Weißbüschelaffe Gucci in seinem Käfig in Bergheim/NRW
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Kein Haustier: Affe „Gucci“ wurde als Kinderspielzeug in einem Vogelkäfig gehalten

Fast ein Jahr wurde ein Affe in Bergheim (NRW) in einem Vogelkäfig gehalten. Dann wollten seine Besitzer „Gucci“ verkaufen - und tappten in eine Falle.

Bergheim/NRW - Immer wieder gelingt es Tierschützern Tiere zu befreien, die wenig artgerecht in zu kleinen Wohnungen oder Käfigen gehalten werden. Im Fall des kleinen „Gucci“ aus NRW, einem Weißbüschelaffe der seinen Lebensraum normalerweise in Südamerika hat, war es jedoch nicht nur der Vogelkäfig, der dem Affen so ganz und gar nicht gerecht wurde.

AffenartWeißbüschelaffe
Größe16 bis 20 Zentimeter
LebensraumNorden von Brasilien

Affe in NRW gefangen gehalten: Tierschützer finden Tier im Internet

Baumsäfte oder Insekten, also jene Nahrung, die Weißbüschelaffen normalerweise bevorzugen, waren für die Besitzer des kleinen Affen namens „Gucci“ wohl gerade nicht verfügbar. Also fütterten sie ihr Haustier laut eines Berichts der Tierschutzorganisation Peta, kurzerhand mit Käse, Bier oder Nudeln.

Knapp ein Jahr hielt sich die Familie aus NRW das Tier, welches sie als drei Monate altes Tierkind zu sich geholt hatten, laut Peta als Spielgefährten für ihre eigenen Kinder. Die Tierschutzorganisation, die kürzlich Aldi mit einem Award auszeichnete, kritisierte, dass das Äffchen viel zu früh von seiner Mutter getrennt worden sei. Außerdem sei der Affe in einem mannshohen Käfig in der Wohnung in Bergheim nahe Köln untergebracht gewesen.

Im nordöstlichen Brasilien, wo die Affenart ihren natürlichen Lebensraum findet, leben die Affen nach Information des Deutschen Primatenzentrums dagegen in Wäldern oder in der steppenartigen Dornensavanne. Ihr Streifgebiet umfasst normalerweise zwei bis sechs Hektar. Doch die Affenart trifft häufig ein trauriges Schicksal. Auch für Tierversuche werden die Affen nicht selten gehalten.

Affe lebte in Bergheim/NRW unter tierschutzwidrigen Umständen

Die Haltung des Weißbüschelaffen in Gefangenschaft, ohne ein Außengehege, Rückzugs- oder Klettermöglichkeiten, sei laut Peta daher in höchstem Maße tierschutzwidrig gewesen. Und auch für die Halter aus Bergheim wurde es offenbar immer schwieriger, mit dem Affen zurecht zu kommen. Also sollte Gucci weiterverkauft werden.

Und so seien auch die Tierschützer auf das Tier aufmerksam geworden. Sie hatten den Affen entdeckt, nachdem er im Internet angeboten worden sei. Anschließend hätte sich ein „verdecktes Ermittlerteam“ als Käufer ausgegeben und konnten so das Tier in der Bergheimer Wohnung begutachten. Vor den Augen der Tierschützer, so Peta, sei das Äffchen mit zuckersüßen Cornflakes gefüttert worden.

Bergheim in NRW: Affe wurde in Tierpark umgesiedelt

Den Preis von mehreren hundert Euro, den die Verkäufer für „Gucci“ veranschlagten, zahlten die „Ermittler“ dann aber nicht, sondern schalteten das zuständige Veterinäramt ein, welches das Tier schließlich aus der Wohnung in Bergheim holte. Das Tier sei laut dpa extrem verhaltensgestört gewesen.

Inzwischen ist „Gucci“ in Jülicher Brückenkopfpark untergebracht. Dort lebt er seit Anfang Oktober - so wie es sich für Weißbüscheläffchen gehört - gemeinsam mit einem anderen Affen in einem ausreichend großen Gehege.

Nach Angaben der Tierschützer gäbe es eine sehr hohe Dunkelziffer an in Deutschland gehandelten Exoten wie dem Weißbüscheläffchen. „Es gibt keine einheitliche bundesweite Regelung und deswegen gibt es einen wahnsinnigen Handel mit exotischen Tieren“, so eine Sprecherin von Peta. Allein in zwei Onlineportalen seien zwischen 2010 und 2014 mehr als 10.000 Tiere inseriert worden.