Wechselunterricht startet

Schüler (19) ist schockiert über Öffnung der Schulen trotz Corona: „Wie soll das funktionieren?“

Für zahlreiche Schüler in NRW geht es am Montag (15. März) zurück in die Schule. Ein Schülervertreter kritisiert das in einem offenen Brief nun als fatalen Schnellschuss – und warnt.

NRW – Bald wird wieder deutlich mehr Leben in die Schulen in Nordrhein-Westfalen (NRW) kommen. Denn der Bund-Länder-Beschluss vom 3. März sieht auch eine weitere Schulöffnung vor. Was einige Eltern sicherlich freuen wird, sorgt nun zunehmend für Kritik seitens der Schüler. Einer von ihnen hat sich nun in einem offenen Brief an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gewandt.

NameYvonne Gebauer
Alter54 Jahre
Partei und MinisteriumFDP, NRW-Bildungsministerium

Schulen in NRW: Schüler kritisiert Öffnung in Corona-Krise scharf

Bereits seit dem 22. Februar gehen viele Grundschüler wieder zum Unterricht. Ab Montag (15. März) gilt der Wechselunterricht mit speziellen Corona-Regeln auch für die weiterführenden Schulen. Doch trotz der – vom Oberverwaltungsgericht in Münster erneut bestätigten – Maskenpflicht an Grundschulen, wird nun erneut Kritik am Vorgehen der Politik laut.

Daniel Ackermann (19) ist Schülervertreter im Kreis Gütersloh. In einem offenen Brief an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54) kritisiert er nun die aus seiner Sicht zu schnelle Öffnung der Schulen. Für ihn steht der Schutz der Gesundheit an erster Stelle, schreibt er. Doch der sei kaum zu gewährleisten, aus gleich mehreren Gründen.

Öffnung der Schulen in NRW: Probleme beginnen beim ÖPNV

RKI-Chef Lothar Wieler (60) hatte bereits alle Altersgruppe vor Wochen vor der ansteckenderen britischen Corona-Variante (B.1.1.7) gewarnt. Mittlerweile rief er die dritte Welle der Corona-Pandemie aus. Doch die nötigen Kontaktbeschränkungen seien kaum einzuhalten, kritisiert Daniel Ackermann: „Wie soll das funktionieren, wenn die Schüler in vollen Bussen mit dem ÖPNV zur Schule kommen?“

Daran würden auch die vom Ministerium geplanten halb so großen Klassen nichts ändern. Sein Vorschlag: ein funktionierendes ÖPNV-Konzept und ein entzerrter Unterrichtsbeginn.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) muss das Land bildungstechnisch durch die Corona-Krise führen.

Schulen in NRW öffnen trotz Corona: „Sieht so Gesundheitsschutz aus?“

Das nächste Problem aus Sicht des Schülers: Eigentlich sollten die Schulen genau wie die Geschäfte doch erst ab einem Inzidenzwert von unter 50 geöffnet werden. Dass diese Faustregel nun aufgeweicht wurde, sorgt bei ihm für Unverständnis: „Geschäfte, die Hygienekonzepte aufstellen könnten, müssen zu bleiben und die Schulen öffnen Ihre Türen mit Lüften und Maske tragen? Sieht so guter Gesundheitsschutz aus?“, fragt er in dem offenen Brief.

Tatsächlich haben einige Schulen wegen Corona etwa Luftfilter erhalten. Von flächendeckendem Einsatz kann aber keine Rede sein. Das Land NRW fördert die Geräte auch nur dann, wenn die Räume anders nicht gelüftet werden können. Der Schüler fordert in dem Brief an Yvonne Gebauer, zu warten bis es ausreichend Testkapazitäten gibt und auch an weiterführenden Schulen geimpft werde. Bisher werden nur Lehrer getestet, Impfungen für Schüler sind nicht in Sicht.

„Wieso geht man jetzt so ein massives Risiko ein, wenn es mit dem Distanzlernen doch so gut läuft?“, fragt Daniel Ackermann. Denn: Für die „Ausgestaltung des Wechselmodells“ sind die Schulen laut Ministerium selbst zuständig. Ackermann findet es „fatal“, dass den Schulleitern keine zwei Wochen eingeräumt werden, die Beschlüsse auch umzusetzen.

Eine Grundschülerin benutzt einen Corona-Selbsttest.

Corona in NRW: Schüler sieht Versäumnisse bei Masken

Bereits im Februar hatte die Öffnung der Grundschulen in NRW für Ärger unter den Lehrern gesorgt. Damals wurde bereits die Maskenpflicht verschärft. Schüler müssen nun überall in der Schule einen Mundschutz tragen.

Auch hier sieht der Schülervertreter aus Gütersloh Versäumnisse: „Wir dürfen aber auch die sozial schwachen Familien nicht vergessen und deshalb wünsche ich mir auch für die Zukunft vom Schulministerium NRW kostenlose medizinische Masken oder FFP2-Masken für alle Schüler.“ Nicht nur die digitale Bildung hänge vom Elternhaus ab, sondern auch die Ausstattung mit Masken.

Video: NRW startet am 8. März mit Impfungen in Schulen und Kitas

In Dortmund wurden etwa zum Unterrichtsbeginn an den Grundschulen Ende Februar FFP2-Masken an die Schulen geliefert, berichtet T-Online.de. Die waren jedoch ausschließlich für die Lehrer gedacht. Doch genau die sollen seit Anfang März neben mehr Schnelltests auch eine Impfung gegen das Coronavirus bekommen.

Für Schüler unter 18 ist eine Impfung derzeit nicht möglich. Die Krux dabei: Ärzte befürchten wegen Corona psychische Probleme bei Kindern, die länger nicht zur Schule gehen können. Infizieren sich Kinder mit Covid-19, drohen ihnen andererseits jedoch körperliche Langzeitschäden.

Schulen in NRW öffnen: Schüler Ackermann fordert Abschluss ohne Risiko

Für den Schüler Daniel Ackermann ist klar: „Es gilt auch weiterhin die Risikogruppe zu schützen und allen einen fairen Abschluss zu ermöglichen. Doch das muss strukturiert und ohne Risiko ablaufen.“

Bevor es keine schlüssigen Hygienekonzepte, kostenlose Schutzmasken, Tests für Schüler und Impfungen für Lehrer gibt, sei an eine Schulöffnung nicht zu denken, findet er. Ab Montag wird sich zeigen, ob und wie gut die Schulen in NRW vorbereitet sind.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa