Universität bestätigt Wirksamkeit

NRW: Eltern spendieren Luftfilter für Schulen- warum sie nicht eingesetzt werden

Eltern in Köln kauften Luftfilter für die Schule ihrer Kinder. Doch sie dürfen nicht zum Einsatz kommen. Dabei könnten Luftfilter eine „sichere“ Rückkehr zum Präsenzunterricht ermöglichen.

Köln/NRW - Aktuell sind die Schulen in NRW nahezu leer. Doch sobald es das Infektionsgeschehen zulässt, soll der Präsenzunterricht nach dem Willen von Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) wieder starten, wie RUHR24.de* berichtet. In Köln wollten Elterninitiativen die Schulen ihrer Kinder dafür mit Luftfiltern zum Schutz gegen Corona ausstatten. Doch die Stadt lehnt das bislang ab. Auch viele Städte im Ruhrgebiet zeigen sich skeptisch.

GerätLuftfilteranlagen
FunktionReduzierung von Schwebstoffen und Aerosolwolken
Notwendige Filter zum Schutz vor CoronaHigh Efficiency Particulate Air (HEPA)-Filter der Klasse H13 oder H14

Schulen in NRW: Mit Luftfiltern die Ausbreitung von Corona verhindern

In Köln ist ein Streit zwischen engagierten Eltern mehrere Schulen und der Stadt entbrannt. Es geht dabei um den Einsatz von Luftfilteranlagen, die eine Elterninitiative an einer Schule in Gremberg gekauft hatten, die nun aber nicht zum Einsatz kommen dürfen. Wie der WDR berichtet, wolle die Stadt abwarten, bis geklärt ist, ob Luftfilteranlagen tatsächlich Corona-Viren aus der Luft der Klassenzimmer entfernen können (alle News zu Corona in NRW im Live-Ticker* auf RUHR24.de).

Demnach will die Stadt Köln zunächst durch eine Untersuchung der Kölner Fachhochschule klären lassen, ob sich das Infektionsrisiko in Klassenzimmern durch den Einsatz von Luftfiltern wirksam senken lässt. Bis entsprechende Luftfilteranlagen tatsächlich an Schulen zum Schutz vor Corona zum Einsatz kommen könnten, dauert es also noch – mindestens bis die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen.

Luftfilter im NRW-Klassenzimmern: Risiko einer Corona-Ansteckung minimieren

Für die Stadt spielt dabei keine Rolle, dass Studien der Universität der Bundeswehr München die Wirksamkeit von Luftfilteranlagen gegen die Ausbreitung des Coronavirus* bereits bestätigten. Allerdings berufen sich die betroffenen Eltern auf eine entsprechende Studie. Auch, dass die Stadt bei der Finanzierung bisweilen keine große Rolle spielen sollte, ändert an dem Entschluss nichts (alle News zu Corona in NRW* auf RUHR24.de).

Auch an anderen Schulen hatten Eltern laut WDR eine Spendensammlung initiieren wollen, um die Luftfilter zum Schutz vor Corona* zu bezahlen. Doch nach dem Entschluss der NRW-Stadt auf die Untersuchung der Fachhochschule zu warten, müssen Elterninitiativen ihre Spendensammlungen nun wieder stoppen. Laut WDR dürfen in Köln auch bereits gekaufte Geräte nicht zum Einsatz in den Schulen kommen.

An den meisten Schulen in NRW sind keine Luftfilter im Einsatz. Stattdessen wird gelüftet.

Die Studie der Bundeswehruniversität war schon im August 2020 zum Schluss gekommen, dass es mit den bei der Studie genutzten Raumluftreinigern der Firma Trotec der Klasse F7 + H14 möglich ist, die „Aerosolkonzentration in Räumen kleiner und mittlerer Größe problemlos auf einem niedrigen Niveau zu halten“. Luftfilter können Schüler demnach vor Corona schützen. Allerdings hatte die Firma Trotec die Studie in Auftrag gegeben und finanziert.

Luftfilter in Bochum wegen Corona: Stadt plant Anschaffung für Schulen

Etwas anders sieht es derweil in Bochum aus. Im Oktober hatte der Rat der Stadt die Anschaffung von Luftreinigern für Bochumer Schulen beschlossen. So teilte es Dr. Sascha Dewender, CDU-Mitglied im Schulausschuss der Stadt Bochum damals mit.

„Durch Luftreiniger mit einer entsprechenden Filtertechnik kann die Virenkonzentration deutlich reduziert und das Infektionsrisiko eingedämmt werden“ heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Bochum weiter.

Dennoch ist man sich auch in der Stadt im Ruhrgebiet nicht so sicher, wie es um die Wirksamkeit von Luftreinigern steht. Vor allem kleinen Geräten bringt die Stadt kein Vertrauen gegenüber mit. Das geht aus der Antwort einer Anfrage von RUHR24 an die Stadt hervor. „Nach aktuellem Stand halten Experten immer noch das regelmäßige Stoßlüften [...] für die wirkungsvollste Methode des Luftaustausches“, heißt es darin. Privat angeschaffte oder nicht zertifizierte Luftfilter dürfen auch in Bochum nicht zum Einsatz kommen.

Luftfilter in Klassenzimmern in Essen: Stadt ist skeptisch

Allerdings lässt die Stadt Bochum aktuell durch „Fachleute der Abteilung Heizungs,- Lüftungs- und Klimatechnik“ testen, ob es nicht doch Geräte gibt, die eine technische Unterstützung für Räume ermöglichen, „bei denen ein ausreichendes Stoßlüften mit Frischluft nicht gegeben ist“.

Auch in Essen gibt man sich Luftfilteranlagen gegenüber sehr skeptisch. Neben der fraglichen Wirksamkeit wird hier auch über weitere „Nebenwirkungen“ der Geräte, wie einen erhöhten CO2-Ausstoß, nachgedacht. Offenbar sind es also vor allem Eltern, die sich Luftfilteranlagen für Schulen wünschen – während Städte eher zurückhaltend reagieren.

So läuft auch in Dortmund läuft seit Oktober eine Petition, die ebenfalls Luftfilter für Schulklassen in NRW fordert. Doch auch die Grünen in NRW fordern seit Ende 2020, Schulen mit Luftfiltern auszustatten. Inzwischen hat die Landesregierung 50 Millionen Euro zur Beschaffung von Luftfilters zur Verfügung gestellt. Die Finanzmittel wurden am 5. November 2020 freigegeben.*RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks. 

Rubriklistenbild: © Trotec GmbH/dpa

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