Nahverkehr

Pendler-Schock in NRW: Abellio will Strecken im Ruhrgebiet endgültig aufgeben

Abellio will mehrere wichtige Nahverkehrsstrecken in NRW aufgeben. Das Rhein-Ruhrgebiet wäre von dem Rückzug der Privatbahn besonders hart betroffen.

NRW – In Nordrhein-Westfalen betreibt die Privatbahn Abellio gleich mehrere wichtige Strecken im Nahverkehr. Von einem Rückzug der Privatbahn wären die RRX-Strecken sowie der S-Bahn-Verkehr im Rhein-Ruhrgebiet betroffen. Wie es mit dem Nahverkehr auf den Strecken weitergehen soll, ist ungewiss. Denn das Verkehrsunternehmen steckt bereits seit geraumer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten

VerkehrsunternehmenAbellio
SitzBerlin
Gründung2004

Nahverkehr in NRW und dem Ruhrgebiet: Abellio will S-Bahnen und RRX aufgeben

Der RRX verkehrt zwischen Köln und Dortmund (RE 1), sowie zwischen Düsseldorf, Bochum, Dortmund und Kassel (RE 11). Genauso wie die S-Bahnen, die das Rhein- und das Ruhr-Gebiet miteinander verbinden, bilden die von Abellio betriebenen Strecken die wichtigisten Verkehrsadern im schienengebundenen Nahverkehr der Region ab.

Ein Aus oder auch nur massive Störungen auf den Strecken wäre vor allem für Pendler eine Hiobsbotschaft – zumal aktuell auch die Ruhrgebiets-Autobahn A40 häufig gesperrt und nur beschränkt befahrbar ist. Doch die Privatbahn Abellio ist in Finanznot und will einige Strecken in NRW aus dieser Not heraus abstoßen und nicht mehr betreiben. Bereits in zwei Jahren soll Schluss sein.

Eine denkbar kurze Zeit, um einen Nachfolger für den Streckenbetreiber zu finden. Und so soll am Freitag (5. November) über ein entsprechendes Angebot beraten werden, sodass eine „geordnete Neuausschreibung“ der Verträge stattfinden könne, so der gerichtlich bestellte Sachverwalter Rainer Eckert gegenüber der Funke Mediengruppe.

Nahverkehr in NRW: Unternehmen Abellio steckt in Finanznot

Im Falle einer Einigung sei Abellio laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) bereit, einen „dreistelligen Millionenbetrag“ zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Summe soll die Fortführung des Zugverkehrs in NRW und Arbeitsplätze gesichert werden. Weitere Details nannte ein Abellio-Sprecher gegenüber der DPA nicht. Die Entscheidung liege nun bei den Verkehrsverbünden (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) und Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL)).

Konkurrenten der Deutschen Bahn haben es im Nahverkehr nicht leicht.

Wie viele andere Konkurrenten der Deutschen Bahn auch, klagt das Unternehmen laut DPA über hohe Kosten, die bei Abschluss der Verträge mit den Verkehrsverbünden nicht abzusehen gewesen seien (mehr Nachrichten aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24).

Bahnstrecken in NRW vor dem Aus: Unverhersehbare Kosten für Abellio

Die unvorhergesehenen Kosten stürzten Abellio offenbar in finanzielles Ungleichgewicht, weswegen das Verkehrsunternehmen bereits im Juni 2021 in ein sogenanntes Schutzschirmverfahren ging – einer Sanierung im Rahmen des Insolvenzrechts.

Wie der WDR berichtet, hatte der VRR das Unternehmen bereits vor mehr als einem Jahr, im Mai 2020, abgemahnt: Die Leistungen auf den von Abellio betriebenen S-Bahn-Linien entsprächen nicht den Vereinbarungen in den Verträgen. Es komme immer wieder zu Zugausfällen, Verspätungen und anderen Einschränkungen, soll es in der Abmahnung geheißen haben.

Abellio betreibt 52 Zuglinien in ganz Deutschland, von denen ein Großteil in NRW liegen. Neben des Strecken des RRX (RE 1 und RE 11) werden auch die S-Bahn Strecken der Linien S 2, S 3, S 9, RB 32, RB 40 und RE 49 von dem Unternehmen betrieben. Weitere Strecken, die Abellio betreibt, liegen im Sauer- und Siegerland. Letztere sind von den Rückzugsplänen des Unternehmens offenbar nicht betroffen. Sowohl die Strecken im Ruhr-Sieg-Netz, dem Niederrhein-Netz und die S7 sind laut Sachverwalter abgesichert.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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