„Neger“ in Olpe

Rassismus-Debatte: Dorf in NRW soll seinen Namen ändern

Neger im Sauerland
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Das kleine Örtchen Neger im Sauerland soll sich wegen möglichem Rassismus nun umbenennen.

Immer wieder kommt es im Zusammenhang mit deutschen Namen zu Rassismus-Vorwürfen. Jetzt soll sich ein Dorf im Sauerland umbenennen.

NRW - Beschaulicher könnte es nicht sein: 360 Einwohner, viele Wälder und kaum Verkehr. Ein perfekter Ort zum Leben und Entspannen. Wäre da nicht der Name: Neger. So heißt ein kleiner Ortsteil des sauerländischen Städtchens Olpe. Seit sieben Jahrhunderten trägt der Ort bereits seinen Namen - und soll ihn jetzt aufgrund von Rassismusvorwürfen ändern.

OrtsteilNeger
StadtOlpe
Einwohner360 (2020)

Neger in Olpe: Rassismus-Vorwürfe - Stadt soll Ortsteil umbenennen

Wie Peter Weber, Bürgermeister der Stadt Olpe, der Deutschen Presse-Agentur mitteilt, hätte es schon viele Nachfragen gegeben, warum der Ort so heißt wie er heißt. In den vergangenen Monaten ist „Neger“ aber insbesondere wegen des Todes von George Floyd im Mai 2020 in Minneapolis in den Mittelpunkt der Rassismus-Debatte gerückt.

George Floyd war ein Afroamerikaner, der am 25. Mai dieses Jahres durch eine gewaltsame Festnahme getötet wurde. Anschließend kam es in den USA und Welt unter der Bewegung „Black Lives Matter“ zu mehreren Aufständen. Auch viele Prominente bekundeten ihre Anteilnahme an dem Todesfall. Auf Instagram posteten etliche User am Todestag und an den darauffolgenden Tagen eine schwarze Kachel, um auf Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern aufmerksam zu machen.

Neger in Olpe: Bürgermeister sieht keinen Grund, den Stadtteil umzubenennen

Wie Oberbürgermeister Weber erzählt, seien in Folge mehrere Schreiben bei der Stadt Olpe eingegangen, die eine Umbenennung des Stadtteils Neger forderten. Sogar Ortsschilder wurden im Sommer beschmiert und ein Stein mit der Aufschrift Negertal am Ortseingang. Doch eine Änderung des Namens sei aktuell keine Option.

„Selbstverständlich hat die Namensgebung keinen rassistischen Hintergrund“, sagt der CDU-Politiker und betont, dass er aktuell „keinen Anlass sehe, einen seit Jahrhunderten etablierten Ortsnamen zu ändern“. Ob ein Ort rassistisch ist oder nicht hänge nicht von dem Namen ab, sondern von der Einstellung der Einwohner. Imme wieder hätte das Dörfchen Neger bewiesen, dass es bei ihnen keinen Rassismus gebe. Auch der Ortsversteher hatte klargestellt, dass ihm kein rassistisches oder fremdenfeindliches Verhalten bekannt sei.

Neger in Olpe: Sprachwissenschaftler nimmt Bewohner in Schutz

„Das N-Wort ist extrem herabwürdigend, es ist in der deutschen Sprache eines der als am schlimmsten diskriminierend empfundenen Worte überhaupt“, sagt der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. „Man kann den Ortsbewohnern nicht vorwerfen, dass sie in dem Ort leben, der so heißt.“

Gleichzeitig macht der Sprachwissenschaftler, der sich mit politisch korrektem Sprachgebrauch auseinandersetzt, aber auch klar: „Man sollte Debatten über den Ortsnamen nicht gleich abblocken. Ortsnamen sind nicht heilig, wenn eine Gesellschaft und ihre Werte sich ändern.“

Video: Mann heißt Neger mit Nachnamen - und kämpft ständig mit Rassismus-Vorwürfen

Neger in Olpe: Name stammt aus dem 14. Jahrhundert

Oft würden Ortsnamen auch zur eigenen Identität gehören. „Wenn die Bewohner des Örtchens hingegen irgendwo das N-Wort lesen würden, würden sie wahrscheinlich zusammenzucken“, so Stefanowitsch gegenüber dem Sauerland Kurier.

Doch woher kommt der Ortsname Neger überhaupt? Zum ersten Mal aufgetaucht ist er vor und 700 Jahren und stammt wahrscheinlich von dem kleinen Flüsschen Neger, erklärt Namensforscher Markus Denkler vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Gebildet sei das Wort ursprünglich wohl von dem Begriff „Nag“ - eine genaue Herkunft lässt sich heute aber nicht mehr ableiten. Einen Zusammenhang mit dem lateinischen Wort „niger“, welches „schwarz“ oder „dunkel“ bedeutet, gibt es aber nicht. So viel steht fest.

Rassismus-Debatte: Apotheke in Dortmund soll Logo und Name ändern

In der Vergangenheit gab es immer wieder Rassismus-Debatten zu Namen und Bezeichnungen, die als politisch inkorrekt gelten. Zuletzt rückte die Mohren-Apotheke in Dortmund in den Fokus von Fremdenfeindlichkeitsvorwüfen. Der Grund: Der Begriff „Mohr“ würde Menschen diskriminieren. Deshalb forderten Mitglieder der afrikanischen Community in Dortmund die Betreiberin der Apotheke auf, den Namen sowie das Logo zu ändern.

Auch weitere Städte in Deutschland haben immer wieder mit Rassismus-Vorwürfen zu kämpfen. So beispielsweise Mohrkirch und Negernbötel in Schleswig-Holstein oder auch Groß Mohrdorf in Mecklenburg-Vorpommern.

Sogar das Unternehmen „Knorr“ hatte in der Vergangenheit mit Vorwürfen der Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen, weil es eine Zigeunersauce im Sortiment hatte. Mittlerweile gab Knorr bekannt, die Sauce umbenennen zu wollen. „Paprikasauce ungarischer Art“ soll sie künftig heißen.