Ukraine-Konflikt

NRW: Angst vor Atomkrieg mit Russland – gibt es intakte Bunker?

Droht durch den Ukraine-Konflikt ein Atomkrieg mit Russland? Wo gäbe es in NRW Schutzbunker?

Dortmund – Russland zieht im Ukraine-Krieg seinen nächsten Joker. Präsident Wladimir Putin hat am Sonntag (27. Februar) angewiesen, die Abschreckungswaffen der Atommacht in Alarmbereitschaft zu versetzen*. Von Atomwaffen sprach Putin zwar nicht explizit, dennoch geht jetzt auch in NRW* die Angst vor einer totalen Eskalation des Krieges um. Schon erkundigen sich die ersten nach Atomschutzbunkern in der Nähe. RUHR24* erklärt, wie NRW aufgestellt ist.

Krieg in der UkraineStart 13. April 2014
Russischer GroßangriffStart am 24. Februar 2022
KonfliktparteienRussland, Ukraine, Belarus (u.a.)

NRW: Angst vor Atomkrieg mit Russland – wo gibt es in NRW Luftschutzbunker?

Zunächst einmal zur Beruhigung: Experten halten einen Atomkrieg mit Russland für ein sehr unwahrscheinliches Szenario, etwa das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri. „Ich glaube nicht, dass ein Atomkrieg eine wahrscheinliche Folge dieser Krise ist“, sagte Sipri-Direktor Dan Smith der Deutschen Presse-Agentur in Skandinavien. „Wenn Atomwaffen existieren, dann gibt es aber leider natürlich immer diese kleine Möglichkeit. Und das wäre katastrophal.“

In NRW wurden bereits während des Zweiten Weltkriegs Hoch- und Tiefbunker errichtet. Seit 1967 wurden diese Anlagen aber aufgrund der hohen Kosten nicht mehr instand gehalten, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Stattdessen förderte der Bund die Einrichtung von Schutzräumen in Tiefgaragen oder Bahnhöfen.

Atombunker in NRW – seit 1990 Förderung eingestellt

Doch ab 1990 wurde diese Förderung auch eingestellt. Der Grund: Weltweit trat eine politische Entspannung ein. Ab diesem Zeitpunkt wurden viele traditionelle Bunker-Anlagen entwidmet und durften von ihren Eigentümern baulich verändert werden. Auch Großstollenanlagen wie jene im Zentrum von Dortmund wurden seitdem nicht mehr gepflegt und teils verfüllt. Andere Anlagen wurde überbaut.

Ein solches Beispiel dafür ist das Exzenterhaus in Bochums Innenstadt, das auf einem ehemaligen, siebengeschossigen Luftschutzbunker aus dem Jahre 1942 steht.

Das Exzenterhochhaus in Bochum steht auf einem ehemaligen Luftschutzbunker.

Auch der ehemalige Atomschutzbunker der Landeszentralbank in Mechernich-Satzvey ist längst stillgelegt und wird seit 2012 nur noch für Führungen genutzt.

NRW: Keine Luftschutzbunker mehr vorhanden – Experten: „Schadenszenario ohne Vorwarnzeit

Der Grund: Nach den Anschlägen vom 11. September in den USA und darauf folgenden Naturkatastrophen hat die Bundesregierung 2007 entschieden, öffentliche Schutzräume aufzugeben und eine neue Strategie für den Schutz der Bevölkerung zu erarbeiten.

Dazu heißt es vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz: „Experten gehen heute von einem Schadenszenario ohne Vorwarnzeit aus, daher können Schutzräume der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit bieten.“ Kurz: In Deutschland und damit auch in NRW gibt es keine funktionstüchtigen öffentlichen Bunker mehr. Jene, die noch stehen, sind verkommen und werden, wenn überhaupt, nur noch zu Besichtigungen geöffnet*.

Im Falle eines kriegerischen Angriffs auf NRW müsste der Bund daher die sogenannten Mehrzweckanlagen zurückgreifen, etwa U-Bahnhöfe oder Tiefgaragen. Die Mehrzahl dieser Schutzräume befindet sich allerdings in privater oder der Hand von Städten und Gemeinden.

NRW: Schutzmöglichkeiten im Kriegsfall – Hilfskrankenhäuser als Alternative

Doch es gibt weitere Schutzmöglichkeiten, etwa die ehemaligen Hilfskrankenhäuser. Sie boten einst Schutz vor herabfallenden Trümmern, radioaktiven Niederschlägen, Brandeinwirkungen und Schutz vor chemischen und biologischen Kampfstoffen.

Russland hat seine Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft versetzt. Ein Atomkrieg halten Experten aber für unwahrscheinlich.

Seit 1997 wurden diese Bauwerke zu Schutzbauwerken umgewidmet und zählen zu den öffentlichen Schutzräumen. In NRW gibt es solche etwa im Kreis Düren (Aldenhoven), in Münster oder in Bonn.

Ukraine-Russland-Krieg: Private Hausschutzräume in NRW als Möglichkeit bei Schutz vor Krieg

Eine weitere Möglichkeit, sich im Worst-Case-Szenario zu schützen, sind die sogenannten privaten Hausschutzräume, von denen es in Deutschland aber nur noch rund 9000 gibt. Sie wurden zwischen 1968 und 1996 mit Zuschüssen und steuerlichen Begünstigungen gefördert. Eine offizielle Liste über solche Räume in NRW gibt es nicht.

Ob mit oder ohne Schutzbunker: Ein Atom-Krieg mit Russland wäre so oder so ein Worst-Case-Szenario, das sich viele nur schwer vorstellen können. Dass es dazu kommt und NRW involviert wird, erscheint zum aktuellen Zeitpunkt höchst unwahrscheinlich. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Vladimir Smirnov/IMAGO

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