Großes Lockdown-Fragezeichen

Corona-Treffen am Mittwoch: Lockdown-Verlängerung droht – werden Schulen in NRW geöffnet?

Am Mittwoch (10. Februar) berät Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder über den Corona-Lockdown. Wie sieht es für die Schulen in NRW aus?

Update, Montag (8. Februar), 16.40 Uhr: NRW – Noch bevor Angela Merkel und die Ministerpräsidenten am Mittwoch (10. Februar) zusammenkommen, sickern erste Informationen durch. Wie das Redaktionsnetzwerk (RND) berichtete, soll die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Februar in Planung sein.

Doch man arbeite ebenso an einer „sicheren und fairen Öffnungsstrategie“, heißt es aus Regierungskreisen. Dennoch müsse man die Ausbreitung der Corona-Mutationen im Blick behalten, denn sie stelle weiterhin eine große Gefahr dar. Regierungssprecher Steffen Seibert beschrieb die Lage als „Gemisch von Erfolg und Risiko“. Wie ist mit der Öffnung von Schulen und Kitas weitergehen soll, ist allerdings noch nicht bekannt.

Erstmeldung, Samstag (6. Februar), 14 Uhr: Vor der anstehenden Konferenz der Ministerpräsidenten mit Angela Merkel stehen die Zeichen auf Lockdown-Verlängerung. Zwar näherte sich die Sieben-Tage-Inzidenz dem angestrebten Wert von weniger als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen zuletzt immer mehr (77,3 – Stand 6. Februar, 0 Uhr). Die Sorge vor einer Ausbreitung der hochinfektiösen Corona-Mutationen in Deutschland ist jedoch groß.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
Regierende ParteienCDU und FDP
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)

Corona in NRW: Öffnung der Schulen bei Bund-Länder-Beratungen im Fokus

„Wir brauchen einen verantwortungsvollen Übergang vom Lockdown in einen neuen Normalzustand“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Donnerstag (4. Februar). Wenn die bestehenden Corona-Maßnahmen überhaupt gelockert werden, dann mit Blick auf die Schulen und Kitas. „Die sind auf jeden Fall zuerst dran.“

Diese Meinung teilt Jens Spahn nicht exklusiv. Selbst SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der während der Corona-Pandemie schon mehr als einmal mahnend den Zeigefinger gehoben hat, sprach sich gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe für eine schrittweise Öffnung der Schulen und Kitas aus. Bestimmte Beschränkungen seien längerfristig kaum zumutbar. „Daher sollte man erwägen, in der Grundschule zum Wechselunterricht überzugehen.“

NRW-Ministerpräsident Laschet räumt Schulen und Kitas vor Bund-Länder-Treffen Priorität ein

Für Lockerungen der Corona-Regeln im Alltag bestehe laut Karl Lauterbach indes weniger Spielraum. Das sei viel zu gefährlich. „Wir dürfen nicht wenige Monate vor dem Impfschutz der Bevölkerung noch die Kontrolle verlieren. Wir riskieren sonst auch die Ausbreitung von Varianten, gegen die die Impfungen wenig wirken.“

Einen ähnlichen Kurs scheint auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zu verfolgen. Der frischgebackene CDU-Vorsitzende, der am Mittwoch an den Bund-Länder-Beratungen mit Angela Merkel teilnimmt, äußerte sich am Samstag (6. Februar) auf dem CDU-Landesparteitag in Hildesheim zu möglichen Lockerungen.

Armin Laschet will in NRW zuerst die Schulen und Kitas öffnen.

„Uns ist allen klar, Schule, Bildung, Kinderbetreuung muss absolute Priorität haben. Ehe wir irgendein Geschäft oder etwas anderes öffnen, muss die Bildung für unsere Kinder wieder in Gang gesetzt werden, denn wir richten mit dem Lockdown auch Schäden an.“ Wenn Kinder wochenlang nicht in der Schule sind und nicht gesehen werden, gebe es Kindeswohlgefährdung und Bildungschancen würden gefährdet (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Schulen und Kitas im Lockdown: Angela Merkel will mit Öffnung „lieber drei Tage länger“ warten

Eine schrittweise Öffnung der Schulen und Kitas in NRW und dem Rest von Deutschland nach der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch ist dennoch mehr als fraglich. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief bei einem Bürgerdialog am Donnerstag (4. Februar) zu Geduld auf. Ihr sei es wichtig, „dass wir nicht nochmal die Schulen aufmachen und dann wieder zumachen“.

Die Öffnung der Schulen solle „lieber drei Tage länger“ dauern, um danach mehr Stabilität zu haben. Die Bundeskanzlerin betonte, dass das Thema Schulen in den Bund-Länder-Beratungen jedes Mal am längsten diskutiert werde. Sich selbst zählte sie dabei „oft zu den Strengen“.

Schulen als Treiber der Corona-Pandemie: Mahnende Worte von Drosten und Kekulé

Charité-Chefvirologe Christian Drosten (48) weiß um das Politikum der Schulöffnungen in Deutschland. „Natürlich müssen die Kinder möglichst bald wieder zur Schule. Diese Frage wollen wir hier gar nicht stellen und infrage stellen. Das ist absolut richtig und das muss absolut hohe Priorität haben“, sagte er in der jüngsten Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“.

Dennoch wies der 48-Jährige darauf hin, dass die Rückkehr zum Präsenzunterricht einen Effekt auf das Infektionsgeschehen haben wird. „Wenn das Virus im offenen Schulbetrieb ist, dann vermehrt sich das auch. Wenn man die Schulen offenlässt, während man andere Teile, gerade das Freizeitleben bei Erwachsenen schließt, dann hat man nach einiger Zeit deutlich mehr Infektionshäufigkeit bei den Schulkindern.“

Vor einer übereifrigen Öffnung der Schulen warnt auch der Virologe Alexander Kekulé (62) im MDR-Podcast. „Alles auf einmal aufzumachen, ist einfach ein Risiko.“ Stattdessen schlägt er vor, Schulen und Kitas unter strenger Begleitforschung in einer Region mit hoher Inzidenz und einer Region mit niedriger Inzidenz wieder zu öffnen. So könnten Effekte umgehend und nicht erst Tage oder Wochen später anhand des Inzidenzwerts erkannt werden. Mit Material von dpa und AFP

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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