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NRW: Mann hortet 3000 Jahre alte Archäologie-Sensation im Kleiderschrank

In NRW hat ein Mann jahrelang unwissentlich ein uraltes Relikt in seiner Wohnung aufbewahrt. Durch einen Zufall kam die Sensation ans Tageslicht.

NRW – Corona* sei Dank, muss es in diesem Fall heißen. Denn wäre die Pandemie nicht gewesen, hätte ein Mann aus NRW* ein altes Relikt nicht als Dekostück für die St.-Martins-Zeit aus dem Schrank geholt. Und genau dabei ist bereits im November 2020 eine wahre archäologische Sensation* ans Tageslicht gekommen, wie RUHR24* erfuhr.

MuseumLVR-Landesmuseum Bonn
Gründung1820
LandNRW

NRW: Schwert in Familienbesitz ist fast 3000 Jahre alt

Dabei handelt es sich um ein Schwert, das laut Einschätzung des LVR-Landesmuseums Bonn rund 3000 Jahre alt sein soll. Das aus der Bronzezeit stammende Relikt war 1955 bei Arbeiten in einer Kiesgrube in Wesel entdeckt worden.

Seitdem lag das Schwert mehr oder weniger unbeachtet auf und in den Schränken der Finder-Familie und wurde für ein römisches Schwert gehalten. Doch die Römer waren erst später im heutigen NRW*. Das linksrheinische Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen gehörte rund 500 Jahre zum Römischen Reich – von der Eroberung durch Caesar 55 vor Christus bis 459/461 nach Christus, als Köln von den Franken eingenommen wurde.

NRW: Schwert lag in Wesel in einer Kiesgrube – Corona brachte Schwung

Doch das blieb der Familie aus Wesel zunächst verborgen. Zwischendurch war das Schwert von einem Schlossermeister gerichtet worden, war die Klinge doch verbogen. Im November 2020 schließlich sollte es den Urenkeln der Familie als St.-Martins-Schmuck dienen, weil der Umzug in jenem Jahr pandemiebedingt ausgefallen war.

Dann nahm die Sache ihren Lauf. Die Familie des Besitzers, genauer gesagt Enkel Christian Biesemann (32), ließ das Familienerbstück vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland untersuchen, um Licht ins dunkle Familienrelikt zu bringen. Und die Experten staunten.

Experten staunen: 3000 Jahre altes Möringerschwert in NRW gefunden

Sie stellten bei Analysen fest, dass es sich um ein sogenanntes Möringerschwert handeln muss, das vor 3000 Jahren als Prestige-, Status- oder Kultobjekt und weniger für den Kampf genutzt wurde. Doch: Hiebspuren an der Klinge belegen, dass dieses Schwert dennoch im Kampfeinsatz gewesen sein muss, so das LVR-Landesmuseum Bonn.

Dieses Schwert lag jahrzehntelang in einem Haushalt in NRW. Es ist Jahrtausende alt.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Möringenschwerter erstreckt sich zwischen dem Rhônegebiet und Pommern, einschließlich Süddeutschland. „Weiter nördlich finden sich nur vereinzelte Exemplare, die dorthin verhandelt wurden“, so das Museum. Vom Niederrhein sei außer dem Fund aus Wesel nur ein weiteres Exemplar aus der Stadt bekannt, das heute allerdings verschollen sei.

Das Schwert ist nun als Leihgabe im LVR-Landesmuseum Bonn zu sehen, wo es in der dortigen Dauerausstellung präsentiert wird. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa, J. Vogel/LVR-LandesMuseum Bonn; Collage: RUHR24