Absperrungen werden durchbrochen

NRW: Polizei brodelt wegen „Hochwasser-Touristen“ – „Nicht aus Jux und Dollerei“

Das extreme Unwetter in NRW hat für Zerstörung gesorgt und bereits Todesopfer gefordert. Hochwasser-Touristen sorgen jetzt für weiteren Ärger.

NRW – Starke Regenfälle haben in den vergangenen Tagen für massive Überflutungen in weiten Teilen von Nordrhein-Westfalen gesorgt. Die Lage ist auch nach dem Unwetter noch immer dramatisch. Es wurden bereits Tote gemeldet, viele Menschen werden außerdem noch vermisst. Tausende Helfer waren und sind noch immer im Einsatz – sogenannte Katastrophen-Touristen behindern sie dabei.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Nach massivem Unwetter in NRW: Hochwasser-Lage ist noch immer dramatisch

Von Polizei, Feuerwehr und anderen Helfenden wurde bereits mehrfach der Appell laut: Menschen, die die Möglichkeit haben, ihre Wohnungen zu verlassen oder sich in eine andere Etage zu begeben, um dort auf Rettung zu warten, sollten das unbedingt tun. Zu gefährlich sind die Hochwasser-Massen, die durch das Unwetter in NRW ausgelöst wurden.

Am Mittwoch (14. Juli) war ein 46-Jahre alter Feuerwehrmann in Altena im Märkischen Kreis ums Leben gekommen. Dem Mann war es gelungen eine Person zu retten, die ins Wasser gefallen war. Beim Wiedereinstieg ins Einsatzfahrzeug sei der Feuerwehrmann dann aber selbst in die Fluten gestürzt und abgetrieben worden. Wenig später wurde er tot geborgen.

Dramatische Szenen spielten sich auch auf der Ruhr in Mülheim ab. Ein Video, das bei Facebook kursiert, zeigt wie ein Schiff nach dem Unwetter vom Hochwasser verschluckt wurde. Trotz vieler solcher tragischen Vorfälle und mehreren bestätigten Todesfällen scheinen einige Menschen den Ernst der Lage trotzdem nicht erkannt zu haben.

NRW-Städte nach Unwetter total überflutet: Ärger über Katastrophen-Touristen in Altena

Denn offenbar gibt es vermehrt Personen, die in die Hochwasser- und Katastrophengebiete in NRW fahren, um sich vor Ort die Überflutungen und Zerstörungen anzuschauen. Die Polizei im stark betroffenen Märkischen Kreis machte ihrem Ärger darüber jetzt Luft.

„Weiterhin erreichen uns Hinweise über beiseite geräumte Absperrungen. Wir gehen weiter konsequent dagegen vor. Die Schilder stehen nicht aus ‚Jux und Dollerei‘ dort…“, heißt es in einem Facebook-Post der Polizei von Freitag (16. Juli). Hochwasser-Touristen seien unerwünscht und würden umgehend weggeschickt.

Zerstörung nach Unwetter wirklich so schlimm? Polizei schickt Schaulustige weg

Schaulustige sollten sich gar nicht erst auf den Weg in betroffene Gebiete machen. Altena sei auch weiterhin nicht oder nur sehr schwer erreichbar. Die Zufahrtswege müssten dringend freigehalten werden, so die Polizei weiter. „Wer dort reinfährt behindert die Rettungskräfte mit ihren schweren Geräten bei den Räumungsarbeiten! Das gilt auch für private Hilfskräfte.“

„Wenn wir Leute an den Absperrungen antreffen, schicken wir sie weg. Wir können sie da wirklich nicht gebrauchen“, sagte ein Sprecher der Polizei gegenüber der Rheinischen Post. Er vermutet, dass diese Leute neugierig seien. Manche würden rund 15 Straßen entfernt wohnen und wollten nun sehen, „ob es wirklich so schlimm ist“, so der Sprecher weiter (weitere aktuelle Nachrichten aus NRW bei RUHR24 lesen).

Ärger über Hochwasser-Touristen: Reul appelliert an die Bevölkerung

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) appellierte bei einer Pressekonferenz am Freitag an die Bevölkerung, von Hochwasser-Tourismus abzusehen. „Es sei jetzt keine Zeit für Besichtigungen“, so der Politiker in Düsseldorf.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich bei einer Pressekonferenz verärgert über sogenannte Katastrophen-Touristen.

„Bitte zu Hause bleiben und die Helfer nicht stören.“ Er könne zwar verstehen, dass Menschen wissen wollten, wie es in überschwemmten Teilen ihrer Stadt aussieht. „Aber das kann man ja alles noch später machen. Wir brauchen jetzt einfach Platz und Zeit und Raum“, so Reul weiter.

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