Nur wenig Hoffnung

NRW: Stadt kündigt 174 Bewohnern plötzlich die Wohnungen

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In Herten im Ruhrgebiet sollen über 170 Anwohner ihre Wohnungen für immer verlassen. Die Stadt schmeißt sie raus – was dahinter steckt.

Herten – Der Brief, den die Anwohner Mitte November dieses Jahres von der Stadt Herten (NRW) erhalten haben, muss einen regelrechten Schock in ihnen ausgelöst haben. Darin wurden sie darüber informiert, dass sie ab Juni 2022 nicht mehr in ihren Wohnungen leben dürfen. Verschiedene Medien berichteten von dem unangekündigten Rauswurf.

BundeslandNRW
RegionRuhrgebiet
StadtHerten

Skandal in NRW: 174 Menschen wohnen seit Jahren unerlaubt in Hertener Gewerbegebiet

Aber was genau steckt hinter der Maßnahme? In einem Gewerbegebiet im Hertener Stadtteil Westerholt leben zum Teil bereits seit mehreren Jahren Menschen in Mietwohnungen, in denen sie offenbar gar nicht wohnen dürfen. Seit den 60er-Jahren seien dort gewerblich genutzte Gebäude ohne Genehmigung zu Wohnungen umgewandelt worden, berichtet unter anderem RTL.

Eine Beschwerde brachte den Vorgang dann ins Rollen: Geschäftsleute klagten über spielende Kinder in dem Gewerbegebiet in Herten. Das Problem: In Gewerbegebieten ist das Wohnen eigentlich nur in Ausnahmefällen erlaubt. Diese können zum Beispiel für Hausmeister oder Inhaber eines Betriebs gelten.

Verzweiflung unter Anwohnern in Herten (NRW): Mieter werden 2022 vor die Tür gesetzt

Unter den insgesamt 174 Anwohnern macht sich nun Verzweiflung breit. Sie ahnten offenbar nichts davon, dass sie unerlaubterweise in dem Gewerbegebiet wohnen. Die Stadt Herten will mit den Mietern jetzt aber kurzen Prozess machen. Bis zum nächsten Sommer sollen die Mieter ihre Wohnungen in Westerholt verlassen und sich ein neues Zuhause suchen (mehr News aus dem Ruhrgebiet bei RUHR24 lesen).

„Wir waren geschockt“, sagte eine der Mieterinnen gegenüber RTL. Schon seit neun Jahren lebe die Familie hier. „Damit haben wir nie gerechnet. Wir haben uns das noch schön gemacht, jetzt in der Pandemie, den Garten schön gemacht, so wie wir es immer wollten. Ihre Tochter sei dort geboren und groß geworden.

Stadt Herten nimmt Stellung: Verwaltung will alle Optionen für Mieter prüfen

Die Stadt Herten hat derweil eine Stellungnahme zu der geplanten Maßnahme veröffentlicht. „Ich kann die Sorgen und das Unverständnis der betroffenen Mieterinnen und Mieter und Teilen der Bevölkerung absolut nachvollziehen“, heißt es darin von Bürgermeister Matthias Müller.

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Zurzeit sei man mit einem ernsten Thema konfrontiert. „174 Menschen haben eine Anhörung erhalten, weil sie in einem Gebiet leben, das als reines Gewerbegebiet ausgezeichnet und das Wohnen dort deshalb nicht rechtmäßig ist.“ Die Verwaltung wolle jedoch alle Optionen für die Betroffenen prüfen, allerdings könnten die „vorhandenen Gegebenheiten in diesem Gewerbegebiet nicht ohne weiteres durch eine Änderung des Bebauungsplanes verändert werden.“

Ganz ohne Hoffnung lässt die Stadt Herten die 174 Anwohner jedoch nicht zurück. So sei dem Bürgermeister sehr daran gelegen, eine für alle sozialverträgliche Lösung der Situation zu finden. Dass die Menschen möglicherweise doch in ihren Wohnungen bleiben könnten, scheint jedoch ausgeschlossen. In der Mitteilung heißt es weiter, dass man „bei der Festlegung des Auszugstermins die persönlichen Verhältnisse“ berücksichtigen wolle.

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