Ein Quadratmeter in fünf Minuten

Sensation in NRW: Erstes Haus aus dem 3D-Drucker ist fertig

Einweihungsfeier Wohnhaus aus dem 3D-Drucker
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Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, spricht bei der Einweihungsfeier vor dem 3D-Druckhaus.

Es ist wohl der penibelste Maurer, der hier sein Werk verrichtet hat: ein 3D-Drucker. Er schichtete unermüdlich Spezial-Beton aufeinander, bis ein komplettes Haus in NRW stand.

Beckum – Schicht für Schicht wie bei einer Torte trägt der 3D-Drucker einen speziellen Beton auf. Nach sehr vielen Schichten und einer Menge Beton ist es dann fertig: Das erste Haus aus dem 3D-Drucker steht nun in Deutschland und ist bezugsfertig. Häuser dieser Art sollen den Weg in die Zukunft weisen.

Haus aus dem 3D-Drucker: Erstes Exemplar mit 160 Quadratmetern steht in NRW

Es bietet 160 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen und kommt komplett aus einem 3D-Drucker. Bei der Eröffnung in Beckum (NRW) war auch Nordrhein-Westfalens Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) anwesend und lobte das Projekt (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Das neue Bauverfahren verspreche Zeitgewinn und eine „Verschlankung der Bauabläufe“. Dies sei vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Branche ein entscheidender Vorteil. Zudem könnten bisher besonders aufwendige Formen wie Rundungen leichter umgesetzt werden.

Das erste Haus aus dem 3D-Drucker steht in NRW.
Mit der neuen Druck-Technik sind aufwendige Formen wie Rundungen kein Problem mehr.

NRW: 3D-Drucker druckt Haus – Mitarbeiter schauen zu

Beim Bau trägt der 3D-Drucker aus einer Düse Spezialmörtel und Beton digital gesteuert in jeweils zentimeterdicken Schichten auf. Der Drucker sei flexibel einsetzbar und schneller, weil nicht mehr Stein auf Stein gesetzt werden müsse. Der Drucker schaffe einen Quadratmeter in fünf Minuten, so das Ministerium.

Da im Schichtbetrieb gearbeitet werden kann, könne zudem die Bauzeit verkürzt werden. Waldemar Korte, Architekt aus Beckum, erklärte dem WDR im vergangenen Jahr, dass lediglich zwei Mitarbeiter den Druck begleiten müssten. „Aber das ist eigentlich mehr schauen, was macht der Drucker, als wirklich was zu tun.“

Auch im Inneren des Hauses kann man die einzelnen Schichten des Beton-Drucks gut erkennen.
Das erste Haus aus dem 3D-Drucker steht in NRW.

Erstes Haus aus dem 3D-Drucker steht in NRW: Beispielgebend für die gesamte Branche

Ein dritter Mitarbeiter könnte während der 3D-Drucker sein Werk verrichtet, schon Elektroinstallationsdosen setzen oder andere Arbeiten verrichten. „Nebengewerke, die eigentlich im Nachgang kommen würden, können während des Druckprozesses implementiert werden.“ Das spart Zeit.

NRW hat das Projekt nach Einzelprüfungen genehmigt und es mit knapp 200.000 Euro gefördert. „Jetzt gilt es, Erfahrungen mit dem Bauwerk zu sammeln und den Herstellungsprozess auf dem Markt zu etablieren, denn nur mehr Wohnraum sorgt für günstige Mieten“, sagte Scharrenbach. Das Landesministerium erhofft sich von dem Projekt Erfahrungen, die beispielgebend für die gesamte Baubranche sein dürften. In mehreren anderen Ländern, etwa in den USA oder Belgien, stehen bereits Gebäude aus dem Drucker.