Infektionsrisiko im Kindergarten

Erhöhtes Risiko nach Öffnung: Gewerkschaft in NRW fordert flächendeckende Coronavirus-Tests in Kitas

Noch immer ist nicht ganz klar, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Dennoch kehren viele Kinder nun in die Kitas zurück.

  • In NRW öffnen Kitas am 8. Juni wieder für alle Kinder.
  • Welche Rolle Kinder für das Infektionsgeschehen spielen, ist bislang unsicher.
  • Die Gewerkschaft fordert deshalb, Mitarbeiter in Kitas flächendeckend auf das Coronavirus zu testen.

NRW - Bisher scheinen Kinder seltener schwer an Covid - 19 (mehr zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker) zu erkranken. Doch das heißt nicht, dass sie das Virus nicht in sich tragen können. Ob und wie stark sie zu der Verbreitung des Coronavirus beitragen ist noch nicht ganz geklärt. Trotzdem kehren viele von ihnen schon bald in ihre Kitas zurück - und damit auch zu ihren Erziehern.

Bundesland

NRW

Landeshauptstadt

Düsseldorf

Bevölkerung

17,93 Millionen (2019)

Größte Stadt

Köln

Kinder in Kindertageseinrichtungen

615.047 (März 2019)

Infizierte

37.522 (27. Mai 2020)

Coronavirus: In NRW öffnen Kitas wieder

Ob mit leichten oder keinen Symptomen: Ist ein Mensch mit dem Coronavirus infiziert, kann er andere anstecken. Das gilt für Erwachsene, aber vermutlich auch für Kinder. Tatsächlich unterscheidet sich die Viruslast in den Atemwegen zwischen Kindern und Erwachsenen laut Analysen einer Forschergruppe rund um den Virologen Christian Drosten an der Berliner Charité nicht.

Viele Wissenschaftler warnen aufgrund dieser Ergebnisse vor einer Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland. Nach einem Bericht des Ärzteblatts sei es gut möglich, dass Kin­der ebenso ansteckend seien wie Erwachsene. Zwar kommen Ärzte und Wissenschaftler laut der Süddeutschen Zeitung auch zu dem Ergebnis, dass sich Klein- und Schulkinder deutlich seltener selbst mit dem neuen Coronavirus anstecken, an einen Erwachsenen könne infizierte Kinder das Virus dennoch schnell weitergeben. 

Coronavirus: Ansteckungsgefahr in Kitas unklar

Letztendlich ist vor allem klar, das vieles noch sehr unklar ist. Trotzdem treffen in den nächsten Wochen wieder sehr viele Kinder und Erwachsene neu aufeinander. Nämlich dann, wenn die Kitas am 28. Mai zunächst für alle Vorschulkinder öffnen und am 8. Juni sogar für Kindergartenkinder aller Altersklassen. 

Schon am 15. Mai, als die Notbetreuung in den Kitas ausgeweitet wurde, forderte die Gewerkschaft ver.di daher, flächendeckende Tests auf das Coronavirus für alle Kita-Mitarbeiter. Auch mit einer weiteren Öffnung habe sich daran nichts geändert, so Lisa Isabell Wiese, Pressesprecherin bei ver.di. In Dortmund mahnt ver.di laut Ruhr Nachrichten flächendeckende Tests für das pädagogische und das hauswirtschaftliche Personal in alles städtischen Kitas (Fabido) an.

Öffnung der Kitas in Zeiten des Coronavirus erfordert besonderen Gesundheitsschutz der Mitarbeiter

Aus der voranschreitenden Öffnung der Kitas ergebe sich laut ver.di eine "besondere Verantwortung den Beschäftigten gegenüber, den Gesundheitsschutz neu zu bewerten", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Der Schutz ist schwieriger umzusetzen, da Kinder Abstandsregelungen nicht wie Erwachsene befolgen, in den Einrichtungen kaum Nasen-Mund-Schutz getragen wird und Hygienematerialien nicht überall ausreichend vorhanden sind", so Gabriele Schmidt, Landesbezirksleiterin ver.di NRW.

Nähe zwischen Erziehern und Kindern: Beim Vorlesen und Trösten gehört das in Kitas dazu.

Eine dünne Personaldecke führe außerdem dazu, dass unter Umständen auch Erzieher eingesetzt würden, die eigentlich zu der Risikogruppe gehörten. Kontinuierlich durchgeführte Coronavirus-Tests seien daher wichtig, um den Infektionsschutz zu erhöhen. Infektionsverläufe würden schneller erkannt und auf Infektionen könnte schneller reagiert werden. Außerdem gäben die Tests "Kita-Beschäftigten auch Gewissheit über ihren gesundheitlichen Zustand", heißt s in der Ver.di Mitteilung weiter.

Coronavirus-Studie in Düsseldorf: Infektionsgeschehen in Kitas

Passend zu der Forderung der Gewerkschaft läuft in Düsseldorf eine virologische Studie zum Corona-Infektionsrisiko, welche vier Wochen lang das Infektionsgeschehen in Betreuungsgruppen von Kindertageseinrichtungen regelmäßig untersuchen soll. Ziel der Studie ist es, Hinweise darauf zu gewinnen, wie groß die Rolle von Kindern bei der Verbreitung des Coronavirus ist.

Die Studie der Uniklinik Düsseldorf und der Stadt Düsseldorf wird vom Familienministerium begleitet und soll laut NRW-Landesregierung dabei helfen, die "Dynamik des Infektionsgeschehens noch besser zu verstehen, damit wir die Ausbreitung des Virus so gut wie möglich eindämmen können".

In Düsseldorf können sich Familien und Mitarbeiter aus Kitas freiwillig an der Studie beteiligen. Die Testreihe sieht vor, dass ab dem 10. Juni rund 5.000 Kinder und Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen regelmäßig, also wöchentlich, Speichelproben in ihrer Kita abgeben. Eine Auswertung der Ergebnisse aus Düsseldorf wird für Juli erwartet.

Rubriklistenbild: © dpa/obs RKB Karosseriewerk GmbH

Mehr zum Thema