Gaskrise

NRW: Evonik-Boss will lieber Gas für Industrie als für Privathaushalte

Der Angriffskrieg in der Ukraine sorgt mit seinen Sanktionen gegen Russland für eine Gasknappheit in Deutschland. Es gibt Spekulationen, wie der Winter aussehen könnte.

NRW – „Wir zahlen jetzt den Preis für unserer Solidarität mit der Ukraine.“ Christian Kullmann ist Chef der Chemiefirma Evonik und Präsident vom Chemieverband VCI. Er findet deutliche Worte für die Gasknappheit in Deutschland. Im Fall eines kompletten Gasembargos, weil Russland den Gas-Hahn abdreht, rechnet er mit einem Herzinfarkt der deutschen Wirtschaft, wie er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt.

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Start24. Februar 2022

NRW: Evonik-Chef zur Gasknappheit – „Ohne Chemie steht das Leben still“

Für den Erhalt einer stabilen Wirtschaft sei Gas noch immens wichtig. Man sei zwar dabei, viele Prozesse auf Elektroantrieb umzustellen, sei aber noch am Anfang der Energiewende. Gas ist auch wichtig für den Wirtschaftszweig Chemie, ohne den das Land still stehen würde, wie Kullmann meint. Chemie würde laut ihm für 90 Prozent der Produktionsprozesse gebraucht (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Eine komplette Gaskrise im Winter würde als Folge nicht nur eine Wirtschafts-, sondern auch eine gesellschaftliche Krise bedeuten. Um so ein Szenario zu verhindern, arbeitete man gemeinsam mit Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) und der Bundesnetzagentur an Notfallplänen. Insgesamt hätte die Politik aber eher handeln müssen, meint Kullmann. Um Gas zu sparen, kann jeder von uns aktiv werden. Ein Professor aus NRW gibt Tipps.

Evonik-Chef zur Gasknappheit in NRW: „Chemie in weiten Teilen nicht systemrelevant“

Obwohl die Chemie so wichtig für die Wirtschaft ist, sei sie in weiten Teilen nicht systemrelevant. Andere Industriezweige dagegen seien zum Teil wichtiger als das Wohl von privaten Haushalten. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung meint Kullmann:

„Die Sicherung der Arbeitsplätze und damit das Einkommen für die Familien ist sehr wichtig. Sie steht für die Gesellschaft höher als die vollständige Sicherstellung der privaten Gasversorgung. Was nützt es, wenn die Haushalte zwar weiter Gas bekämen, es aber nicht mehr bezahlen könnten?“

NRW: Gasknappheit belastet die Wirtschaft – das sagt Bayer in Leverkusen

Ein großer Chemie- und Pharmakonzern in NRW ist Bayer in Leverkusen. RUHR24 hat den Konzern zur Gasknappheit angefragt. Hier die Antwort:

Deutschland droht eine Gas-Knappheit (Symbolfoto).

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir über mögliche Folgen einer sich weiter verschärfenden Gasmangellage nicht spekulieren möchten. Klar ist: Auch wir brauchen zuverlässigen und bezahlbaren Zugang zu verschiedenen Energieträgern, um Patienten und Landwirten sicher und kostengünstig mit Arzneimitteln und Produktionsmitteln für die Ernte zu versorgen.“

Weiter heißt es: „Wir arbeiten daher intensiv an der Sicherstellung der Versorgung unserer Standorte und analysieren alle Möglichkeiten zur Reduzierung unseres Erdgasbedarfes, um unseren Beitrag zur Sicherstellung der Erdgasversorgung in Deutschland zu leisten.“

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

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