Nackte Brüste

NRW-Freibad erlaubt schwimmen ohne Bikini - Dortmunder Regel überrascht

Zum Start in die heißen Wochen des Sommers gibt es in vielen Orten in NRW Streit um die Kleiderordnung in Bädern. Zwei Orte haben sich entschieden.

NRW – Ein Streit um das Baden ohne Oberteil beschäftigt viele Städte in Nordrhein-Westfalen. Vorausgegangen war eine heftige Debatte im niedersächsischen Göttingen, weil dort eine nicht-binäre Person mit nackten Brüsten schwimmen gegangen war (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Stadt: Göttingen
Bundesland:Niedersachsen
Bevölkerung:118.914 (2016)

Göttingen erlaubt schwimmen „oben ohne“ – Stadt aus NRW zieht nach

Seit dem 1. Mai dürfen alle Menschen in den städtischen Schwimmbädern in Göttingen ohne Bikini-Oberteil baden gehen – zumindest an festgelegten Tagen. Vorausgegangen war ein heftiger Streit, weil eine Person, die sich weder als Mann noch als Frau definiert, ohne Oberteil schwimmen gegangen war und von den Angestellten des Bades rausgeworfen wurde, wie unter anderem der WDR berichtet.

Der Fall löste eine Kettenreaktion aus. Von dem Hausverbot bekam nämlich auch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Göttingen mit. Die Stadt erlaubte das Schwimmen oben ohne, wenn auch nur am Wochenende. Die Volt-Partei in Siegen bekam das Go für das Schwimmen ohne Bikini-Oberteil in Göttingen mit und reichte einen entsprechenden Antrag beim Rat in Siegen ein. Der Antrag wurde tatsächlich mehrheitlich angenommen, wie unter anderem bild.de berichtet.

NRW: Schwimmen nur im Höschen? In Siegen bald offiziell erlaubt

Laut dem Rat der Stadt Siegen ist es erforderlich, mit der Veränderung der Kleiderordnung „die primären Geschlechtsmerkmale zu bedecken“. Da reiche auch ein Höschen. Ab wann das Baden ohne Oberteil offiziell in Siegen erlaubt ist, steht noch nicht fest. Es werde aber schon geduldet, bis die Badeordnung überarbeitet ist.

Der Volt-Antrag im Siegener Rat bekam besonders Unterstützung von der SPD und den Grünen. Ein Teil der Gesellschaft würde sich eine Veränderung wünschen. Deshalb sollte das Baden oben ohne genauso erlaubt sein, wie das Baden in Burkini.

Frauen sollen in Siegen die Oberteile in Zukunft weglassen dürfen.

NRW: Debatte um Formulierung in Bäderordnung – war das oben ohne Baden je verboten?

In NRW-Städten wird die Regelung gehandhabt. Häufig steht in der Bäderordnung der entsprechenden Stadt erst mal nur, dass Baden ist in „üblicher Badekleidung“ erlaubt ist, ohne das genauer zu definieren. Die Bad-Betreiber legen diese Formulierung final oft unterschiedlich aus. Auch in Dortmund scheint es darüber Unklarheit zu geben.

Dortmund: Ohne Oberteil baden – „früher war das normal“

Der WDR berichtet darüber, dass in Dortmund das Sonnen auf der Liegewiese mit nackten Brüsten geduldet sei. Im Wasser sähe es anders aus. Die Ruhr Nachrichten dagegen schreiben, dass es in der Bäderordnung Spielraum gäbe. Viele Bäder in Dortmund werden von der Sportwelt GmbH betrieben. Hier heiße es in der Kleiderordnung für Schwimmbäder:

“Die Badegäste haben alles zu unterlassen, was den guten Sitten sowie der Aufrechterhaltung der Sicherheit, Ruhe und Ordnung zuwiderläuft. Sexuelle Handlungen und Darstellungen sind verboten“. Für das Wasser gelte wieder einmal die übliche Badekleidung

Ist die Badeordnung in Schwimmbädern noch zeitgemäß? Diese Frage stellen sich momentan viele Städte, Betreiber und Politiker.

Auf Nachfrage der Ruhr Nachrichten meinte der Geschäftsführer von Sportwelt, dass es nie ein allgemeines Verbot gab und jeder, der es will, es auch machen dürfe. Früher sei das Schwimmen ohne Oberteil ganz normal gewesen.

Bademode veränderte sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder

Im Laufe der Geschichte hat die Bademode insbesondere von Frauen sich immer wieder verändert. Im 19. Jahrhundert war es noch üblich, in langen Gewändern bloß die Füße ins kühle Nass zu halten. Ende des 19. Jahrhunderts dann wurde die Bademode schon kürzer und zweckmäßiger, wie der NDR schreibt.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde noch mithilfe solcher Badewagen „geschwommen“. Die Bademode war viel länger als heute üblich.

Doch erst im 20. Jahrhundert verschwand der schwere Stoff für Frauen. Nun waren leichte Baumwoll-Anzüge mit kurzen Hosen erlaubt. Auch Nacktbaden wird populärer. Allerdings geht Deutschland in den 30er-Jahren einen Schritt zurück und sorgt mit dem sogenannten „Zwickelerlass“ dafür, dass die Badeanzüge nicht zu kurz werden. 1946 dann empört der Bikini und revolutioniert gemeinsam mit dem neuen Nylon-Stoff die Bademode der Frau.

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