Dramatische Prognosen

Forscher sehen beim Fachkräftemangel schwarz für eine Stadt in NRW

Der Fachkräftemangel wird ein immer größeres Problem für Unternehmen in NRW. Eine Stadt trifft es besonders hart, wenn die Babyboomer in Rente gehen.

Dortmund – Wie die IHK mitteilt, fehlen in NRW bereits über 400.000 Fachkräfte. Forscher erwarten in den nächsten 10 Jahren nochmal einen drastischen Anstieg, wenn die sogenannten „Babyboomer“ in Rente gehen. Es kommen immer weniger junge Leute im erwerbsfähigen Alter nach. Besonders groß ist diese Lücke zwischen Alt und Jung in Essen.

NRW-Stadt leidet besonders stark unter dem Renteneintritt der Babyboomer

Bei einer Analyse der Alterststruktur der 15 größten deutschen Städte, schnitt eine Stadt besonders schlecht ab. Essen verzeichnet die größte Nachwuchslücke. Fast ein Drittel der Stellen bleibt hier frei, wenn die älteren Generationen in Rente gehen. Es fehlt an jungen Leuten, um die Fachkräfte der geburtenstarken 1960er-Jahrgänge auszugleichen. Auf rund 83.000 „Babyboomer“ kommen nur rund 58.000 junge Nachrücker.

Köln schneidet in NRW laut der Statistik am besten ab. Der fehlende Nachwuchs sollte hier zu einem nicht allzu großen Problem werden. Auf knapp 140.000 erwerbsfähige Kölner über 55 Jahre kommen 115.000 Nachrücker unter 25 Jahre. Die Lücke ist in der Stadt am Rhein damit anteilig gesehen (18 Prozent) wesentlich kleiner als in Essen (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Deutschlandweit boomen die wirtschaftsstarken Regionen wie München oder Stuttgart. Fachkräfte werden zwar auch hier gesucht, aber nicht im selben Ausmaß wie im Ruhrgebiet. Denn die ehemalige Industrieregion kämpft nach wie vor mit dem Strukturwandel.

Fachkräftemangel: In diesen Branchen ist der Kampf um neue Mitarbeiter besonders groß

Besonders gefragt seien in den nächsten 10 Jahren laut Business Insider Manager, Forscher, Ingenieure, Ärzte, Pfleger und medizinische Assistenten. Gerade der Fachkräftemangel in der Pflege ist seit der Corona-Pandemie ein großes Thema. NRW versucht deshalb ausländische Pfleger mit einem hohen Geldbetrag zu locken.

Problematisch sei laut der IHK vor allem der Trend, dass junge Menschen heutzutage lieber ein Studium anfangen anstelle einer Ausbildung. Das bekommt die Handwerksbranche aktuell schon deutlich zu spüren. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fehlen derzeit bundesweit 250.000 Mitarbeiter im Handwerk. Das bedeutet für Betriebe eine Überlastung der Mitarbeiter und lange Wartezeiten für die Kunden.

In NRW fehlen bereits über 400.000 Fachkräfte.

Arbeitskräftemangel in NRW: Schule ist ein wichtiger Hebel, um Fachkräfte hervorzubringen

Das wichtigste Instrument, das dem Staat zur Verfügung steht, sei die Schule, wie ein Forscher aus Basel dem Business Insider erklärte. Je mehr Schüler ihren Abschluss schaffen, desto geringer solle der Fachkräftemangel in der Zukunft ausfallen. Doch Studien zeigen, dass die Leistungen der Schüler immer schlechter werden.

Aber es gebe noch weitere hilfreiche Maßnahmen. Für Menschen im Berufsleben sei eine „effektivere Weiterbildung“ erforderlich, die sie auf neue Jobs vorbereite. Denn mit der Digitalisierung würden sich viele Berufe verändern. Zusätzlich sollen ganz neue Berufsfelder entstehen.

Alexander Kubis vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nannte dem WDR gegenüber noch weitere Möglichkeiten zur Schadensverringerung. Es sei wichtig, Anreize zu schaffen, um die älteren Mitarbeiter über den Renteneintritt hinaus im Betrieb zu halten. Dennoch sei es nicht zu vermeiden, dass die bestehende Belegschaft ihre Produktivität steigern müsse.

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