Apotheker warnt

NRW: Drei Gründe, warum die Corona-Infektionen wieder massiv steigen werden

Die Corona-Fallzahlen in NRW sind zuletzt spürbar gesunken. Ein Apotheker ist sich sicher, dass damit bald Schluss ist. Das hat mehrere Gründe.

NRW – Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus gingen in Nordrhein-Westfalen zuletzt deutlich zurück. Lag die Sieben-Tage-Inzidenz am 9. Januar 2021 noch bei 154, ist der Wert bis zum 13. Februar auf 56,1 gesunken. Auf diesem Niveau scheint sich die Kennziffer einzupendeln. Aktuell weist das Landesgesundheitszentrum den Inzidenzwert in NRW mit 57,1 aus (Stand 18. Februar, 0 Uhr).

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
Regierende ParteienCDU und FDP
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)

Corona in NRW: Apotheker prognostiziert Anstieg der Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen

Thomas Preis, der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, warnte gegenüber der Rheinischen Post, dass aus der momentanen Seitwärtsbewegung bei den Corona-Fallzahlen in NRW in den kommenden Wochen ein steiler Anstieg wird. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Zum einen breiten sich die Mutationen aus. Während die britische Coronavirus-Mutation bereits vielerorts nachgewiesen wurde, hat es jüngst einen Ausbruch der südafrikanischen Corona-Variante in Duisburg gegeben. Beide Mutanten gelten als deutlich ansteckender als die lange dominante G-Variante, welche sich wohl von Norditalien aus weltweit verbreitete. Bei der südafrikanischen Variante bestehen zudem Unsicherheiten, wie wirksam die bisher zugelassenen Impfstoffe sind.

Bei der Sequenzierung von Proben werden immer häufiger mutierte Varianten des Coronavirus nachgewiesen.

Corona-Fallzahlen werden laut Apotheker steigen: Mutation, mehr Tests und erhöhter Pollenflug

Die Mutationen sind aber nicht der einzige Grund, warum Thomas Preis mit einem Anstieg der Corona-Fallzahlen in NRW rechnet. Die Ausweitung der Corona-Tests werde die Fallzahlen steigen lassen. Der Vorsitzende des Apothekerverbands begründet das mit der vermuteten hohen Dunkelziffer. „Wenn getestet wird, werden wir auch mehr Fälle haben“, sagte er der Rheinischen Post.

Ab dem 1. März sollen allen Bürgern in Deutschland kostenlose Corona-Schnelltests zur Verfügung stehen. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag (16. Februar) an. Die Kommunen könnten ihre Testzentren oder Apotheken mit der Durchführung der Tests beauftragen, so der CDU-Politiker. Mittlerweile seien ausreichend Schnelltests am Markt verfügbar, um sie allen anbieten zu können (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

In einem weiteren Schritt sollen dann Laien-Selbsttests, die jeder selbst vornehmen kann, hinzukommen. Eine entsprechende Zulassung befinde sich in der Mache. Schnelltests zum Mittel der Wahl in der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie zu machen, forderte Virologe Alexander Kekulé (62) schon länger. Über den Vorstoß des Gesundheitsministers zeigte er sich erfreut, Bedenken habe er auch bei den Selbsttests nicht.

Corona in NRW: Angekündigte Schnelltests für alle werden Zahlen rasant steigen lassen

„Man kann das lernen wie Zähneputzen. In Österreich ist der Gurgeltest Standard und das kann im wahrsten Sinne des Wortes wirklich jedes Kind“, so der 62-Jährige in seinem MDR-Podcast. „Sogar bei den Antigen-Tests gibt es inzwischen auch aus Deutschland mehrere Studien, die das belegen. Menschen, die nicht Medizin studiert haben, sind trotzdem in der Lage vor dem Spiegel mit einem Wattetupfer etwas Schleim hinten aus dem Rachen zu holen.“

Alexander Kekulé ist sich sicher, dass die Menschen die Selbsttests zum größten Teil vernünftig nutzen werden. Dabei soll es laut dem Virologen aber stets die Einschränkung geben, dass Risikopatienten nicht mit einem Schnelltest geschützt werden. In Altenheimen etwa sollten die Bewohner und Pflegekräfte weiterhin mit der genaueren PCR-Methode getestet werden.

Neben den zunehmenden Tests auf das Coronavirus soll laut Thomas Preis auch die Jahreszeit dafür sorgen, dass die Corona-Fallzahlen in NRW steigen werden. Im Frühjahr werde der Pollenflug verstärkt einsetzen. Das führe zu allergischen Reaktionen, die fälschlicherweise für Covid-Symptome gehalten werden. Das wiederum könne die Zahl der Corona-Tests und letztlich die Fallzahlen in die Höhe treiben. Mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa, LZG NRW; Collage: RUHR24

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