Entwicklung der Fallzahlen

NRW-Virologe Hendrik Streeck sagt Corona-Trendwende voraus – das verraten Inzidenz und R-Wert

Die Corona-Infektionszahlen steigen unaufhörlich. Umso überraschender klingt eine Aussage des Virologen Hendrik Streeck, der eine Trendwende in der Pandemie erkennen will.

NRW/Bonn – Die vierte Corona-Welle rollt mächtig und bedrohlich über Deutschland hinweg. Seit Beginn der kalten Jahreszeit kletterte die Inzidenz in einigen Regionen in bisher unerreichte Rekordhöhen. Besonders Sachsen und Bayern ächzen unter Inzidenzen von über 1000. Und auch in NRW sind die Zahlen erschreckend hoch. Doch es scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Das zumindest will der NRW-Virologe Hendrik Streeck erkannt haben.

VirusCoronavirus/Sars-Cov-2
Wichtige Kennwerte7-Tages-Inzidenz, R-Wert, Hospitalisierungsrate
VirusvariantenDelta, Omikron, Alpha, Beta, Gamma

Trendwende in der Corona-Pandemie: NRW-Virologe sieht Grund zur Hoffnung

Am Dienstag (30. November) verzeichnete das RKI für NRW eine Inzidenz von 285,9. Eine Woche zuvor lag dieser Wert noch bei 260,4. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst kündigt bereits eine Verschärfung der Corona-Regeln an. Und auch die Städte melden bislang keine Entwarnung. Im Gegenteil. In Dortmund erreichte die Corona-Inzidenz mit 266,6 am selben Tag ebenfalls einen neuen Höchststand. Und auch in der Landeshauptstadt Düsseldorf steigen die Zahlen weiter. Zuletzt auf eine Inzidenz von 316,6 (Stand 30. November).

Doch den Höchstwert überschritt NRW offenbar am Samstag (27. November) mit 296,7. Und auch auf Bundesebene ist das erste Mal seit Wochen ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Wie die tagesschau berichtet, lag die Inzidenz am Dienstag (30. November) mit 452,2 erstmals leicht hinter dem Vortageswert zurück (452,4).

Allerdings erscheint der Rückgang um 0,2 Punkte zu fragil, um daraus eine echte Trendwende für die Corona-Pandemie abzuleiten. Doch genau das will der Chef der Virologie der Uniklink Bonn (NRW), Hendrik Streeck, nun erkannt haben. Allerdings anhand eines anderen Wertes.

Virologe aus NRW zu Corona: Sinkender R-Wert könnte Trendwende einläuten

Es gebe Grund zur vorsichtigen Hoffnung, berichtet RND in Bezug auf ein Statement des Virologen aus NRW. Zwar würden die Corona-Fallzahlen weiter steigen, doch das Wachstum des Anstiegs würde sich verlangsamen. Denn: „Wenn man sich den R-Wert anschaut, sehen wir schon seit einigen Tagen einen dauerhaften Rückgang“, so Streeck. Das sei ein sehr gutes Zeichen.

Der R-Wert gibt an, wie viele andere Menschen ein infizierter Mensch ansteckt. Sinkt der Wert unter 1, sinken die Fallzahlen, statt dass sie weiter steigen. Aktuell liegt der R-Wert zum Coronavirus in Deutschland laut RKI bei 0,9. Vor zwei Wochen, am 16. November, lag dieser noch bei 1,18 – also deutlich höher.

Doch im Gegensatz zum nordrhein-westfälischen Virologen Streeck gibt sich Christian Drosten weiter zurückhaltend. Laut BR24 sprach der Institutsdirektor an der Charité in Berlin zuletzt von einer „unwägbaren Situation“.

Keiner kann im Moment sagen, was da auf uns zukommt. Das einzige, was man wirklich mit Sicherheit sagen kann, ist: Es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist.

Christian Drosten im ZDF-Heute Journal

Der R-Wert, so Drosten, müsse auf 0,7 gesenkt werden, um absehbar die Fallzahlen so stark zu senken, dass beispielsweise eine Entspannung auf den Intensivstationen herbeigeführt werden könne. Ob das mit 2G oder 3G erreicht werden kann, sei kaum vorhersehbar. Und auch die neu aufgetretene Virusvariante Omikron bereitet dem Virologen ziemliche Sorgen: „Keiner kann sagen, was da auf uns zukommt“, so Drosten laut im Heute Journal.

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Corona: Neue Virusvariante Omikron führt zu einer „unwägbaren“ Situation

Folgt man Christian Drosten ist es also eher Ungewissheit als Hoffnung, die sich derzeit breit macht. Ähnlich beschreibt auch der Virologe Alexander Kekulé die Lage. In einem Tweet äußert er den Verdacht, dass die neue Virusvariante aus Südafrika erneut deutlich ansteckender sein könnte, als bisherige Varianten. Doch klar sei das noch lange nicht (mehr News zur Corona-Pandemie in NRW auf RUHR24).

„Vielleicht können wir in drei Wochen Entwarnung geben“, so der Hallenser Virologe gegenüber ntv. Bislang wurden in NRW erst einzelne Verdachtsfälle von Omikron gemeldet. Wie sich die Variante des Coronavirus ausbreitet und wie sie sich auf den Verlauf der Pandemie auswirkt, wird sich also erst noch zeigen.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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