Corona-Schutzmaßnahmen

Über 90 Millionen Euro für Luftfilter an NRW-Schulen – aber es gibt mehrere Haken

Was lange auf sich warten ließ, ist in NRW nun beschlossen: Bund und Land haben nun weitere Millionen Euro für Luftfilter an Kitas un Schulen locker gemacht.

NRW – Seit geraumer Zeit fordern Gewerkschaften, Lehrer, Verbände und Eltern Luftfilteranlagen für Schulen und Kitas. Nicht als Ersatz, aber als Ergänzung zum Lüften – als zusätzlichen Schutz vor Corona. Eineinhalb Wochen nach Schulbeginn bringt das Land NRW das „Corona-Lüftungsprogramm II“ auf den Weg und macht damit weitere Millionen locker.

VirusCoronavirus/Sars-Cov-2
Schutzmaßnahmen an Schulen bisherAHA-Regeln, Hygienekonzepte, Lüften
durch Förderung zusätzlich möglichLuftfilteranlagen mit HEPA 13-Filter und/oder UV-C-Technik

Schulen in NRW: Bund und Land geben Fördermittel für Luftfilteranlagen frei

Das Programm folgt dem Sonderprogramm I des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2020. Damit wurden bereits 5.500 Räume in Schulen und in Sporthallen entweder mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausgestattet oder durch einfache bauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Lüftbarkeit umgebaut.

Auch wenn sie das Lüften nicht ersetzen können: Luftfilteranlagen können helfen. Das bestätigte auch das Umweltbundesamt (UBA) nun noch einmal. „Wo nicht ausreichend gelüftet werden kann, können Luftreiniger helfen, die Virenlast zu minimieren“, so Heinz-Jörn Moriske vom UBA laut einem Bericht des WDR.

Aber warum fließen die weiteren Fördermittel für die Luftfilter erst jetzt, wo besonders Schulen doch besser während der Sommerferien mit den Anlagen hätten ausgestattet werden können?

Bereits im Juli hatten sich Bund und Länder auf eine gemeinsame Förderung der Luftreinigungsanlagen einigen können. 90,4 Millionen Euro sollten den Schulen und Kitas in NRW zur Verfügung gestellt werden. Und viele fragten sich: Kommen die Luftfilter noch pünktlich zum Schulstart in den Klassenräumen an?

Mit dem Geld hätten laut WDR Schulen und Kitas einfache bauliche Anpassungen und die Geräte finanzieren können. Doch auch zum Ende der Ferien waren Schulen in NRW noch immer nicht flächendeckend mit Luftfilteranlagen ausgestattet.

Luftfilter an Schulen in NRW: Fördermittel können nun beantragt werden

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in NRW, erklärte Anfang August: „Wir wären unterschriftsreif“. Doch das zuständige Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) sei noch nicht so weit gewesen.

Auch die Vorgaben für die baulichen Maßnahmen und die anzuschaffenden Geräte mussten zunächst erstellt werden, denn nicht alle Luftreiniger schützen wirklich vor einer Corona-Infektion.

Mützen und Jacken im Unterricht: Das regelmäßige Lüften in Schulen lässt die Temperaturen im Winter in den Klassenräumen fallen.

Erschwerend kam außerdem hinzu, dass lange keine Einigkeit darüber herrschte, ob die Luftfilter in Klassenräumen überhaupt sinnvoll seien oder sogar nachteilig. In Dortmund befürchtete man gar einen „psychologischen Effekt“, sollten Luftfilter in Klassenräumen aufgestellt werden: Lehrer und Schüler könnten sich zu sicher fühlen und weniger lüften.

Doch nun gibt es Gewissheit: Luftfilter können helfen, das Infektionsrisiko mit Corona weiter zu verringern. Und so stehen seit Freitag (27. August) alle Zeichen auf Grün: Seitdem können Kommunen und Träger Förderanträge für mobile Luftreinigungsgeräte stellen. Damit ist das Lüftungsprogramm in NRW startklar.

Luftfilter an Schulen: NRW stellt 90,4 Millionen Euro bereit

Doch es gibt wie immer einen Haken: Förderfähig durch die 90,4 Millionen Euro in NRW sind nur Geräte, welche in Räumen mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit eingesetzt werden sollen. Schulen und auch Kitas können Fördermittel beantragen und sie für bauliche Anpassungen sowie für mobile Luftreinigungsgeräte mit Filtertechnologie (HEPA 13) oder mit UV-C-Technik, oder für Kombinationsgeräte die beiden Verfahren nutzen, einsetzen.

Die Vorgaben besagen weiterhin, dass der „stündliche Mindestvolumenstrom“ dem 4-fachen Raumvolumen entsprechen muss. Die Filter müssen also in einer Stunde das vierfache der gesamten Raumluft austauschen können – und dabei möglichst leise sein. Auch dafür gibt es genaue Vorgaben.

Und: Jedes Gerät und jede bauliche Maßnahme wird mit höchstens mit 4.000 Euro gefördert. Zusätzlich wird für jedes geförderte Luftreinigungsgerät eine Pauschale von 500 Euro für Betrieb und Wartung gewährt, diese Pauschale gibt es allerdings nur einmal.

Doch auch jetzt sei es nicht das Ziel, die Geräte flächendeckend anzuschaffen, erklärt Moriske laut WDR. Richtig zu lüften, so wie im vergangenen Schuljahr auch, nämlich alle 20 Minuten Stoßlüften für 5 Minuten, sei effizienter und wichtiger. Auch dort, wo demnächst Luftfilter stehen, muss weiter gelüftet werden.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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