Coronavirus

NRW: Ministerium mit Fehlplanung – Schulen müssen Corona-Tests bunkern

Regelmäßige Corona-Tests an Schulen sind ein wichtiger Eckpfeiler der Pandemie-Maßnahmen. Doch jetzt läuft ein Vertrag für NRW aus, über den Schulen mit Selbsttests versorgt werden.

NRW – Die Corona-Lage erinnert an den Herbst des vergangenen Jahres: Die Fallzahlen steigen, die nächste Corona-Welle rollt. Doch das Land wirkt schlecht vorbereitet. Denn obwohl erwartbar war, dass mit Beginn der kalten Jahreszeit die Fallzahlen steigen, läuft ausgerechnet jetzt der Liefervertrag für die Versorgung der Schulen mit Antigen-Selbsttests aus. Wie RUHR24* weiß, müssen Schulen deshalb nun ihre Lager auffüllen.

LandNordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,9 Millionen (2021)
Inzidenz130 (9. November)

Corona-Tests an Schulen in NRW: Inzidenz steigt auf Höchstwert

Seit Tagen klettern die Corona-Fallzahlen von einem Höchststand zum nächsten. Den bundesweit aktuellen Höchstwert erreichte die 7-Tages-Inzidenz am Dienstag (9. November) mit 213,7. Wie das RKI vermeldet, verdoppelte sich der Wert damit innerhalb einer Woche. Innerhalb von 24 Stunden starben 169 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion.

Und auch in NRW steigen die Zahlen weiter dramatisch* auf inzwischen 130 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen (Stand 9. November). Auch, wenn immer mehr Erwachsene – und nun langsam auch einige Kinder und Jugendliche – vollständig gegen das Virus geimpft sind, kommt dieser Anstieg nicht unerwartet.

Dass erneut eine herbstliche Corona-Welle über das Land rollt, daran konnte die nun verfügbare Impfung gegen das Coronavirus offenbar nichts ändern. Denn auch wenn die Impfquote in NRW* laut RKI bei immerhin 70,6 (Gesamtbevölkerung) bzw. 85,4 (Erwachsene) liegt, ist die Quote offenbar noch deutlich zu niedrig, um endlich einen Schlussstrich unter die Pandemie ziehen zu können.

NRW: Corona-Tests an Schulen sollen helfen, Infektionen früh zu erkennen

Das RKI sieht die „noch immer große Zahl“ ungeimpfter Menschen, als auch die Zunahme von Kontakten in Innenräumen als Schlüsselfaktoren für den Anstieg der Inzidenz. Gleichzeitig wurde die Maskenpflicht an Schulen in NRW gelockert*. Und so warnte das RKI bereits Anfang Oktober vor steigenden Corona-Fallzahlen im Herbst. Und tatsächlich: Wie bereits im vergangenen Jahr kann etwa seit Mitte Oktober ein erneuter, steiler Anstieg der Inzidenz beobachtet werden.

In den Schulen von NRW gehören sie längst zum Unterrichtsalltag: Schnelltests. (Symbolbild)

Besonders in Schulen, in denen zum großen Teil noch ungeimpfte Kinder und junge Erwachsene sitzen, gelten Corona-Tests als geeignetes Mittel, um Infektionen früh zu erkennen – und so auch eine Ausbreitung des Virus im Klassenverband, Freundeskreis oder der Familie der Schüler zu verhindern. Seit geraumer Zeit werden Schüler, sowohl an weiterführenden als auch an Grundschulen, daher regelmäßig auf Corona getestet.

Schulen in NRW: Anweisung von Ministerium Corona-Tests zu horten

Die flächendeckende Teststrategie an den Schulen in NRW könnte jedoch ins Stolpern geraten: Denn Ende des Jahres läuft der aktuelle Liefervertrag zur Versorgung der weiterführenden Schulen mit Corona-Schnelltests aus. Zwar erwartet das Land, dass es schnell einen Anschlussvertrag geben wird, doch um „um jegliche Risiken von Versorgungsengpässen, die durch einen Anbieterwechsel entstehen könnten, auszuschließen“, sollen Schulen laut Schulministerium nun vorsichtshalber Vorräte an Corona-Schnelltests anlegen (weitere Corona-News aus NRW* bei RUHR24 finden).

So steht in einer Mail, die die Schulen nun erhalten haben, dass es dabei konkret um die drei Wochen im Januar nach den Weihnachtsferien gehe. Um eine Versorgungslücke ausgleichen zu können, sollen die Schulen daher jetzt mehr Tests bestellen, als sie aktuell tatsächlich benötigen. Beim alten Anbieter könnten Bestellungen für Antigen-Selbsttests noch bis zur 50. Kalenderwoche (Montag, 13. Dezember bis Sonntag, 19. Dezember) aufgegeben werden. Danach sei Schluss.

Corona in NRW: Schulen sollen Lagerbestände an Schnelltests prüfen

Die bis dahin bestellten Schnelltests sollen in der darauf folgenden Woche an die Schulen geliefert und dort für den Januar gehortet werden. Wie viele Schnelltests die Schulen im fraglichen Zeitraum benötigen, sollen sie jetzt ermitteln. Dazu sollen sie ihre Lagerbestände prüfen und errechnen, wie viele Tests für die drei Wochen für alle Schüler, Lehrkräfte und sonstiges Personal benötigt werden. Allerdings dürfe bei der vorausschauenden Bestellung trotzdem nicht die wöchentliche Höchstbestellmenge von der eineinhalbfache Menge des Wochenbedarfs überschritten werden.

Für die Schulen bedeutet das, dass sie bereits ab dieser Woche jede Woche eine gewisse Summe X an zusätzlichen Tests bestellen müssen, um am Ende genügend Vorräte für den Januar angesammelt zu haben. Wie viele Tests jede Woche maximal bestellt werden können und ob das als Vorrat für die Januarwochen reicht, müssen die Zuständigen an den Schulen jetzt zügig herausfinden.

Die Lollitestungen an Grund- und Förderschulen sollen von dieser Bevorratungsaufgabe unberührt bleiben. Seit wann ein neuer Lieferant gesucht wird und warum der Liefervertrag ausgerechnet in der heiklen Winterzeit ausläuft, ist bisher unklar. Eine kleine Anfrage der SPD an die Regierung läuft bereits. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Holger John/dpa

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