Schnelltest

NRW: Bürokratischer Irrsinn – Millionen Corona-Testkits türmen sich Lagern

Eigentlich sollten die Corona-Schnelltests eines Medizintechnik-Unternehmens aus NRW genutzt werden, um die Teststrategie in Deutschland ans Laufen zu bringen. Stattdessen türmen sie sich in Lagern.

Moers/NRW – Es ist einige wenige Wochen her, da freute sich das Unternehmen „Nal von Minden“ aus Moers mitteilen zu können, dass es offizieller Partner des Bundesministeriums für Gesundheit sei. Wie RUHR24.de* berichtete, verpflichtete sich der Medizintechnikhersteller aus NRW im Januar, jeden Monat Millionen Corona-Tests bereits zu stellen. Das tat das Unternehmen auch. Doch genutzt werden die Tests bislang offenbar kaum.

BundesbehördeBundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
SitzBonn
AufsichtsbehördeBundesministerium für Gesundheit

Corona-Schnelltests: Unternehmen aus NRW wartet auf Zulassung

Das Ziel der Zusammenarbeit des Unternehmens aus NRW und dem Gesundheitsministerium: Jedem Bürger soll es möglich sein, sich schnell und sicher auf Corona zu testen – in einer Arztpraxis oder, noch einfacher, indem man sich selbst zu Hause testet. Damit das Ergebnis der Schnelltests möglichst verlässlich ist, sollten es daher qualitativ hochwertige Tests sein – und die könnte Nal von Minden bereitstellen (mehr Corona-News aus NRW* auf RUHR24.de).

Dass die Tests des Herstellers aus NRW funktionieren, bestätigte das Paul-Ehrlich-Institut bereits vor längerer Zeit. Auch die Berliner Charité um den Virologen Christian Drosten hat die Zuverlässigkeit von Corona-Schnelltests untersucht und befand die Corona-Schnelltests aus NRW* für gut.

Dennoch liegen die Schnelltests des Herstellers weiter in den Lagern. Das Problem: Um in Deutschland auf den Markt zu kommen, benötigen die Tests laut WAZ entweder eine CE-Kennzeichnung oder eine Sonderzulassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dieses Institut ist nicht zu verwechseln mit dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (Paul-Ehrlich-Institut) welches den „Nal Covid-19 Schnelltest“ bereits als den „derzeitigen Stand der Technik entsprechend“ bewertete.

Schnelltest nicht gleich Selbsttest: Corona-Tests aus NRW müssen noch durch Laientest

Denn im Detail geht es nicht nur darum, ob die Schnelltests an sich präzise Testergebnisse liefern, sondern auch darum, ob auch Laien, also Menschen ohne medizinisches Vorwissen, den Test anwenden können. Denn es ist ein Unterschied, ob es sich bei einem Test um einen Schnelltest oder einen Selbsttest* handelt.

Um nachzuweisen, dass der Test auch dann funktioniert, wenn ein Laie ihn anwendet, müssen mindestens 101 Personen den Test unter strenger Aufsicht von Experten anwenden. Dabei wird darauf geachtet, ob die Gebrauchsanleitung richtig verstanden und die Tests anschließend auch richtig angewendet werden.

Wer nun an die tief in der Nase abgenommenen Proben denkt, wie sie bislang für Corona-Tests genommen werden, den kann Julia Rummel, Sprecherin von Nal von Minden beruhigen. Gegenüber der WAZ erklärt sie, dass das Teststäbchen inzwischen nur noch 2,5 Zentimeter in die Nase eingeführt werden muss. „Das kann jeder“, so Rummel. Zweifel am erfolgreichen Ausgang der sogenannten Laienprüfung hat sie deshalb keine. Doch bevor diese überhaupt starten kann, gilt es eine andere Hürde zu überwinden (mehr News zur Corona-Pandemie im Live-Ticker* auf RUHR24.de).

Corona in NRW: Schnelltests als wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Pandemie

Denn bevor der Laientest starten kann, muss zuerst die zuständige Ethik-Kommission zustimmen, berichtet die Zeitung weiter. Doch die Ethik-Kommission würde einfach „nicht so oft tagen“, erklärt Rummel. Deshalb bleiben die Tests vorerst wo sie sind: In den Lagerhallen des Herstellers. Ende März, Anfang April, so schätzt es die Unternehmenssprecherin könnte es dann aber doch mit der Auslieferung der Tests klappen. Dann, wenn die Bedingungen alle erfüllt sind.

Doch alle gute Hoffnung könnte sich auch noch zerschlagen. Richard Ammer, Geschäftsführer des Pharma-Unternehmens Medice in Iserlohn, wartet laut WAZ aktuell immer noch auf die Sonderzulassung des BfArM – obwohl der Laientest bereits absolviert wurde.

In dem Bundesinstitut, welches im Februar die ersten Sonderzulassungen für drei Antigen-Tests erteilte, sei man sich der Wichtigkeit der Schnelltests in der derzeitigen Situation bewusst. Sonderzulassungen würden mit höchster Priorität geprüft.

Dennoch bestehe das Institut darauf, dass es nicht reiche, wenn „die Hersteller einen Zettel unterschrieben, dass die Tests gut seien“. Stattdessen brauche es eine erwiesen gute Qualität. Und, dass die Laien-Selbsttests in einem Zulassungsverfahren wie dem des BfArM ordentlich geprüft würden. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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