Coronavirus-Pandemie

Neuinfektionen in NRW sinken: geheime Öffnungspläne? Diskussion um Lockerungen entfacht

Kaum ist eine leichte Entspannung bei den Corona-Zahlen erkennbar, geht die Diskussion um Wege aus dem Lockdown los. Doch Armin Laschet zeigt klare Kante.

NRW - Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken. Erstmals seit drei Monaten fiel der Inzidenzwert bei Neuinfektionen bundesweit unter die Schwelle von 100. In NRW lag am Donnerstag (28. Januar) die Sieben-Tage-Inzidenz bei 93,1. Und kaum zeichnet sich eine leichte Entspannung bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus ab, wird über mögliche Lockerungen diskutiert. Es soll sogar geheime Pläne der Bundesregierung geben, wie eine Exit-Strategie aus dem Lockdown aussehen könnte.

VirusCoronavirus/Sars-CoV-2
VariantenB.1.1.7 (Großbritannien) und B.1.351 (Südafrika)
GegenmaßnahmenKontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Reisebeschränkungen, Grenzschließungen

Corona: Zeit für Lockerungen? Nachlassende Zahlen bei Neuinfektionen

Tatsächlich wird öffentlich von verschiedenen Seiten immer wieder darauf gedrängt, Pläne für den Lockdown-Ausstieg zu entwickeln. In einigen Bundesländern waren es zuletzt die Ministerpräsidenten selbst, die die Diskussion um Corona-Lockerungen entfachten. Dabei geht es vor allen Dingen um Schulen und Kitas, aber auch um den Einzelhandel, Friseure und die Gastronomie.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) fordert laut WAZ unlängst, das man sich Gedanken machen müsse, wie es in den „kommenden Wochen für unsere Kitas, unsere Schulen, für den Sport, den Einzelhandel und die Gastronomie weitergehen soll“.

In Baden-Württemberg stand bereits eine Entscheidung über die Öffnung von Kitas und Grundschulen auf der Agenda. Diese wurde nun aber vertagt: Der Corona-Ausbruch in einer Freiburger Kita durchkreuzte den Plan. Denn es besteht der Verdacht, dass die infizierten Erzieher und Kinder die mutierte Virus-Variante B.1.1.7. in sich tragen. Also sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine Pressekonferenz ab, auf der er den Wiederbetrieb der Kitas und Grundschulen ankündigen wollte.

Lockerungen der Corona-Maßnahmen: Das fordern die Minsiterpräsidenten der Bundesländer

Auch in Schleswig-Holstein präsentierte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) einen Vier-Stufen-Plan für den Ausstieg aus dem Lockdown. Laut Focus orientiere sich der Plan an der Sieben-Tages-Inzidenz. Der erste Öffnungsschritt könnte nach dem 15. Februar erfolgen, vorausgesetzt die Inzidenz halte sich stabil unter 100. Und auch Angela Merkel selbst sieht Deutschland auf einem guten Weg. Der Lockdown wirke, so die Bundeskanzlerin.

Doch trotz aller Bemühungen Perspektiven für die nächsten Wochen zu entwickeln, sind sich viele Politiker auch einig, dass es jetzt ein falsches Signal wäre, über Lockerungen zu diskutieren. Dennoch soll es die Lockerungs-Pläne angeblich geben: Nach Informationen der Bild bereitet die Bundesregierung angeblich bereits einen Plan über eine stufenweise Lockerung der Corona-Maßnahmen vor – unter strengster Geheimhaltung. Denn auch die Bundesregierung treibe die Angst vor vorzeitigen Öffnungsdiskussionen um. Angeblich würden die Pläne daher einzig im engsten Kreis um die Kanzlerin besprochen.

Lockerungen der aktuellen Corona-Regeln: Gibt es geheime Pläne?

In dem Beschluss vom 19. Januar heißt es: „Eine Arbeitsgruppe auf Ebene des Chefs des Bundeskanzleramtes und der Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien wird beauftragt, bis dahin ein Konzept für eine sichere und gerechte Öffnungsstrategie zu erarbeiten.“ Ob wirklich was an dem geheimen Treffen dran ist, ist unklar.

Dennoch soll es das eine Lager in der Regierung geben, welches klare Perspektiven einfordert und schon jetzt über Lockerungen nachdenkt. Und eben auch das andere Lager, welches Lockerungsdiskussionen in dieser Phase der Pandemie klar ablehnt.

Corona: Laschet will keine Lockerungen in NRW

In NRW bekundete Armin Laschet ganz offiziell, dass bereits jetzt die Chefs der Staatskanzlei NRW über geeignete Strategien beraten würden, wie der Lockdown Schritt für Schritt beendet werden könnte. Doch gleichzeitig tritt der NRW-Ministerpräsident heftig auf die Bremse:

Vor allem die aktuelle Entwicklung, die Ausbreitung der mutierten Corona-Varianten aus Großbritannien und Südafrika, bereiten dem Politiker Sorgen (mehr News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24.de). Laschet steht damit für das andere Lager, jenes welches jetzt noch keine Lockerungen in Aussicht stellen will. Zu unberechenbar sei die Pandemie durch die neuen Virus-Varianten geworden.

Deshalb sei nun nicht die Zeit für vorschnelle Öffnungen. Und so appelliert der NRW-Chef ein weiteres Mal an die Bevölkerung, weiter durchzuhalten: „Wir alle sind die Pandemie leid. Doch Corona ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir dürfen in dieser kritischen Phase nicht aufgeben“ (mehr News zum Coronavirus im NRW-Live-Ticker bei RUHR24.de).

Lockerungen der Corona-Maßnahmen: Schulen und Einzelhandel fordern Perspektiven

Allerdings wächst der Druck aus allen Richtungen. Nicht nur in den Schulen und Kitas will man wissen wie es nach dem 14. Februar weitergeht, ob vielleicht doch ein Wechselmodell zwischen Distanz- und Präsenzunterricht infrage kommen könnte, wie Schulministerin Yvonne Gebauer am Dienstag (26. Januar) laut dpa durchblicken ließ.

Auch im Einzelhandel zeigt man sich ungeduldig. Laut WAZ forderte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, einen konkreten Fahrplan, ab welchen „Pandemiezahlen“ eine Wiedereröffnung des Einzelhandels möglich sei. Es scheint, als scharre jeder mit den Hufen.

Rubriklistenbild: © Peter Mindek/dpa, Andre Lucas/dpa; Collage: RUHR24

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