Andere Länder haben ihn schon

Neuer Corona-Weg in NRW? Laumann erwägt anderen Inzidenzwert

Auf der Suche nach geeigneten Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus prüft die Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen die Einführung eines zweiten Inzidenzwerts. Was steckt dahinter?

Düsseldorf – Auch am Freitag (3. September) lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen mit 119,0 deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 80,2. Besonders Kinder und Jugendliche treiben die Corona-Fallzahlen in NRW in die Höhe. Einen erneuten Lockdown schließt die Landesregierung aber aus. Sie will stattdessen zielgerichteter vorgehen.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Corona in NRW: Regierung prüft unterschiedliche Inzidenzwerte für Geimpfte und Ungeimpfte

Denn aktuell sehe man eine „Pandemie der Ungeimpften“, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) jüngst im Landtag. Diesem Umstand könnte das Gesundheitsministerium möglicherweise schon bald Rechnung tragen, indem es einen zweiten Inzidenzwert in Nordrhein-Westfalen einführt: einen für Geimpfte und einen für Ungeimpfte.

Das Landeszentrum Gesundheit führe bereits probeweise Berechnungen zu getrennten Inzidenzwerten durch, erklärte das NRW-Gesundheitsministerium gegenüber der WAZ. Doch was soll das bringen? Ärzte und Klinikbetreiber sehen in unterschiedlichen Inzidenzwerten ein wirksames Instrument (mehr Corona-News aus NRW bei RUHR24).

Corona in NRW: Zwei Inzidenzwerte könnten Impfkampagne ankurbeln und bei Maßnahmen helfen

Getrennte Inzidenzwerte würden allen Entscheidern eine besser Übersicht der aktuellen Pandemiesituation verschaffen, sagte Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, der WAZ. Sie würden außerdem bei der Entscheidung helfen, welche Schutzmaßnahmen zu treffen sind.

Brink erhofft sich zudem einen psychologischen Effekt: Eine getrennte Ausweisung der Inzidenz könne Nicht-Geimpfte dazu motivieren, sich impfen zu lassen. Das wiederum würde die Intensivstationen entlasten. Nordrhein-Westfalen verfügt im Ländervergleich zwar über eine hohe Impfquote. Mit 63,7 Prozent vollständig Geimpften gibt es aber auch im Westen noch Luft nach oben.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) prüft die Einführung eines zweiten Inzidenzwerts.

In anderen Ländern gibt es bereits zwei Inzidenzwerte – so unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern. Und dort sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Ungeimpften lag dort zuletzt über 70, die der Geimpften unter 10. Noch drastischer war der Unterschied zuletzt in Hessen. In der Altersgruppe ab zwölf Jahren stand dort eine Inzidenz von 262,3 bei den Ungeimpften einem Wert von 12,7 bei den Geimpften gegenüber.

Andere Bundesländer machen es vor: Auch in NRW könnte es bald zwei Corona-Inzidenzwerte geben

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern wurde über die zusätzliche Kennziffer schon hitzig diskutiert. AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer hält unterschiedliche Inzidenzwerte für Geimpfte und Ungeimpfte für nicht zielführend. „Mal ganz abgesehen von einer möglichen Stigmatisierung von Ungeimpften“, so Kramer.

Sebastian Ehlers (CDU) hielt dagegen. Es ginge nicht darum, jemanden zu stigmatisieren, sondern ganz nüchtern darauf hinzuweisen, dass zwar auch Geimpfte erkranken können – das aber sehr viel weniger stark. Es werde laut Ehlers momentan das Gerücht gestreut, eine Impfung sei nicht nur potentiell gefährlich, sondern auch nutzlos.

Durch die neu geschaffene Transparenz der unterschiedlichen Inzidenzwerte würde man solchen Leuten den Wind aus den Segeln nehmen, was dringend erforderlich sei. Ob es solche Debatten bald auch im Landtag im Düsseldorf gibt? Eine Entscheidung der NRW-Regierung zur Einführung eines zweiten Inzidenzwerts steht noch aus.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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