Kliniken in NRW

NRW: Volle Intensivstationen – was hinter dem kritischen Wert steckt

Der Anteil freier Intensivbetten ist in einigen Städten im Ruhrgebiet unter einen kritischen Wert gesunken. Angst vor der Triage herrscht aktuell jedoch nicht.

Dortmund – Die Infektionszahlen steigen und steigen. Und auch die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen der Kliniken nimmt zu: Für das Ruhrgebiet meldet das Intensivregister DIVI besonders für Bochum und Dortmund immer weniger freie Intensivbetten. Droht den Krankenhäusern in NRW bald die coronabedingte Triage? Und was bedeutet das überhaupt? Wie RUHR24* weiß, ist die Lage in NRW eine andere als in Bayern oder Sachsen. Doch auch Kliniken im Ruhrgebiet mahnen: „Wachsam bleiben“.

BundeslandNordrhein-Westfalen, NRW
Inzidenz249 (23. November)
Hospitalisierungsrate 4,22 (23. November)

Corona in NRW: Volle Intensivstationen im Ruhrgebiet

Derzeit verzeichnet das RKI beinahe täglich neue Rekordwerte bei der bundesweiten Corona-Inzidenz. Am Dienstag (23. November) stieg der Wert von 386,5 am Montag, auf 399,8. Doch was die bundesweiten Zahlen nicht verraten: Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede. So liegt die Inzidenz in NRW an diesem Dienstag bei 249,0. In Bayern bereits bei 644,9. In Sachsen bei 969,9 (mehr zur Corona-Pandemie in NRW* auf RUHR24).

Von einer Corona-Lage wie in Bayern oder Sachsen ist NRW, das zeigen bereits die Inzidenzen, bislang weit entfernt*. Und so hält sich auch die Sorge vor einer drohenden Triage in den Kliniken der Region in Grenzen. Auch, wenn die Intensivbetten laut DIVI in manchen Städten bereits knapp werden.

Doch was bedeutet überhaupt Triage? Ist sie immer eine Entscheidung zwischen Leben und Tod? Lebensentscheidend ist die Triage keinesfalls in jeder Situation. Denn zunächst einmal dient die Triage dazu „Behandlungsentscheidungen so zu treffen, dass möglichst viele Menschen überleben“ erklärt die WDR-Wissenschaftsredaktion Quarks.

Ruhrgebiet und NRW: Was es bedeutet, wenn es zur coronabedingten Triage kommt

In dramatischen Situationen kann die Entscheidung zwar tatsächlich schwerwiegende Folgen haben – wenn es zum Beispiel darum geht, welcher Patient das einzig verfügbare Beatmungsgerät bekommt – doch auch in weniger dramatischen Situationen wird die Triage angewandt.

Nämlich immer dann, wenn, so erklärt es das Ärzteblatt, eine „Überschreitung von Behandlungskapazitäten“ vorliegt, zum Beispiel in einer Notaufnahme. Dann müssen Patienten kategorisiert und priorisiert werden. Allerdings: Nicht jeder Patient, der auf eine Behandlung warten muss, bezahlt dafür unausweichlich mit seinem Leben.

Um mehr Covid-Patienten auf den Intensivstationen behandeln zu können, werden planbare OPs wieder verschoben.

Doch bei solch‘ schwerwiegenden Entscheidungen wie der Zuteilung von Beatmungsgeräten sei man in Dortmund aktuell noch lange nicht angekommen, erklärt ein Sprecher des Klinikums Dortmund: „Von einer Triage im Sinne von ‚Wer bekommt noch die ECMO‘ sind wir sehr weit entfernt“.

Kliniken im Ruhrgebiet: Wenn möglich, werden OPs coronabedingt aufgeschoben

Zwar könne es passieren, dass bald gewisse zeitlich aufschiebbare OPs nicht stattfinden könnten, weil Intensivbetten wieder vermehrt für Covid 19-Patienten benötigt würden. Doch auch in dieser Hinsicht könnten keine seriösen Prognosen abgegeben werden, da sich die Corona-Lage sehr dynamisch entwickle (mehr News aus dem Ruhrgebiet* auf RUHR24).

Es scheint, als befänden sich die Kliniken im Ruhrgebiet und NRW* in einem Zustand der erhöhten Wachsamkeit, jedoch nicht in erhöhter Alarmbereitschaft. „Insgesamt kann man sagen, dass wir uns in gespannter Erwartungshaltung befinden beziehungsweise die Situation angespannt ist,“ so die Uniklinik Essen. Denn allein im UK Essen gäbe es 12 freie Intensivbetten und weitere 15 Verlegungsoptionen.

Allerdings gibt es auch im Ruhrgebiet Stimmen, die deutlich sorgenvoller klingen. So seien besonders die freien Plätze an der Herz-Lungen-Maschine (Ecmo) rar. „Hier müssen wir bereits auswählen, welchen Patienten wir an das Gerät anschließen“, erklärt Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor der Virologie am Universitätsklinikum Essen. Hier würde bereits eine Art Triage in NRW stattfinden*.

Freie Intensivbetten in NRW: Viele Städte im Ruhrgebiet unter kritischer Grenze

Und auch im DIVI-Intensivregister sind einige Städte im Ruhrgebiet bereits dunkelrot eingefärbt: Bochum, fünf freie Betten. Hagen, fünf freie Betten. Unna, ebenfalls fünf. Diese Städte liegen allesamt unter der vom DIVI kritisch angesehenen zehn Prozent-Marke.

Erklärt wird das so: Im Durchschnitt verfüge eine Intensivstation über 10-12 betreibbare Intensivbetten. Eine Verfügbarkeit von 10 Prozent bedeutet demnach ein freies Bett im Intensivbereich, welches für die Behandlung eines Notfall-Patienten (Herzinfarkt, Trauma oder auch Covid) zur Verfügung stehe. Haben Kliniken weniger als zehn Prozent freie Betten, sei das denkbar knapp.

Und so ist man auch in Dortmund in Gedanken auf eine sich zuspitzende Situation und weiter steigende Zahlen eingestellt: Eine zweite Corona-Intensivstation oder die Bildung eines Triage-Teams könnten dann nötig werden, so der Sprecher der Dortmunder Klinik gegenüber den Ruhr Nachrichten. Doch bis jetzt sind das nur Gedankenspiele. Zur Debatte stünde aktuell weder das eine noch das andere. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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