Vierte Welle

NRW: Corona-Zahlen und Inzidenz explodieren

Die Corona-Zahlen in NRW und die Inzidenz nehmen derzeit Fahrt auf. Warum ist das so?

Düsseldorf – Was passiert da momentan in NRW* mit Corona*? Die Zahl der Neuinfektionen steigen seit Wochen, die Karte der Inzidenzen hat sich wieder tiefrot gefärbt. Dabei sind in NRW doch 70,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. RUHR24* erklärt die aktuelle Corona-Lage in Nordrhein-Westfalen.

7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz in NRW2,91
Anteil Covid-19-Patienten an betreibbaren Intensivbetten8,14 Prozent
7-Tage-Inzidenz123,2

Corona in NRW: Inzidenz steigt – RKI warnt auch Geimpfte

Zunächst einmal: Die Inzidenz in NRW steigt zwar seit Mitte Oktober, aber einen Höchststand, wie es ihn mit knapp über 200 vor Weihnachten 2020 gegeben hat, haben wir noch nicht erreicht. Doch der Trend scheint genau dort hinzugehen.

Am Montag (8. November) lag die Inzidenz in NRW laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 123,2. Zum Vergleich: Bundesweit liegt dieser Wert aktuell bei 201,1. NRW liegt also mit seiner Inzidenz noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Corona: Viertel Welle auch in NRW da – Trend zu erkennen

Aber: Auch in NRW ist die vierte Corona-Welle längst da. Ein Blick auf die Entwicklung der Corona-Neuinfektionen der vergangenen Monate reicht, um den Trend zu erkennen:

Die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle erreicht wieder einen Peak. Die vierte Welle in NRW ist längst da.

Die meisten Covid-19-Fälle in NRW gibt es aktuell in der Altersgruppe der 35 bis 59-Jährigen. Was die Inzidenz betrifft, sieht es anders aus. Dort führt die Gruppe der 0- bis 19-Jährigen das Feld an, diese Gruppe ist jene mit der geringsten Impfquote und ist zahlenmäßig kleiner als die Gruppe der 35- bis 59-Jährigen, was total zu weniger Corona-Fällen führt. Zuletzt hatte sie eine Inzidenz von 194,8, weit vor den 20- bis 39-Jährigen mit einer Inzidenz von 138,2 (hier weitere Corona-News aus NRW* bei RUHR24 lesen).

Coronavirus in den NRW-Städten: Inzidenz teils über 200

Ein Blick in die Städte zeigt eine starke Diskrepanz zwischen den Inzidenzen. Während der Kreis Minden-Lübbecke (219,8), Leverkusen (201,9) und Gütersloh (193,2) extrem hohe Werte hatten, ist die Inzidenz im Kreis Unna (76,5) und im Kreis Coesfeld (40,3) verhältnismäßig moderat.

Steigende Inzidenzen und Corona-Zahlen führen seit Beginn der Pandemie immer wieder zu höheren Auslastungen in den Krankenhäusern*. Aktuell sind im Schnitt nur 11,4 Prozent aller Intensivbetten in NRW frei. Doch der Wert kann von Kreis zu Kreis stark schwanken. Während der Wert in Dortmund etwa bei rund 7 Prozent liegt, sind im Kreis Borken fast 30 Prozent aller Intensivbetten frei.

Vier Gründe ausschlaggabend dafür, dass Corona-Zahlen in NRW steigen

Die vierte Corona-Welle in NRW ist da, obwohl rund 70 Prozent vollständig geimpft sind. Das RKI rechnet sogar damit, dass die Zahlen im Herbst und Winter weiter steigen werden. Wie kann das trotz der aktuellen Maßnahmen in NRW* sein? Vier Faktoren spielen da im Wesentlichen eine Rolle:

  • Kalte Jahreszeit: Das Coronavirus kann sich bei der aktuellen Witterung besser verbreiten, zudem treffen sich Menschen häufiger in Innenräumen, wo die Übertragung einfacher ist (Stichwort: Aerosole).
  • Ungeimpfte: 70 Prozent der Gesamtbevölkerung in NRW sind geimpft, aber die meisten Neuinfektionen gibt es bei Ungeimpften, die immer noch 30 Prozent ausmachen.
  • Nachlassender Impfschutz: Der Impfschutz bei vollständig Geimpften lässt so langsam nach. Das wirkt sich vor allem bei Älteren und Immungeschwächten schneller aus. Diese Gruppe landet dann mit Covid-19 schneller im Krankenhaus – im schlimmsten Fall auf der Intensivstation.
  • Delta-Variante: Eine vollständige Impfung schützt zwar sehr gut vor einem schweren Covid-19-Verlauf, nicht aber sicher vor einer Corona-Infektion. Zahlen aus Israel zeigen, dass Biontech-Geimpfte nur noch einen Schutz von 64 Prozent haben. Dabei verhalten sich Geimpfte aktuell oft so, als seien sie „unbesiegbar“, weil sie die Impfung haben.

Das RKI bezeichnet die aktuelle Lage also längst als „sehr besorgniserregend“. Die Behörde fordert dazu auf – und zwar auch Geimpfte und Genesene – wieder öfter die Maske zu tragen, Abstände einzuhalten, Kontakte zu reduzieren und Innenräume besser zu lüften, selbst wenn 2G oder 3G-Regeln herrschen. Zudem empfiehlt das RKI – vor allem den Risikogruppen – die sogenannte Booster-Impfung*, also die dritte Impfung gegen Corona. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © LZG NRW, Rolf Vennenbernd/dpa; Collage:RUHR24

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