Kommunen schlagen Alarm

Corona-Chaos in NRW droht Ämtern ab März: „Werden es nicht schaffen“

Die Belastung der Gesundheitsämter durch Corona ist enorm. Ab März droht der völlige Kollaps.

NRW – Die Gesundheitsämter der Kommunen arbeiten bereits jetzt am Limit: Kontaktnachverfolgung, Quarantäneanordnungen – vieles bleibt liegen oder wird deutlich später bearbeitet, als gewollt. Die Arbeitsbelastung ist so groß, dass einige Ämter im Kampf gegen Corona von Soldaten unterstützt werden*. Wie RUHR24* weiß, steht ab März nun die einrichtungsbezogene Impfpflicht im Gesetzbuch – dem drohenden Chaos, so befürchten Kommunen, dürften selbst die eilig herbeigerufenen Einsatzkräfte wenig entgegenhalten können.

Corona-MaßnahmeEinrichtungsbezogene Impfpflicht
Einführung:15. März 2022
Betrifft:Mitarbeiter in Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheimen

Corona-Chaos in NRW droht mit Einführung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ab 15. März

Am 15. März soll in NRW die einrichtungsbezogene Impfpflicht eingeführt werden. Heißt: Beschäftigte in Arztpraxen, Kliniken oder Pflegeheimen unterliegen in Kürze der Impfpflicht. Details, wie genau die Richtlinien zur Impfpflicht aussehen werden, sind laut DPA noch nicht bekannt. Vor allem die Frage, ob Ungeimpfte ihrer Tätigkeit nach dem 15. März noch nachgehen dürfen, muss dringend geklärt werden.

Je nachdem, wie die personelle Situation in den Einrichtungen aussieht, könnten in dieser Frage viele Einzelfallentscheidungen nötig werden. Nämlich immer dann, wenn die Personaldecke so dünn ist, dass ein Zusammenbrechen des Betriebs droht, sollten weitere (ungeimpfte) Mitarbeiter ausfallen. Laut ZDF befürchten einige Experten eine Verschärfung des Fachkräftemangels. Doch solche Details zu der Impfpflicht befänden sich noch „in Vorbereitung“, erklärte ein Sprecher des Landesministeriums am Mittwoch (2. Februar).

Dass sie kommt, ist allerdings klar. Durch die Impfpflicht der Beschäftigten sollen Patienten und Pflegebedürftige besser vor einer Corona-Infektion geschützt werden. Doch während die Einführung der Corona-Maßnahme relativ weit weg von den kommunalen Gesundheitsämtern auf Bundesebene beschlossen wurde, obliegt die Realisierung der Impfpflicht eben doch ihnen: den kommunalen Gesundheitsämtern. Nur: die Umsetzung und Kontrolle gestaltet sich offenbar schwieriger als gedacht.

Gesundheitsämter in NRW befürchten Chaos: Arbeitsbelastung durch Impfpflicht steigt erneut

Die Gesundheitsämter befinden sich deshalb nun in heller Aufruhr. Kritik wird laut, denn offenbar weiß keiner so richtig, wie die zusätzliche Arbeit bewältigt werden soll. Insbesondere die Kontrollen der Nachweise, die die Beschäftigten bald erbringen müssen, türmen sich in Gedanken der Verantwortlichen scheinbar jetzt schon unbearbeitet auf den Schreibtischen der Gesundheitsämter. Auf bereits eingehende Anfragen von Arbeitgebern würde ohnehin nur noch auf die durch Corona bestehende Arbeitsbelastung verwiesen, berichtet die DPA.

Durch die Impfpflicht für Krankenhausmitarbeiter, Mitarbeiter in Arztpraxen und Pflegeheimen droht Chaos in den Gesundheitsämtern.

Auch Anfragen von ungeimpften Arbeitnehmern gäbe es bereits, berichtet die Leiterin des Gesundheitsamtes des Rhein-Kreises Neuss, Barbara Albrecht im WDR. Vieles bleibt aber unbeantwortet. Sie betont: So wie die Impfpflicht derzeit vom Bund vorgegeben würde, sei sie nicht umsetzbar. Zumal es unmöglich sei, alle etwa 2000 bis 3000 Menschen, die allein im Rhein-Kreis Neuss betroffen sein werden, einzeln zu prüfen, zu untersuchen und zu entscheiden, was zu tun ist. „Wir werden das nicht schaffen“, so Albrecht (mehr Nachrichten rund um die Corona-Pandemie in NRW* auf RUHR24).

Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte die Bundesebene für die schwachen Pläne zur Umsetzung der Impfpflicht kritisiert. „Es ist einfach, eine solche Impfpflicht ins Gesetz zu schreiben. Die Umsetzung der Impfpflicht ist eine andere Sache.“ *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/DPA

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