Glosse

Wie Armin Laschet uns vor der Delta-Variante rettet – und warum alles nicht so schlimm wird

Armin „so schlimm kann die Delta-Variante ja nicht sein“ Laschet.
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Armin „so schlimm kann die Delta-Variante ja nicht sein“ Laschet.

Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident spielt die Auswirkungen der Delta-Variante des Coronavirus herunter. Er hat vollkommen Recht, wie andere Beispiele zeigen. Eine Glosse.

Dortmund – Bei einem Termin mit Journalisten sagte Armin Laschet (CDU) am Mittwoch (23. Juni) in Düsseldorf: "Wenn trotz der Verbreitung der Delta-Variante die Inzidenz nicht steigt, sondern jede Woche immer weiter sinkt, scheint ja die Auswirkung nicht so groß zu sein." Das ganze Video ist bei RTL zu sehen.

Armin Laschet und die Delta-Variante: Es kann nicht schlimmer werden, als es ist

Damit hat er natürlich vollkommen recht. Denn die als deutlich ansteckender geltende Variante des Coronavirus verbreitet sich ja derzeit nur in Großbritannien, Portugal, Indien – und nicht in NRW. Weil sich in Deutschland damit überhaupt erst wenige Menschen angesteckt haben, folgert Experte Laschet daraus: So schlimm kann es ja nicht sein.

Andere Menschen, die sich auch ab und zu mit Viren beschäftigen, sehen das natürlich etwas anders. Der renommierte Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin zum Beispiel, der geht von nicht weniger als dem Gegenteil aus. Aber was soll der auch sagen? Dieser Pessimist erwartet also nach dem Studium aktueller Infektionsdaten wirklich, dass die Delta-Variante sich im Herbst durchsetzt und für eine vierte Corona-Welle sorgt.

Aber da hat er die Inzidenz-Rechnung ohne Armin Laschet gemacht. Denn weil dieser das jetzt noch nicht erkennen kann, wird es auch einfach nicht so kommen. Damit bewahrt uns der NRW-Ministerpräsident quasi im Alleingang vor einer vierten Welle.

Corona-Variante Delta: Kein Problem dank Armin Laschets lustiger Logik

Das Gute an Laschets lustiger Logik: Man kann sie auch hervorragend auf andere Themen anwenden. Ein paar Beispiele gefällig?

„Hey, obwohl es immer wärmer wird, ist der Meeresspiegel bisher kaum gestiegen. Dann scheinen die Auswirkungen des Klimawandels ja nicht so groß zu sein.“ Einleuchtend, nicht?

Oder: „Obwohl Tausende Eltern ihre Schulkinder im Lockdown monatelang zu Hause betreuen mussten, bekommen alle Beteiligten nicht sofort psychische Probleme. Dann kann das alles ja wohl nicht so schlimm sein.“

Delta-Denkweise von Armin Laschet (CDU) ist auch easy auf den Klimawandel anwendbar

Spötter würde jetzt sagen: Aber dauert das nicht in der Regel eine ganze Weile, bis Infektionszahlen und Meeresspiegel steigen? Dass es einen Klimawandel gibt, an dem der Mensch auch noch selbst Schuld sein soll, gilt ja in erleuchteten Kreisen auch eher als Expertenmeinung. Und dass die Niederländer ihre Deiche seit Jahren massiv aufrüsten, muss ja nicht gleich heißen, dass das mit dem steigenden Meeresspiegel auch wirklich passiert.

Armin Laschet erklärt die Delta-Variante des Coronavirus.

Das alles hat Armin Laschet natürlich nicht gesagt. Sein hoffnungsvolles Statement zur Delta-Variante deutet aber auf eine ganz ähnliche Denkweise hin: Weil es jetzt noch nicht so schlimm ist, wird es das auch künftig nicht. Den Göttern sei Dank! Und diese Schlussfolgerung von Herrn Laschet hatte uns ja bereits vor der dritten Corona-Welle bewahrt, wir erinnern uns alle noch sehr gut daran.

Video: RKI-Chef Wieler: Delta-Variante wird die Hoheit übernehmen

Armin Laschet bewahrt uns vor der Delta-Welle – und wird vielleicht trotzdem nicht Kanzler

Ohne die positive Denke des Armin Laschet müssten wir jetzt also wirklich Schiss vor einer neuen Corona-Variante haben. Und was soll nach Delta denn noch alles kommen, wenn jetzt nicht endlich jemand handelt? Epsilon? Pi? Genau diese Weitsicht, diesen Einsatz wünscht man sich von jemandem, der sich für das zweithöchste Amt eines Landes mit mehr als 80 Millionen Einwohnern bewirbt.

Wobei: Das Amt als NRW-Ministerpräsident abzugeben, um dann nach einem unsachlichen Wahlkampf gegen die Grünen vielleicht doch nicht Bundeskanzler zu werden? Naja, kann so schlimm auch wieder nicht sein.

Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Glosse. Die Glosse als journalistische Textsorte kommentiert einen Sachverhalt in kritischer Absicht auf humorvolle und ironische Weise.

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