Schießerei in Duisburg

Clans und Rocker in NRW: Vier Städte im Ruhrgebiet sind Hochburgen

In Duisburg-Hamborn eskalierte die Gewalt zwischen Rockern und Clan-Mitgliedern. Beide Gruppierungen finden sich häufig in NRW wieder.

Duisburg – Die große Schießerei am Hamborner Altmarkt in Duisburg hat in ganz Deutschland hohe Wellen geschlagen. Die Polizei geht nach aktuellen Ermittlungsstand davon aus, dass 19 Schüsse gefallen sind. Vier Personen wurden verletzt, 15 festgenommen. Auf dem Altmarkt sind zuvor 80 bis 100 Personen aneinander geraten – alle sind dem Rocker- und Clanmilieu zuzurechnen. Eskaliert jetzt die Gewalt in NRW? Hier sind Clan- und Rocker-Hotspots in Nordrhein-Westfalen zu finden.

BundeslandNRW
EreignisSchüsse in Duisburg-Hamborn
MilieuRocker und Familienclans

Familienclans und Rocker in NRW: In diesen Städten sind sie vermehrt zu finden

Duisburg steht nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen im Zusammenhang mit Rocker- und Clankriminalität. Vor ein paar Jahren eskalierte dort der tödliche Rockerkrieg zwischen Hells Angels und Bandidos, weil die Grenze zwischen den Einflusssphären beider Rockergruppen mitten durch die Industriestadt verlief. Rocker starben, tätowierte Gliedmaßen schwammen im Hafenbecken. Dann kehrte Ruhe ein, schreibt die DPA.

Nun ist es wieder Duisburg. Bei der Schießerei im Norden der Stadt hat es sich um einen Konflikt zwischen der Rockergruppe Hells Angels und einem kriminellen türkisch-arabischen Clan gehandelt. Das berichtet NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Fest steht: Duisburg zählt in NRW zu den Hochburgen der Familienclans. Laut dem aktuellen Lagebild „Clankriminalität“ des Innenministeriums rangiert die Stadt am Rhein nach Essen, Recklinghausen und Gelsenkirchen auf Platz 4 der meisten registrierten Straftaten durch Clan-Mitglieder.

Auffällig: Alle Städte befinden sich im Ruhrgebiet. Erst auf Rang 7 folgt mit Köln eine Stadt außerhalb der Metropolregion.

Clan-Kriminalität im Ruhrgebiet: 30 Jahre wächst eine Subkultur – die jetzt bekämpft wird

Ein weiterer Hotspot: Essen-Altendorf. Der Stadtteil gilt als sozialer Brennpunkt. Hier reihen sich Wettbüros an Shishabars – Polizeieinsätze gehören hier fast schon zur Tagesordnung. In Essen wurden im vergangenen Jahr 599 Delikte gezählt, die kriminellen Familienclans zuzuordnen sind.

Gegenüber dem WDR sagt Innenminister Reul, dass die Clankriminalität in den letzten 30 Jahren nahezu ungestört wachsen konnte. Wer darauf hoffe, dass sich das Problem innerhalb kürzester Zeit in Luft auflöst, habe nichts verstanden.

Das Innenministerium und die Polizei in NRW kämpft dennoch weiter gegen die Kriminalität von Familienclans. So wurde beispielsweise im Juni vergangenen Jahres im Rahmen einer Mega-Razzia ein Sturmgewehr in einem Haus in Leverkusen entdeckt. Ebenfalls im Juni gelang der Polizei ein Schlag gegen den in Dortmund ansässigen Miri-Clan. Einige Mitglieder der Großfamilie wurden festgenommen.

Polizeieinsatz bei eine türkisch-arabischstämmigen Clan in NRW.

Rockerbanden treiben in NRW ihr Unwesen: Hier sind ihre Chapter zu finden

Doch nicht nur Clan-Mitglieder waren an der Schießerei in Duisburg beteiligt. Auch Rocker seien vor Ort gewesen. Für Innenminister Reul ist das kein ganz neuer Konflikt und auch keine neue Dimension. Schon vor einigen Jahren kämpften Rocker mit und gegen Clan-Angehörige, etwa in Erkrath bei Düsseldorf.

Rocker-Chapter sind nahezu überall in NRW zu finden. Rund 2.000 Mitglieder gibt es im Bundesland – verteilt auf verschiedene Gruppen. Hells Angels, Bandidos, Gremium, Freeway Riders, Brothers und Outlaws sind die häufigsten Chapter in NRW. Und es kommen jährlich neue hinzu.

Bandidos und Hells Angels in NRW: Hier sind sie zu finden

Laut dem Lagebild „Organisierte Kriminalität“ des Innenministeriums gründeten allein die Bandidos Anfang 2020 Chapter in Münster, Essen und Kamen bei Dortmund. Die Hells Angels gründeten im Juli Charter in Duisburg und Düsseldorf. Laut Berichten waren an der Schießerei in Duisburg-Hamborn Mitglieder der Hells Angels beteiligt.

Im Zusammenhang mit den Schüssen in Duisburg gab es in derselben Nacht einen Einsatz von Spezialkräften in Duisburg. Das SEK verschafft sich gewaltsam Zutritt zu einem Haus, das einer Großfamilie gehören soll. Die Verdächtigen waren aber schon geflohen, das Haus leer. Auch in umliegenden Städten seien Kräfte im Zusammenhang mit den Schüssen in Hamborn zum Einsatz gekommen, so die Polizei.

Rubriklistenbild: © Christoph ReichweinImago

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