"Atemaktivität" wie beim Sport 

NRW: Bordelle dürfen wieder öffnen – Abstandsgebot und Maskenpflicht im Gespräch

Das Verbot, sexuelle Dienstleistungen anzubieten, ist aufgehoben. Das OVG Münster verglich das Infektionsrisiko mit dem zugelassener Veranstaltungen.

Münster – Bordelle in NRW dürfen wieder öffnen. Die Nachricht, die für das Pascha in Köln, das einst größte, inzwischen aber insolvente Bordell Europas, zwar zu spät kommt, sorgt vielerorts für Erleichterung. Das Verbot nagte heftig an der Existenzgrundlage von Bordellbetreibern und Prostituierten. Zuletzt war es offenbar auch trotz anhaltender Corona-Pandemie nicht mehr verhältnismäßig. 

Bundesland

NRW

angemeldete Prostituierte

9307 (2018)

Betriebe des Prostitutionsgewerbes

177, dazu zählen Bordelle, Wohnwagen, Saunaclubs

Coronavirus in NRW: Gericht kippt Verbot für Bordelle

Das Oberverwaltungsgericht NRW begründete die Entscheidung vom 8. September, das Verbot außer Vollzug zu setzen damit, dass es eine nicht mehr notwendige Schutzmaßnahme sei. Die damit verbundenen Grundrechtseingriffe seien daher nicht mehr gerechtfertigt. Die vollständige Untersagung aller sexuellen Dienstleistungen verstoße voraussichtlich gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (mehr Nachrichten aus NRW auf RUHR24.de).

Inzwischen seien weitgehende Lockerungen in nahezu allen gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bereichen zugelassen, so das Gericht. Es sei nicht ersichtlich, warum im Gegensatz dazu die Erbringung sexueller Dienstleistungen weiterhin vollständig verboten seien. Und selbst die eher konservative CDU hatte sich bereits im Vorfeld für ein Comeback der Prostitution ausgesprochen.

NRW: Gericht vergleicht Sex mit Sport

Weiter führte das Gericht aus, dass es bei in der Regel auf zwei Personen beschränkten sexuellen Kontakten wohl kein größeres Risiko zahlloser Infektionsketten gebe, als bei den bereits wieder zugelassenen Veranstaltungen. So sei das Risiko der Ansteckung bei sexuellen Handlungen zweier Personen nicht größer, als bei privaten Feiern mit bis zu 150 Personen – die zum Teil durch eine ausgelassene Atmosphäre mit Musik, Tanz und dem Konsum alkoholischer Getränke geprägt seien.

Die erhöhte Atemaktivität beim Sex und der damit verbundene Ausstoß an virushaltigen Aerosolen sei zudem vergleichbar mit sportlichen Aktivitäten, wie zum Beispiel in Fitnessstudios.

NRW: Prostituierte hatte zunächst Verständnis für Verbot

Gegenüber dem WDR zeigt sich Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen positiv überrascht. Am Anfang habe jede Prostituierte absolutes Verständnis für das Verbot gehabt, erklärt sie. Dieses sei aber verschwunden, als Kontaktsportarten und auch Veranstaltungen wieder erlaubt wurden.

Sexarbeiterinnen demonstrierten gegen ein Arbeitsverbot im Rotlichtsektor, welches wegen des Coronavirus verhängt wurde. Jetzt wurde das Verbot gekippt.

 

Das Gericht hat mit der Aufhebung des Verbots dem Antrag eines Unternehmens stattgegeben, das in Köln ein Erotik-Massagestudio betreibt. Grünen Politikerin Josefine Paul forderte nun allerdings, dass für die Bordelle nun tragfähige Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte erarbeitet werden. 

Bordelle in NRW: Kontaktnachverfolgung und Maskenpflicht möglich

So sei laut Aachener Zeitung eine Pflicht zur Begrenzung der Zahl der Kunden denkbar, Abstandsgebote und Desinfektionsintervalle für die Dienstleister, ebenso Vorgaben für regelmäßige Belüftung der Räume. Auch eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für Prostituierte und die Kunden in komme Betracht.

Vor allem die Kontaktnachverfolgung könnte sich in dem von Diskretion getragenen Berufsfeld allerdings als problematisch erweisen. Gegenüber dem WDR widerspricht Weber allerdings diesem Eindruck. Sie habe das Gefühl, dass ihre Kunden ihre Kontaktdaten ordnungsgemäß angeben. Das Interesse, informiert zu werden, sei hoch – und die Daten würden diskret in Briefumschlägen verschlossen.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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