Nicht die Abgase

NRW: Neue Studie über Autos offenbart Umweltkiller – bislang wird er kaum beachtet

Autobahn bei Frankfurt
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Autos und Lkw sind nicht nur wegen der Abgase ein Problem für die Umwelt.

Dass Autos für die Umwelt alles andere als ein Segen sind, ist hinlänglich bekannt. Allerdings liegt der Fokus fälschlicherweise oftmals nur auf den Abgasen.

NRW – Nordrhein-Westfalen ist nicht nur Reich an Bevölkerung, sondern auch reich an Straßenverkehr. In keinem anderen Bundesland werden pro Jahr mehr Staukilometer gemeldet und nirgendwo ist das Netz an Autobahnen und Bundesstraßen dichter. Entsprechend hoch ist die Belastung für die Umwelt.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)
Regierende ParteienFDP und CDU

Nicht nur in NRW: Reifenabrieb ist ein echter Umweltkiller – Verschleiß in Deutschland hoch

Im Blickpunkt stehen dabei in der Regel die CO2-Emissionen. Dabei ist das liebste Verkehrsmittel der Deutschen noch aus einem anderen Grund ein Umweltkiller. Fahren verursacht einen enormen Reifenabrieb. Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) hat sich damit genauer befasst.

Der Verschleiß an Autoreifen, die im vergangenen Herbst einen riesigen Brand in Bochum verursachten, ist in Deutschland hoch. Nach Schätzungen des Branchenverbands Reifenhandel werden bundesweit jährlich rund 48,5 Millionen Pkw-Reifen abgesetzt. Und das sind längst nicht die einzigen Verkehrsteilnehmer.

Abrief von Autoreifen in Deutschland und NRW: Eine der größten Mikroplastikquellen

Autoreifen bestehen circa zur Hälfte aus vulkanisiertem Naturkautschuk oder synthetischem Gummi. Darüber hinaus erhalten sie eine Vielzahl von Füllmitteln und anderen chemischen Zusätzen. Das mache den Abrieb von Reifen zu einer der größten Mikroplastikquellen – laut Quarks sogar zur Größten. Besonders beim Beschleunigen und Bremsen entsteht viel davon.

Bislang sei laut BASt und BfG bereits bekannt gewesen, dass ein kleiner Teil des Reifenabriebs – etwa fünf bis zehn Prozent – in die Luft gelangt. Die Frage, was mit den restlichen rund 90 Prozent passiert, sei bislang noch nicht im Detail geklärt gewesen. An der Stelle setzt die Studie an.

Über Flüsse kann der Reifenabrieb ins Meer gelangen.

So habe man berechnet, dass jährlich 60.000 bis 70.000 Tonnen Abrieb der Autoreifen in den Boden gelangen und etwa 8.700 bis 20.000 Tonnen in Oberflächengewässer. Für die Umwelt ist das ein Problem. Denn Abriebpartikel reichern sich laut Quarks in der Natur an, können aber nicht normal zersetzt werden.

Reifenabrieb kann auch ins Meer gelangen – noch keine entsprechenden Studien in Deutschland und NRW

Die Studie betont allerdings, dass es maßgeblich darauf ankomme, wo der Reifenabrieb entstehe. Auf Straßen in Ortschaften und Städten spüle der Regen den Reifenabrieb früher oder später in die Kanalisation. In der Kläranlage würden dann mehr als 95 Prozent der Reifenreste zurückgehalten.

Anders sieht das außerorts aus. Dort versickern die Straßenabflüsse in der Regel über das Bankett neben der Fahrbahn und die Böschung. Der größte Teil des Reifenabriebs werde so in den Boden in der Nähe der Straße eingetragen und von der oberen bewachsenen Bodenzone zurückgehalten.

Video: Wie lange darf ich Autoreifen fahren?

In Gewässer an der Oberfläche können etwa 12 bis 20 Prozent des Reifenabriebs gelangen. Dort würden sie zum Teil abgebaut und zum Teil im Sediment abgelagert. Die genauen Anteile ließen sich nicht bestimmen. Allerdings hätten Modellstudien rund um die Flüsse Seine und Schelde gezeigt, dass etwa zwei Prozent der Reifenabriebmenge ins Meer gelangen. Vergleichbare Studien für Flüsse in Deutschland habe es noch nicht gegeben.

Umweltkiller Reifenabrieb: Forscher empfehlen leichte Fahrzeuge und ruhiges Fahrverhalten

Wie sehen die konkreten Folgen für die Natur aus? Laut BASt und BfG seien die Effekte auf bodenbewohnende Organismen bislang kaum bekannt. Gleiches gelte für die Auswirkungen auf Wasserorganismen. Dennoch könne man einige Lehren aus der Studie ziehen. So sei es erforderlich, weiterhin sämtliche Maßnahmen der Wasserwirtschaft zu optimieren. Besonders solche, die die „Einträge in Gewässer mindern“.

Wichtig seien zudem intermodale (Kombination verschiedener Verkehrsträger wie Straße, Schiene, Wasser und Luft) Transport- und Verkehrskonzepte. Vollends ersetzen werden diese den Verkehr auf der Straße allerdings nicht. Die Forscher empfehlen deshalb langlebige und abriebarme Reifen, leichte Fahrzeuge und ein ruhiges Fahrverhalten.