Gesundheitsminister Laumann

Astrazeneca in NRW weiter nur für Menschen ab 60

Bereits in drei Bundesländern wurde die Altersbeschränkung für das Corona-Vakzin Astrazeneca aufgehoben. Gesundheitsminister Laumann schloss dies für NRW jedoch vorerst aus.

NRW – Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben es bereits getan: Die Beschränkung für die Impfungen mit Astrazeneca, die eine Immunisierung bislang nur noch für Menschen über 60 Jahren vorsah, wurde aufgehoben. Ab sofort können in diesen drei Bundesländern also wieder Personen jeden Alters das Vakzin erhalten – nun auch unabhängig von der Alters-Priorisierung. Bremen erwägt diesen Schritt ebenfalls, wie owl24.de* berichtet.

Im Interview mit dem WDR sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag (22. April) jedoch, dass das Land Nordrhein-Westfalen vorerst an der Priorisierung festhalten werde. Diese Regelung führte in der Vergangenheit zum Beispiel in Bielefeld zu einem wahren Ansturm auf die frei gewordenen Astrazeneca-Termine*.

Bundesland NRW
Einwohner 17.947.221
Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)

NRW: Astrazeneca weiterhin nur an über 60-Jährige

Unter anderem wurde es in der letzten Zeit zum Problem, dass viele Menschen über 60 Jahren, wenn sie die Wahl hätten, auf eine Impfung mit Astrazeneca verzichteten, um sich später mit einem anderen Vakzin, etwa mit Biontech* oder Moderna, immunisieren zu lassen. Ein Phänomen, welches Gesundheitsminister Laumann in NRW laut eigener Aussage nicht beobachtet habe. Viele Menschen dieser Altersgruppe würden ein Impfangebot mit Astrazeneca gerne annehmen.

Wenn Astrazeneca nicht mehr gewünscht wird, werden wir solche Überlegungen machen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Man könne den vorhandenen Impfstoff „noch sehr gut an Menschen über 60 Jahren verimpfen“, sagte Minister Laumann bei WDR2. „Im Moment sehe ich diesen Schritt noch nicht.“ Ähnlich äußerten sich auch die Gesundheitsministerien von Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Drei Länder heben Impf-Einschränkungen für Astrazeneca auf

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sieht in der Aufhebung der Beschränkungen ein Angebot für Menschen, auch jünger als 60 Jahre, sich bereits jetzt impfen lassen zu können, während andere ihr Impfangebot ablehnten: „Die Freigabe ist ein Angebot, dass diejenigen, die keine oder wenige Vorbehalte gegen den Impfstoff haben, die Möglichkeit nutzen können, sich gegen das Coronavirus* auch impfen zu lassen.“

Auch soll durch diese Maßnahme verhindert werden, dass Impfdosen von Astrazeneca* ungenutzt liegen bleiben und so die Durchimpfung der Bevölkerung vorangetrieben werden. Voraussetzung für eine Impfung mit dem teilweise umstrittenen Impfstoff sei jedoch immer ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem Impfarzt.

NRW: Karl-Josef Laumann (CDU) will den Einsatz von Astrazeneca weiterhin beschränken.

Impfkampagne verlagert sich auf Hausärzte: Impfpriorisierung bald komplett aufgehoben?

Die Hausärzte, die auch in NRW seit Ostern in die Impfkampagne eingebunden sind*, spielen eine immer größer werdende Rolle bei den Corona-Impfungen – auch mit Astrazeneca. So sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch (21. April): „Die Ärzte kennen ihre Patienten gut und wissen, wem sie aus dem Kreis der unter 60-Jährigen unter Berücksichtigung der Vorgaben der Ständigen Impfkommission ein Impfangebot mit diesem Wirkstoff machen können.“

Derweil gibt es bereits Hinweise darauf, dass die Impf-Priorisierungen bereits Ende Mai in Deutschland komplett aufgehoben werden könnten*. Demnach hätte dann jeder Bürger, egal welchen Alters und welcher Priorisierung, die Möglichkeit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Nicht nur mit Astrazeneca, wie aktuell in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, sondern unabhängig vom Impfstoff in ganz Deutschland.

Am 9. März 2020 ist in einer Stadt in Ostwestfalen* ein junger Mensch verstorben. Die Person wurde rund zwölf Tage vorher geimpft. Ein Gutachten der Uni Münster* und der Uni Greifswald ergab nun, dass der Tod der 32-jährigen Frau aus Herford im Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca steht. (*merkur.de, msl24.de und owl24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA)

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