Erzkonservativ und radikal-religiös

Berater von Armin Laschet angeblich homophob und frauenfeindlich – SPD warnt vor Spaltung

Der neue CDU-Bundesparteichef Armin Laschet steht möglicherweise unter Einfluss eines Beraters, der durch seine radikalen Ansichten auffällt. Homosexuelle tun ihm offenbar „leid“.

NRW – Im Herbst 2020, vor den Wahlen zum CDU-Parteivorsitz, zeigte sich Armin Laschet weltoffen und modern: Wer wen liebt, spiele keine Rolle. Damals ging es um eine homophobe Äußerung von Friedrich Merz (CDU). Doch die SPDqueer warnt: Der NRW-Ministerpräsident spiele mit dem Feuer. Denn wie RUHR24.de* berichtet, setzt Laschet auf die Unterstützung eines erzkonservativen und offenbar homophoben Beraters. Auch vor Vergleichen zur Präsidentschaft von Donald Trump wird nicht zurückgescheut.

PersonNathanael Liminski
FunktionBerater von Armin Laschet, Chef der NRW-Staatskanzlei
AusbildungStudium der mittelalterlichen und neueren Geschichte in Bonn

NRW: Armin Laschet seit Jahren von Berater Nathanael Liminski begleitet

Es geht um den wohl wichtigsten Berater Armin Laschets: Nathanael Liminski begleitet den NRW-Ministerpräsidenten bereits seit 2014. Damals holte der Politiker, damals noch in der Rolle als Oppositionsführer, Liminski als Stabschef nach Düsseldorf. Laut queer.de fällt der Berater, der seit 2017 als Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei zum NRW-Kabinett gehört, durch Intoleranz und homophobe Äußerungen auf (mehr News aus NRW* auf RUHR24.de).

Und so macht sich auch der NRW-Landesverband der SPDqueer, die Arbeitsgemeinschaft der SPD für Akzeptanz und Gleichstellung, Sorgen darum, wie viel Einfluss der Berater mit seinen äußerst umstrittenen Ansichten auf Armin Laschet haben könnte. Denn der 35-Jährige gilt laut tagesspiegel als wichtiger „Strippenzieher“ von Armin Laschet, der sich zuletzt wegen des „Impfchaos“ in NRW in der Kritik sah. Das Online-Magazin katholisch.de spricht sogar vom engsten Vertrauten Laschets. Die FAZ titelt mit dem „unersetzlichen Mann hinter Laschet“.

NRW: Laschets Berater Nathanael Liminski - Verbindungen zu AfD?

Besonders aufgefallen sei Nathanael Liminski laut queer.de erstmals 2007, als er gegenüber dem Spiegel bekannt gab, dass er zwar viele Homosexuelle kenne, einige ihm aber leid tun würden. Der Staat müsse „die natürliche Form der Ehe und Familie fördern“. Gemeint ist damit, unter anderem nach Auffassung der Deutschen Bischofskonferenz, die Ehe zwischen Mann und Frau, in der auch der Wunsch nach Kindern verwirklicht werden sollte.

Warum Liminski Mitleid mit seinen homosexuellen Bekannten hat, ist unklar. Aber auch zu anderen Reizthemen wie der Abtreibung äußerte sich Liminski eindeutig: „Finde ich ethisch nicht vertretbar“, soll er laut Spiegel gesagt haben.

Aus Sicht des NRW-Landeschefs von SPDqueer, Fabian Spies, steht Laschet damit unter gefährlichem Einfluss der „erzkonservativen und fundamental-christlichen Rechten“. „Frauenfeindlich“, „homophob“ und „rückwärtsgewandt“ – mit diesen Kontakten von Nathanael Liminski verbindet die Arbeitsgemeinschaft der SPD nur wenig Gutes. Auch eine schwammige Verbindung zur AfD wird Liminski nachgesagt. Während seines Studiums soll der 35-Jährige mehrere Texte für die rechtskonservative Internetseite freiewelt.net, geschrieben haben. Herausgeber ist Sven von Storch, Ehemann der heutigen AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch.

NRW: Laschets Berater Liminski fiel bereits durch homophobe Äußerungen auf

In der Öffentlichkeit ist aktuell von einem Einfluss Liminskis wenig in den Äußerungen von Armin Laschet zu erkennen. Der CDU-Chef gibt sich im Allgemeinen aufgeschlossen und offen gegenüber unterschiedlichen sexuelle Orientierungen. Deutlich machte er dies insbesondere, nachdem sein Parteikollege Merz im vergangenen Jahr für seine Meinung zu einem möglichen homosexuellen Kanzler gefragt wurde.

Merz antwortete laut Spiegel damals: Die sexuelle Orientierung sei ein privates Thema, solange diese sich „im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft“. Für diese Antwort erntete er scharfe Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, Homosexualität mit Gesetzeskonflikten oder Pädophilie zu assoziieren. Laschet hingegen unterstrich, dass es für ihn keine Rolle spiele, ob ein Kanzler oder eine Kanzlerin homosexuell sei oder nicht. „Kann ein Schwuler Bundeskanzler sein? Ja, Punkt“, erklärte Laschet damals.

NRW: Laschet nicht immer so weltoffen und modern wie heute

Allerdings sei das nicht immer so gewesen, rekonstruiert das Online-Magazin Queer. Demnach hätte Laschet offenbar wiederholt behauptet, dass es im Grundgesetz ein verstecktes Ehe-Verbot für Schwule und Lesben gebe. Als NRW-Integrationsminister hätte Laschet zudem LGBTI-Aktivisten von einer Veranstaltung zum „Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle“ ausgeladen (die Abkürzung steht für „Lesbian, Gay, Bisexual, Transexuell/Transgender und Intersexual“ zu Deutsch „Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell/Transgender und Intersexuell“).

Nach dem Wahlsieg Armin Laschets zum CDU-Parteivorsitzenden richteten verschiedene Medien verstärkt ihren Blick auf die Verbindung zwischen ihm und Liminski. Der Spiegel berichtete, dass der „konservative Katholik“ Laschet dabei geholfen hätte, CDU-Chef zu werden. Auch den Weg ins Kanzleramt wolle Liminski Laschet nun bahnen. Satiriker Jan Böhmermann zog sogar einen Vergleich zu Ex-US-Präsident Donald Trump. Trump hatte mit der Unterstützung rechter und fanatisch-religiöser Gruppen versucht seine Macht zu sichern. Trump wurde immer wieder vorgeworfen, das Land zu Spalten und Rassismus zu schüren.

In ähnlicher Weise kommt auch die SPDqueer zu dem Schluss, dass Laschet mit dem Feuer spiele. „Um der Macht willen sucht er Nähe zu Menschen wie Liminski und dessen Ideologie von Ausgrenzung, Hass und Spaltung“, erklärt Fabien Spies. Liminskis Einfluss könne zudem weiter steigen - je größer auch die Bedeutung Armin Laschets in der Bundespolitik werde. Katholisch.de spekuliert sogar, dass Liminski unter Laschet als Bundeskanzler Kanzleramtsminister werden und damit ins Zentrum der Bundespolitik aufsteigen könnte. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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