Drohender Dominoeffekt

Nach A45-Sperrung: NRW-Verkehrsexperte befürchtet Chaos rund um Köln

Die Vollsperrung der A45-Talbrücke Rahmede beeinträchtigt nicht nur den Verkehr im Sauerland. Ein Experte aus NRW blickt mit großen Sorgen nach Köln.

Dortmund – Die A45 bereitet Nordrhein-Westfalen aktuell Sorgen. Anfang Dezember wurden bei einem Laserscan der Talbrücke Rahmede nördlich von Lüdenscheid Verformungen im Überbau entdeckt. Die Folge: Eine sofortige Vollsperrung der A45 in diesem Bereich.

Bundesautobahn 45Abkürzung: A45
SpitznameSauerlandlinie
Gesamtlänge257 Kilometer
BundesländerNRW, Hessen, Bayern

A45: Sperrung der Talbrücke Rahmede sorgt in ganz NRW für Verkehrschaos

Um zumindest den Pkw-Verkehr möglichst bald wieder zu ermöglichen, soll in den nächsten drei bis vier Monaten eine Notverstärkung errichtet werden. Zusätzliche Stahlplatten sollen die Verformungen reduzieren. Der Zeitplan steht allerdings unter Vorbehalt. Er hängt unter anderem davon ab, wie der Winter im Sauerland ausfällt.

Klar ist aber schon jetzt: Für Lkw geht es auch im neuen Jahr auf der A45 nicht weiter. Es werden Schranken errichtet, um den Schwerlastverkehr künftig an der Überfahrt der Brücke zu hindern. Die „Sauerlandlinie“, die das Ruhrgebiet mit dem Süden Deutschlands verbindet, ist allerdings eine wichtige Verkehrsader. Der Lkw-Verkehr muss also weiter fließen, wenn auch an anderer Stelle.

Umleitungen nach A45-Sperrung in NRW: ADAC-Experte sorgt sich um Kölner Ring

Ein Teil des Verkehrs wird über die A1, A3 und A4 – also über den Kölner Ring – umgeleitet. ADAC-Experte Roman Suthold ist deshalb besorgt, wie er dem Express sagte. Der Kölner Autobahnring sei ohnehin schon stark belastet, so Suthold. Wie sehr, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass die Rheinbrücke Leverkusen bereits seit Jahren für den Lkw-Verkehr gesperrt ist.

Der aus der A45-Sperrung resultierende Umleitungsverkehr könne für den Kölner Ring zum „Super-GAU“ werden, befürchtet Suthold. Die Talbrücke Rahmede sei dabei kein Einzelfall. Der ADAC-Experte befürchtet, dass in Nordrhein-Westfalen nach und nach weitere Autobahnbrücken den Geist aufgeben werden.

Wird die A45-Vollsperrung zum Super-GAU für den vielbefahrenen Kölner Ring?

„Der Zustand der Brücken aus den 60er und 70er Jahren verschlechtert sich offenbar noch schneller als man bisher gedacht hat“, so Suthold. Beim Bau dieser Brücken sei man von einer Lebensdauer von rund 80 Jahren ausgegangen. Doch die enorme tägliche Verkehrslast mache diese Prognosen zunichte (mehr News zum Verkehr bei RUHR24).

Autobahnbrücken in NRW: A45-Notfall wird wohl kein Einzelfall bleiben

Suthold fordert noch kürzere zeitliche Intervalle bei der Überprüfung der Brücken. Zudem müsse man die Erhaltung und Erneuerung der Autobahnbrücken in NRW massiv vorantreiben. „Es darf jetzt nicht zu einem Dominoeffekt kommen, wo in NRW eine Brücke nach der anderen für Lkw gesperrt werden muss.“

Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn-Niederlassung Westfalen, forderte im Zusammenhang mit der A45 bereits, die Verfahren zu beschleunigen. Man könne den Menschen für den Neubau der Talbrücke Rahmede kein normales Verfahren, das acht bis zehn Jahre dauert, zumuten.

Autobahn Westfalen habe bereits Kontakt mit unmittelbaren Anliegern aufgenommen, um den Baugrund untersuchen und Vermessungsarbeiten durchführen zu können. „Wir müssen für eine schnelle Planung alle mit ins Boot holen“, so Sauerwein-Braksiek. Unterstützung erhofft sie sich dabei auch aus der Politik.

NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) betonte, dass sich das Land beim Bund für ein zügiges Verfahren ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und erneute Planfeststellung einsetzen werde. Ersten Plänen zufolge soll die neue A45-Brücke in fünf Jahren stehen.

Rubriklistenbild: © Autobahn Westfalen

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