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Mordprozess in NRW: Angeklagter bereitet kuriose Verteidigung vor

Ein Mann steht im Verdacht seine Mutter getötet zu haben. Bevor ein Urteil gefällt wird, hat er ein kurioses letztes Wort vorbereitet.
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Ein Mann steht im Verdacht seine Mutter getötet zu haben. Bevor ein Urteil gefällt wird, hat er ein kurioses letztes Wort vorbereitet.

Ein Mann in Münster soll in einem Mordfall verurteilt werden – zu Unrecht, wie er meint. Sein letztes Wort soll nun 72 Stunden andauern.

Münster – Ein Tatverdächtiger aus dem Münsterland in NRW beteuerte seit Beginn des Strafverfahrens seine Unschuld. Der Mann steht im Verdacht, im Sommer 2019 seine Mutter getötet zu haben. Dennoch soll er nun verurteilt werden. Dafür hat er ein außergewöhnliches letztes Wort vorbereitet.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohner17,93 Millionen (Stand 2019)
LandeshauptstadtDüsseldorf

Mordfall im Münsterland/NRW: Angeklagter behauptet er sei unschuldig

Aber von Anfang: Im Juni 2019 war die Leiche einer 80-jährigen Frau in einem Brunnen auf ihrem eigenen Grundstück gefunden worden. Bereits die ersten Ermittlungen führten die Polizei damals zu ihrem Sohn und der Verdacht des Mordes im Zuge eines Erbstreits stand im Raum.

Im April 2020 wurde dann das Verfahren gegen den 56-jährigen Mann eröffnet und Anklage wegen Mordes an der eigenen Mutter gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. 27 Prozesstage später soll nun ein Urteil gefällt werden. Wie die Bild berichtet, plädierte der Staatsanwalt für eine lebenslange Haft wegen Mordes. Der Anwalt des Beschuldigten forderte Freispruch – und auch der Angeklagte selbst behauptet, er sei unschuldig.

Münster/NRW: Angeklagter in Mordfall hat 72-stündige Rede vorbereitet

Um das deutlich zu machen hat er ein umfangreiches sogenanntes letztes Wort vorbereitet. Das steht jedem Angeklagten nach Paragraf 258, Absatz 2 der Strafprozessordnung zu. Die meisten Verurteilten halten sich dabei in der Regel eher kurz. Sie zeigen Reue oder beteuern ihre Unschuld.

Der Angeklagte aus Neuenkirchen in NRW will von „sich kurz halten“ aber nichts wissen, denn er hat einiges zu sagen. „Ich habe 700 Seiten vorbereitet. Das könnte 72 Stunden dauern“, kündigte er der Richterin im Landgericht Münster an, wo der Mordprozess verhandelt wird.

Die 700 Seiten befinden sich in zahlreichen Aktenordnern, die er in einer Kiste gleich mit in den Gerichtssaal gebracht hat. Da das letzte Wort rechtlich gesehen an kein zeitliches Limit geknüpft ist, muss die Richterin ihn gewähren lassen – und der mutmaßliche Täter aus dem Münsterland legte prompt los.

NRW/Münster: Angeklagter wirft Anwalt im Mordfall schlechte Arbeit vor

Er wirft dem Anwalt schlechte Ermittlungsarbeit und Verleumdung vor. So stehe in seiner Anklage, dass er als „einkommens- und mittellos“ gelte. „Ich habe drei Firmen in Rumänien, Russland und Deutschland. In Neuenkirchen nennt man mich den 500er, weil ich nur mit großen Scheinen bezahle. Mit Ihnen kann ich mich finanziell locker messen“, hält er dagegen.

Ebenso, dass in seiner Akte stehe, dass er „erheblich strafrechtlich in Erscheinung getreten sei“, passt ihm nicht. Das hätte man ihm unterstellt, so der Angeklagte aus Neuenkirchen in NRW. Kurze Zeit später gesteht er jedoch, dass bereits eine Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung und Hausfriedensbruchs bezahlen musste.

Der Prozess wurde am Landgericht in Münster abgehalten.

10 Stunden geschafft: Angeklagter aus NRW trägt letztes Wort in Münster vor

Bei seiner Anklage gegen das Gericht, das ihn verurteilen soll, wiederholt er sich mit seinen Aussagen - bis die Richterin ihn unterbricht und darauf hinweist. Doch auch darauf hat er eine Antwort: „Sie müssen hier ein Urteil fällen. Deshalb möchte ich Ihnen das einbläuen!“

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Dann setzt er sein letztes Wort fort. Zehn Stunden Redezeit hat er innerhalb von zwei Tagen schon geschafft. Am Freitag (5. Februar) wollte der Angeklagte aus NRW sein Wort fortsetzen - ob er tatsächlich 72 Stunden reden will, bleibt abzuwarten. Rein rechtlich wäre es möglich. Und noch hat die Richterin kein Urteil gefällt.