Schwerer Kindesmissbrauch

Missbrauchsfall von Münster: Täter muss 3 Jahre in Haft - „ein mildes Urteil für ein schweres Verbrechen“

Im Missbrauchskomplex von Münster wurde ein erstes Urteil gesprochen. Obwohl der Täter Kinder schwer sexuell missbrauchte, fällt es mild aus. Warum?

Münster - Für das Opfer, seine Eltern und Freunde dürfte das milde Urteil trotz Begründung der Richter schwer zu ertragen sein: Drei Jahre und drei Monate muss einer der Männer, der einen neun Jahre alten Jungen im Sommer 2019 schwer sexuell missbrauchte, in Haft. Doch die Richter hielten dem Täter im Missbrauchsfall von Münster einiges zugute.

StadtMünster
Einwohner315.293 (2019)
BundeslandNRW

Urteil im Kindesmissbrauchsfall von Münster: Täter legt umfassendes Geständnis ab

Mit dem Urteil blieb das Gericht geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre und sechs Monate für den 53-Jährigen gefordert hatte. Zu den mildernden Umständen, die das Gericht dem Sexualstraftäter zugutehielt, zählen, dass der Täter umfassend gestanden haben soll. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, soll er außerdem Hinweise zu weiteren Tätern im Missbrauchsfall von Münster gegeben haben.

Die inzwischen abgerissene Gartenlaube soll Haupttatort im Missbrauchskomplex Münster gewesen sein.

Dennoch soll laut dpa selbst der Vorsitzende Richter im Missbrauchsfall von Münster von einem „milden Urteil für ein schweres Verbrechen“ gesprochen haben. Durch sein Geständnis habe er aber dem Opfer eine Aussage erspart - ein weiterer mildernder Umstand, der dem Täter angerechnet wird.

Kindesmisbrauch in Münster: Kinder wurden Tätern für sexuelle Gewalt zur Verfügung gestellt

Bei dem Opfer, einem neun Jahre alten Jungen, soll es sich um den Ziehsohn des Hauptbeschuldigten handeln. Der Haupttäter und seine Mutter sind in eigenen Verfahren angeklagt. Der 27-Jahre alte Mann, der als Haupttäter in dem Fall von Kindesmissbrauch in Münster angeklagt ist, soll den Sohn seiner Lebensgefährtin immer wieder selbst vergewaltigt und anderen Männern für sexuelle Gewaltverbrechen zur Verfügung gestellt haben.

Die ebenfalls angeklagte Mutter des Haupttäters soll von dem Missbrauch gewusst und ihrem Sohn ihre Gartenlaube für die Missbrauchstaten zur Verfügung gestellt haben. Insgesamt wurde bislang Anklage gegen neun Personen erhoben. Acht Kinder sollen Opfer der Angeklagten und Beschuldigten in dem Missbrauchsfall geworden sein. Gegen 20 weitere Beschuldigte laufen die Ermittlungen noch.

Es ist das erste Urteil, welches die Richter im Missbrauchskomplex von Münster gesprochen haben. Verurteilt wurde der 53-jährige Mann aus Norderstedt in Schleswig-Holstein wegen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Bis das Urteil rechtskräftig ist, und der Vergewaltiger die Haftstrafe antritt, darf er die Untersuchungshaft unter Auflagen verlassen. In dieser Zeit muss sich der Verurteilte zweimal in der Woche bei der Polizei melden und jeden Wohnortwechsel mitteilen. Zudem muss der Täter dem Opfer 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, berichtet die Bild.

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