Ermittlungen laufen an

Missbrauchsfälle in Münster: Chef der Wirtschaftsförderung mit Verbindung zum Beschuldigten

Die Polizei in Münster informiert über einen neuen Fall von Kindesmissbrauch.
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Die Polizei in Münster informiert über einen neuen Fall von Kindesmissbrauch.

Die Missbrauchsfälle in Münster sorgt für immer mehr Konsequenzen. Der Chef der Wirtschaftsförderung hat eine Verbindung zum Beschuldigten - mit Folgen.

  • Die Missbrauchsfälle an Kindern in Münster sorgt immer weiter für Aufmerksamkeit.
  • Nun wurde der Chef der Wirtschaftsförderung Thomas Robbers entlassen.
  • Dieser hat eine Verbindung zum Hauptbeschuldigten Adrian V.

Update, Dienstag (16. Juni), 21 Uhr: Der Missbrauchs-Skandal in Münster zieht noch weitere Kreise als angenommen. Im Zuge dessen wurde nun der Chef der Wirtschaftsförderung Thomas Robbers (56) entlassen. 

Wie Msl24 berichtet, sei der Hauptbeschuldigte Adrian V. ein Bekannter von Thomas Robbers und soll den Beschuldigten und seine Mutter mehrmals in seine private Ferienwohnung in Belgien eingeladen haben. Wie die Bild berichtet, soll Adrian V. in dieser Wohnung auch mehrfach mit seinen Missbrauchsopfern dort übernachtet haben.

Stadt Münster entscheidet: Chef der Wirtschaftsförderung wird wegen Verbindung zum Missbrauchs-Skandal entlassen

Wegen dieser Verbindung zur Wirtschaftsförderung, hat der Rat der Stadt Münster mit Dringlichkeitsantrag von Oberbürgermeister Markus Lewe (55, CDU) über die Entlassung von Robbers entschieden. Dennoch betont man, dass dieser nichts mit den Missbrauchsvorfällen an sich zu tun habe. Die Ermittlungen in dem Fall dauern noch weiter an.

Chrstine Zeller, Stadtkämmerin, und Robin Denstorff vom Stadtbaurat übernehmen nun die kommissarische Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung. Thomas Robbers äußerte sich währenddessen gegenüber WDR, dass er von den Tatvorwürfen nichts gewusst habe. Wenn er etwas gewusst hätte, hätte er die Wohnung Adrian V. nicht angeboten.

Missbrauch in Münster: Zahl der Opfer steigt weiter an

Update, Dienstag (9. Juni), 10 Uhr: Die Zahl der möglichen Opfer steigt: Zwei Väter hätten Anzeige erstattet, berichtet ein Sprecher der Polizei. Ihre Söhne sollen von den Beschuldigten unsittlich berührt worden sein. Allerdings richtet sich die Anzeige nicht gegen den 27-jährigen IT-Experten aus Münster, der als Hauptverdächtiger gilt. In dem Fall stehen jedoch viele weitere Tatverdächtige im Fokus der Ermittler.

Die Kinder seien in etwa im gleichen Alter wie die bisher bekannten Opfer, also zwischen fünf und zwölf Jahren. Insgesamt wären dann fünf Kinder Opfer des sexuellen Missbrauchs in Münster. Bislang gab es Festnahmen von elf Tatverdächtigen aus mehreren Bundesländern, sieben von ihnen sitzen in Untersuchungshaft.

Sexueller Missbrauch in Münster: Versäumnisse beim Familiengericht

Unterdessen werfen Experten den zuständigen Familiengerichten massive Versäumnisse und Wissensdefizite beim Thema sexueller Gewalt gegen Kinder vor. Gegenüber der dpa berichtet Ursula Enders von der Informationsstelle gegen sexuellen Kindesmissbrauch Zartbitter in Köln, dass es "bei sexualisierter Gewalt viel zu häufig vorkommt, dass wir eine Zwangsbelassung von Kindern in familiären Gewaltsituationen haben, weil Familiengerichte falsche Entscheidungen fällen." 

Serverraum im Keller des Hauptverdächtigen: Hier fanden Ermittler 500 Terabyte hochprofessionell verschlüsseltes Material.

Traumafolgen bei Kindern, die Opfer sexueller Gewalt seien, könnten die Richter oft nicht richtig einschätzen. Den Richtern fehle häufig eine ausreichende Fortbildung. Auch im Fall Münster hatte das Jugendamt seit Jahren Kontakt zur Familie eines der Opfer. Das Amtsgericht Münster entschied 2015 jedoch, dass ein Eingreifen vonseiten der Jugendämter nicht nötig sei. 2016 entschied auch die Stadt, dass es keinen Grund gäbe einzugreifen.

Missbrauchsfall in Münster: Tatverdächtige arbeitete bis zur Festnahme als Erzieherin

Update, Sonntag (7. Juni), 15.45 Uhr: Nach den erschütternden Nachrichten über den Fall des schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern in Münster, kommen am Sonntag weitere Details über die Tatverdächtigen ans Licht.

Die im Missbrauchsfall als Tatverdächtige inhaftierte Frau hat bis zu ihrer Festnahme als Erzieherin in einem Kindergarten gearbeitet. "Die Leitung der Kita wurde von uns informiert", so Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf Taten der 45-Jährigen im Kindergarten. 

Ermittelt werde nur im familiären Umfeld der Frau. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte zuvor über den Arbeitsplatz der Frau berichtet. Ihre Gartenlaube in Münster gilt derzeit als Haupttatort. Die 45-Jährige soll die Mutter eines der Hauptverdächtigen sein.

Diese Gartenlaube in Münster gilt als Haupttatort.

Sexueller Missbrauch in Münster: Polizei identifiziert drei Kinder als Opfer

Im Zuge der bisherigen Ermittlungen hat die Polizei drei Kinder als Opfer identifiziert. Sie sind fünf, zehn und zwölf Jahre alt. Elf Tatverdächtige wurden festgenommen, sieben Beschuldigte - darunter auch die 45-jährige Erzieherin - befinden sich in Untersuchungshaft. Der Hauptbeschuldigte ist ein 27-jähriger IT-Experte aus Münster.

Erstmeldung, Samstag (6. Juni), 14.30 Uhr: Die Ermittler der Polizei informieren heute in Münster (NRW)  über einen neuen Fall von Kindesmissbrauch. Sowohl der Haupttäter (27) als auch das Opfer kommen aus der Stadt in Nordrhein-Westfalen. 

Doch Razzien der Polizei fanden unter der Leitung der Beamten aus NRW auch in Brandenburg, Niedersachsen und Hessen statt. Es gab Festnahmen. Zudem wurden große Datenmengen an Videos beschlagnahmt. 

Schwerer Kindesmissbrauch in NRW und anderen Bundesländern

Schon am Freitag (5. Juni) wurde laut der Ermittler bekannt, dass es zu mehreren Festnahmen in Brandenburg, Niedersachsen und Hessen gekommen ist. Die Polizei NRW (alle Artikel von RUHR24.de) ist Ausgangspunkt des Ermittlungsverfahrens gewesen. 

Am Freitagmorgen hat die Polizei in Frankfurt (Oder) Durchsuchungen in Finowfurt (Brandenburg) geleitet. Einer der Tatorte sei aber auch eine Gartenlaube in Münster. Martin Botzenhardt von der Staatsanwaltschaft Münster bestätigte auf der heutigen Pressekonferenz (6. Juni), dass es sich um insgesamt sieben Tatverdächtige - eine Frau und sechs Männer - handelt. Der Hauptbeschuldigte ist 27 Jahre alt. Bei der 45-jährigen Frau handelt es um die Mutter des 27-Jährigen. 

Sexueller Missbrauch: Hauptschuldiger ist 27 Jahre alt - Opfer ist das Kind seiner Lebensgefährtin

Insgesamt gibt es drei Opfer. Das Hauptopfer ist der zehn Jahre alte Sohn der Lebensgefährtin des 27-jährigen Hauptverdächtigen. Der Missbrauch fand zwischen November 2018 und Mai 2019 statt. Die Taten seien laut Staatsanwalt gefilmt und im Darknet verbreitet worden. Der Hauptverdächtige soll den Zehnjährigen und einen Fünfjährigen zusammen mit anderen Beschuldigten stundenlang missbraucht haben. 

Die Polizei in Münster informiert über einen neuen Fall von Kindesmissbrauch.

In der Gartenlaube in Münster hat die Polizei nach eigenen Angaben Festplatte, Aufnahmegeräte, Videokameras und Computermaterial gefunden. Bei einigen Hauptverdächtigen handelt es sich um IT-Experten. Die Daten seien auf hochprofessionellen und gut verschlüsselten Servern gewesen. Die Datenmengen würden in die Terabyte gehen. Mobiltelefone seien sicher und verschlüsselt gewesen. Die Gartenlaube im Stadtteil Kinderhaus habe Überwachungskameras gehabt. 

Polizei Münster teilt scheußliche Details über den Hauptverdächtigen und dessen Taten mit

Joachim Poll von der Polizei Münster sprach auf der Pressekonferenz auch über die Details der Tat. Es seien abscheuliche Details ans Licht gekommen, die die Beamten über ihre Grenzen gebracht haben. Die Verdächtigen hätten sich "auf das Schlimmste" an den Opfern vergangen. "Sie können sich das nicht vorstellen", so Joachim Poll. Angeblich seien die Kinder während der Taten betäubt worden. 

Ob die Taten von Münster im Zusammenhang mit den Vorfällen von Bergisch-Gladbach oder Lüdge stehen, ist nicht bekannt. 

Kinder befinden sich in Obhut des Jugendamtes - Tatverdächtige schweigen

Der 27-jährige Hauptverdächtige hätte den zehnjährigen in Pädophilen-Foren im Darknet angeboten und verkauft. Bisher hat keiner der Beschuldigten eine Aussage gemacht. Die Kinder würden sich aktuell in Obhut des Jugendamts befinden. 

Der Hauptverdächtige wurde schon in der Vergangenheit strafrechtlich verfolgt. Dabei ging es wohl um das sogenannte "Zugänglichmachen von eindeutigem Material". Er hatte aufgrund seiner pädophilen Neigungen eine Therapie machen müssen und sei diesen Auflagen nachgekommen. Der 27-Jährige ist bereits am 14. Mai festgenommen worden. 

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