14 Jahre Gefängnis für Angeklagten

NRW: Reul hat nach Urteil im Missbrauchskomplex eine üble Befürchtung

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)
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NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) rechnet mit weiteren Missbrauchs-Fällen.

Der Hauptangeklagte im Missbrauchskomplex Münster wurde am Dienstag (6. Juli) zu einer 14-jährigen Haftstrafe verurteilt. Reul allerdings rechnet nicht mit einem Ende.

Münster – Das Urteil des Gerichts wurde von vielen erwartet. Im Missbrauchskomplex Münster soll der 28-jährige Hauptangeklagte wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 29 Fällen für 14 Jahre ins Gefängnis – mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Allerdings rechnet NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) mit weiteren Fällen.

PolitikerHerbert Reul
ParteiChristlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
PositionInnenminister des Landes Nordrhein-Westfalen

Urteil im Missbrauchskomplex Münster: Hauptangeklagter muss für 14 Jahre in Gefängnis

Der verurteilte IT-Techniker gilt in dem Missbrauchskomplex als Schlüsselfigur. Die Urteile in dem nun beendeten Prozess für die anderen Täter lauten: Zehn Jahre Haft für einen Mann aus Hannover (36) für vier Fälle, elf Jahre und sechs Monate für einen 43-Jährigen aus Schorfheide in Brandenburg für fünf Fälle und 12 Jahre für einen 31-Jährigen aus dem hessischen Staufenberg für sechs Fälle.

Auch für diese Männer ordnete das Gericht Sicherungsverwahrung an. Damit folgte es weitestgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Außerdem soll die Mutter des 28-jährigen IT-Technikers für fünf Jahre ins Gefängnis. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Missbrauchsfälle in Lügde, Bergisch Gladbach und Münster: Ende laut Reul nicht absehbar

Neben Lügde und Bergisch Gladbach ist Münster einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in NRW. In dem Komplex wurden bereits fünf Männer zu Freiheitsstrafen verurteilt. Insgesamt wurden durch die Ermittler mehr als 50 Tatverdächtige identifiziert, von denen derzeit etwa 30 in U-Haft sitzen.

Allerdings rechnet NRW-Innenminister Herbert Reul mit weiteren ähnlich schrecklichen Taten, die aufgedeckt werden. Ein Ende der Ermittlungsarbeiten in den drei Missbrauchsfällen sei Reul zufolge nicht absehbar. „Und ich befürchte, irgendwann gibt es dann wieder einen neuen Tatkomplex“, sagte Reul im Rundfunksender WDR 5.

Herbert Reul zu NRW-Missbrauchsfällen: „Wenn du in das Wespennest stichst...“

Der grausame Zwischenstand: Die Ermittler hätten inzwischen vier Petabyte an Daten gesammelt. Diese Menge entspreche etwa einem 8000 Meter hohen Turm mit CDs. Um die Ermittlung weiter voranzutreiben, hat das Land NRW laut dpa investiert. 32 Millionen Euro für neue Technologien, das Personal sei vervierfacht und die Polizeistellen seien miteinander vernetzt worden, sagte Reul.

Schnell kann der Eindruck entstehen, in NRW gebe es besonders viele Missbrauchsfälle. Die Annahme sei laut Reul allerdings falsch. „Wir kümmern uns nur drum“, sagte er. „Wenn du in das Wespennest stichst, dann kommst du auch immer weiter rein.“